Die Dorstener Floristin Dorine Köster macht ihren Unmut über das Verhalten von Supermärkten und Discountern in der Coronakrise Luft. © Privat
Einzelhandel

Corona: Floristin ärgert sich schwer über Supermärkte und Discounter

Die Coronakrise reißt auch Gräben zwischen Einzelhändlern und Discountern neu auf. Eine Floristin aus Dorsten hat in den sozialen Medien ihrem Ärger über die großen Ketten Luft gemacht.

Spielzeug, Kleidung, Elektrogeräte, Werkzeug und auch Pflanzen und Blumen: Supermärkte und Discounter bieten immer breitere Warensortimente an. Fachhändler haben gelernt, damit fertig zu werden. Doch der Corona-Lockdown reißt die Gräben neu auf.

„Ich finde es schade, dass diese großen Ketten wegen der steigenden Nachfrage derzeit noch mehr branchenfremde Produkte als sonst verkaufen“, sagt die Dorstener Floristin Dorine Köster. „Und das bei Blumen zu Preisen, bei denen beim Gärtner definitiv nur noch ein paar Cent ankommen“, macht die Inhaberin des Blumengeschäfts „Floristik Köster“ mit einem Beitrag in sozialen Medien ihrem Ärger Luft.

Aufruf zur Solidarität

Die 30-jährige Geschäftsfrau befürchtet, dass am Ende die kleinen Fachhändler vor Ort, die viel Zeit in die Beratung ihrer Kunden und den Service investieren, auf der Strecke bleiben werden. „Seid so lieb, kauft und bestellt bei uns, damit wir Euch noch lange erhalten bleiben“, ruft sie die Bürger zu Solidarität mit ihren Einzelhandelskollegen in Dorsten auf.

Dorine Köster weiß, dass sie hier in NRW im Gegensatz zu anderen Händlern und Geschäftsleuten noch Glück hat. „Ich darf immerhin für ein, zwei Kunden gleichzeitig öffnen, in anderen Bundesländern müssen auch die Blumenläden geschlossen bleiben“, erklärt sie. „Aber trotzdem habe ich seit Corona höchstens ein Drittel von dem eingenommen, was ich sonst verdient habe.“

„Ich liebe mein Geschäft“

2017 hat die gebürtige Dorstenerin das kleine, aber feine Blumengeschäft an der Pfarrer-Wilhelm-Schmitz am Dorstener Krankenhaus übernommen: „Mit absolutem Herzblut, denn ich liebe mein Geschäft.“ Sie verkauft seitdem nicht nur Blumen, Accessoires oder bindet Sträuße, sondern stellt in Handarbeit auch Blumenschmuck für alle Räumlichkeiten und Gelegenheiten her. „Auch ausgefallene und durchgeknallte Arrangements.“

Das Floristik-Geschäft Köster befindet sich direkt vor dem Dorstener Krankenhaus. © Privat © Privat

Doch seit der Coronakrise sind viele Aufträge weggebrochen. Keine größeren Geburtstags- und Kirchen-Feierlichkeiten, keine Hochzeiten, auch Beerdigungen nur noch in kleinem Rahmen, „und in die Altenheime nimmt auch keiner mehr Sträuße mit, weil Angehörige dort kaum noch ihre Verwandten besuchen dürfen.“

Mindestens ein Drittel des Umsatzes erzielte sie früher mit der „Laufkundschaft“: Menschen, die Blumen für die Patienten im Krankenhaus gekauft haben. Doch Besuche sind dort nicht mehr erlaubt.

Krankenhaus-Lieferservice

Ein wenig auffangen kann sie die Verluste mit ihrem Krankenhaus-Lieferservice. „Die Kunden können sich Blumen aussuchen, ich gebe sie an der Zentralen Aufnahme ab und warte, bis Stations-Mitarbeiter sie dort in Empfang nehmen.“

Große Einnahmen hat sie dabei nicht, auch nicht mit dem Valentinstag (14.2.): „Die Kunden denken, dass wir uns am Valentins- oder auch am Muttertag eine goldene Nase verdienen, das stimmt aber nicht“, sagt sie: „Unsere Großhändler rufen dann für uns nämlich viel hohe Preise als sonst auf.“

Neue Konzepte entwickelt

Dorine Köster erzählt, dass sie ganz neue Konzepte entwickelt hat. Sie hat eine Selbstbedienungsmöglichkeit für die Kunden eingerichtet, ein WhatsApp-Business gestartet mit Produktkatalog zum direkten Bestellen, verteilt Flyer, ist in den sozialen Netzwerken aktiv. „Und die ganze Familie liefert aus, oft sogar gratis.“

„Keinerlei Interesse“

Auf diesen Touren kommt Dorine Köster oft an Discountern vorbei – und ist sauer, wie die mit Pflanzen und Blumen umgehen. „Auch wenn in Prospekten überall suggeriert wird, dass einem der Supermarkt alles bietet- die haben keinerlei Interesse an den Produkten, die sie verkaufen“, hat sie beobachtet.

Und zählt auf: „Die stellen Zimmerpflanzen in der Kälte vor die Tür, verpacken nichts transportsicher, können keine Fragen zur Pflege beantworten und es ist ihnen egal, ob die Orchideen, die die Kunden drei Wochen zuvor erworben haben, überlebt haben.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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