Dorstener sind Sparfüchse: Viele legen Geld auf die hohe Kante oder sie sparen für eine Immobilie. © picture-alliance/ dpa
Coronavirus

Dorstener haben so viel Geld auf der hohen Kante wie noch nie

Die Dorstener haben so viel Geld wie noch nie zur Seite gelegt. Aber nicht zwingend, weil sie sparen müssten. Die Analyse, „warum so viel Geld liegenbleibt“, fällt unterschiedlich aus.

Die Deutschen sind im Ländervergleich Spar-Weltmeister. Im Corona-Jahr 2020 haben sie sich selbst übertroffen. Sowohl die Vereinte Volksbank als auch die Sparkasse Vest Recklinghausen bestätigen unabhängig voneinander, dass die Dorstener Sparer noch einmal deutlich mehr Geld zurückgelegt haben. Allerdings fällt die Analyse, was die Gründe dafür sind, unterschiedlich aus.

Stefan Fokken, Pressesprecher der Sparkasse Vest Recklinghausen, sagt, dass Sparen ein Hinweis darauf sei, dass die Kunden aus Sorge um die Zukunft ihr Geld bewusst an die Seite legen. „Das ist nicht der Fall. Wir beobachten eher, dass sie ihr Geld liegenlassen“, so Fokken. Bei der Sparkasse Vest Recklinghausen hätte sich der jährliche Zuwachs gegenüber dem Vorjahr bei den Spareinlagen verdoppelt: „Die Kunden haben noch mehr Barreserven als sonst.“

Vereinte Volksbanken sehen gezieltes Sparen als Grund

Ralf Bröker, Sprecher der Vereinten Volksbank sieht indes gezieltes Sparen beim Kunden als Grund für die stetig wachsenden Einlagen: „Die Menschen in Dorsten, Kirchhellen und Bottrop haben noch einmal mehr Geld zur Seite gelegt beziehungsweise in Wachstum versprechende Anlagen investiert. Es gab bei uns ein deutliches Plus bei den klassischen Spareinlagen und in den Wertpapier-Depots.“

Während Bröker den zunehmenden Sparwillen nicht als eine Sonderentwicklung der Corona-Pandemie betrachtet, „generell steigt seit Jahren der Wunsch unserer Mitglieder und Kunden, bei Bedarf auf gute Rücklagen zurückgreifen zu können“, macht Stefan Fokken teilweise durchaus den Zeitgeist für die Zurückhaltung beim Geldausgeben aus.

„Nachholeffekte“ wird es wohl geben

„Das ist zwar ein Blick in die Glaskugel. Aber das Geld bleibt mangels Gelegenheiten liegen.“ Er geht davon aus, dass es „Nachholeffekte“ beim Konsumverhalten geben wird, wenn der Lockdown beendet ist. „Vielleicht gönnen sich die Menschen dann mehr. Der kommende Urlaub fällt dann üppiger aus als in früheren Zeiten.“

Stefan Fokken nimmt nicht an, dass die Menschen von großen wirtschaftlichen Sorgen geplagt seien: „Viele Arbeitsplätze sind trotz Corona sicher, die Sorge, dass alles noch viel schlimmer wird, ist nicht vorhanden.“ Die Wirtschaft sei durch die Pandemie nicht so stark betroffen wie ursprünglich befürchtet.

Drei Säulen des Sparens

Bei den Volksbanken ist die Kundschaft augenscheinlich besonders sparfreudig. Die Kunden setzen laut Bröker im wachsenden Maß auf „die drei wichtigen Ziele beim Sparen“: Notreserve (zwei oder drei Monatsgehälter), kurzfristige Geldanlage (für größere Anschaffungen oder Renovierungen) und langfristige Investments (Immobilienkauf und Altersvorsorge).

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Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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