Hinter dem Gelände von Gerüstbau Lange verlief früher die Südtrasse der Hafenbahn. Eines der Gleise endet am Prellbock, das andere ist an der Straße abgebunden. © Guido Bludau
Gerüstbau Lange

Dorsten-Ost: Grundstücke der Hafenbahn bleiben vorerst unverkäuflich

Die Firma wächst, der Lagerplatz ist knapp und der ungenutzte Hafenbahnstrang hinter dem Betriebsgelände wäre ideal für eine Erweiterung. Aber das Grundstück bleibt vorerst unverkäuflich.

Es ist nur ein kleines Stück Grund und Boden, aber dem Unternehmen Gerüstbau Lange im Gewerbegebiet Dorsten-Ost würden die etwa 700 Quadratmeter als Lagerplatz gut ins Konzept passen. Deshalb hat Firmenchef Jürgen Lange schon 2019 sein Interesse am Kauf des rund 50 Meter langen Stücks der Hafenbahntrasse hinter seinem Gewerbegrundstück an der Ecke Lünsingskuhle/Rudolf-Diesel-Straße angemeldet. Dort endet derzeit der Südstrang der Bahntrasse.

Doch was beim Getränkeriesen Coca-Cola auf der anderen Straßenseite geklappt hat, bleibt für die Gerüstbaufirma vorerst ein frommer Wunsch: Die Wirtschaftsförderer von Windor haben dem Kaufangebot eine Absage erteilt. Das Gleis hinter Langes Grundstück werde im Gegensatz zu dem Abschnitt bei Coca-Cola noch gebraucht und könne deshalb in den nächsten zehn Jahren nicht verkauft werden, erklärte Windor-Geschäftsführer Markus Funk auf Anfrage der Redaktion.

Die „tote Strecke“ ist noch gar nicht stillgelegt

Was den Anliegern möglicherweise wie eine „tote Strecke“ vorkomme, sei in Wirklichkeit immer noch bahnrechtlich gewidmet und werde in der Tat als Abstell- und Rangiermöglichkeit vorgehalten. Generell, so Funk, sei der Südstrang ja keineswegs stillgelegt: „Die Firma XPO ist darüber direkt ans Schienennetz angeschlossen und auch der Verein On Wheels benutzt die Gleise.“

An der überwucherten „Endstation“ der Hafenbahntrasse findet schon lange kein Zug-Verkehr mehr statt, sagt Jürgen Lange.
An der überwucherten „Endstation“ der Hafenbahntrasse findet schon lange kein Zug-Verkehr mehr statt, sagt Jürgen Lange. © Guido Bludau © Guido Bludau

Jürgen Lange: „Der Gleisanschluss für XPO führt direkt in deren Halle, die brauchen das Stück hinter unserem Gelände gar nicht. Der Abschnitt, den wir kaufen würden, liegt ja deutlich hinter der Weiche und wird gar nicht befahren.“

Mittelständisches Unternehmen fühlt sich benachteiligt

Dass man bei Windor zwei Jahre gebraucht hat, um dem Kaufinteressenten eine endgültige Absage zu erteilen, hat den Dorstener Unternehmer enttäuscht, auch wenn Windor sich inzwischen für die „große Verzögerung“ entschuldigt habe. Lange: „Man hat schon ein bisschen das Gefühl, dass man als mittelständischer Unternehmer schlechtere Karten hat als die großen Nachbarn“, sagt er mit Blick auf Coca-Cola.

Das weist Windor-Geschäftsführer Markus Funk zurück. Die Absage sei allein der Tatsache geschuldet, dass die Strecke noch unter eisenbahnrechtlicher Widmung stehe und die Abstell- und Rangiermöglichkeit bis zum Prellbrock an der Rudolf-Diesel-Straße gebraucht werde.

Zehn Jahre lang wird das Familienunternehmen Lange, das gerade auf seinem Grundstück ein neues Gebäude mit Sozial- und Schulungsräumen errichtet hat, mindestens noch warten und mit dem knappen Lagerplatz auskommen müssen. Wie es dort zugeht, darf sich demnächst auch der neue Windor-Chef Markus Funk anschauen, der Gerüstbau Lange bald einen „Antrittsbesuch“ abstatten will.

Die Hafenbahn

  • 1969 hat die Stadt Dorsten ein Güterbahngleis zur Erschließung des Gewerbegebietes Ost gebaut. Die Strecke ist 3,5 Kilometer lang und hat vier Nebenanschlüsse zu Firmen. 1974 wurde das Gleis um 1,6 Kilometer erweitert.
  • 1980 kaufte Windor die Gleisanlage, die Stadt blieb im Wesentlichen Eigentümerin der Grundstücke und Brücken.
  • 1995 hat sich der Wirtschaftsausschuss dafür ausgesprochen, die Gleisanlage „nur mit geringstem Aufwand“ zu erhalten.
  • Seit April 2013 ist der Bahnübergang Nikolaus-Otto-Straße gesperrt, seit April 2014 der gesamte Rangierbahnhof.
  • Seit Januar 2015 kann der südliche Strang der Hafenbahn nur noch mit Eisenbahnfahrzeugen befahren werden, deren Achslast unter zehn Tonnen liegt. Üblich sind rund 20 Tonnen.
Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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