Karsten Breuer freut sich über das erste vollelektrische Auto im Autohaus Sprungmann, einen Volvo XC40. © Bastian Becker
Trend zum E-Auto

Auch in Dorsten fahren immer mehr Autos mit Elektro-Antrieb

Was 2019 noch Seltenheitswert hatte, ist für die meisten Dorstener Autohändler heute Alltag: Der Verkauf von Elektrofahrzeugen boomt. Wie wird die weitere Entwicklung aussehen?

In Deutschland sind im vergangenen Jahr deutlich mehr Elektroautos auf die Straßen gekommen als im Vorjahr. Fast 400.000 rein elektrische Autos und Plug-in-Hybride wurden 2020 neu zugelassen. 2019 waren es nur rund 100.000. Die Bundesregierung setzt im Kampf gegen den Klimawandel auf Elektroautos. Bund und Hersteller bezuschussen den Kauf mit bis zu 9.000 Euro netto, bei Plug-in-Hybriden sind es bis zu 6.750 Euro.

Auch in Dorsten geht der Trend hin zu mehr Elektromobilität. Die Zahlen belegen das Während im Januar 2020 noch 92 Fahrzeuge mit Elektro-Antrieb in Dorsten zugelassen waren, sind es ein Jahr später 247, eine Steigerung um 168 Prozent. Damit liegt Dorsten knapp über dem Kreisdurchschnitt, im ganzen Kreis Recklinghausen hat die Zahl der zugelassenen E-Autos um 159 Prozent zugenommen (1820 im Vergleich zu 703).

„Die Nachfrage im letzten Jahr ist extrem gestiegen. Man merkt schon, dass die Kunden diese Modelle vermehrt nachfragen“, berichtet Markus Pettendrup, Geschäftsführer von Mercedes Köpper. Das hänge mit der steuerlichen Förderung über vier bis fünf Jahre zusammen. Durch die große Nachfrage seien die Lieferzeiten allerdings momentan auch länger.

Eine Ladesäule für E-Autos steht seit geraumer Zeit auf dem Pendlerparkplatz am Treffpunkt Altstadt.
Eine Ladesäule für E-Autos steht seit geraumer Zeit auf dem Pendlerparkplatz am Treffpunkt Altstadt. © Robert Wojtasik (A) © Robert Wojtasik (A)

Flächendeckende Infrastruktur ist Mercedes-Händler wichtig

Seit anderthalb Jahren verkaufe man die Mercedes-Hybridmodelle, seit einem Jahr vollelektrische Wagen. „Die Kunden sind sehr gut damit zufrieden“, stellt Markus Pettendrup erfreut fest. Drei vollelektrische Modelle sollen in diesem Jahr dazu kommen. Wichtig seien den Kunden dabei die Themen CO2-Reduzierung und Langlebigkeit. Mittlerweile hätten die Modelle 400 bis 500 Kilometer Reichweite. „Wichtig ist, dass eine flächendeckende Infrastruktur mit Ladesäulen entsteht“, erklärt der Geschäftsführer. Auf dem Gelände des Autohauses befinde sich eine entsprechende Aufladestation. Zudem verkauft Mercedes Köpper auch vollelektrische Smarts in verschiedenen Modellen.

Markus Pettendrup: „Die Nachfrage im letzten Jahr ist extrem gestiegen.“
Markus Pettendrup: „Die Nachfrage im letzten Jahr ist extrem gestiegen.“ © Archiv © Archiv

E-Autos bringen Spaß und ergeben Sinn

„2019 war der Verkauf von Elektroautos noch relativ exotisch, mittlerweile ist das für uns Alltag“, berichtet Karsten Breuer, Verkäufer im Autohaus MOHAG Automobile Sprungmann.

Seit Ende 2019 konnte man die ersten Hybrid-Fahrzeuge vor Ort den Kunden zeigen. „Die Kunden konnten die Autos fahren und haben festgestellt, das macht Spaß und ergibt Sinn“, erklärt Karsten Breuer. Mittlerweile verkauft das Autohaus Sprungmann auch den ersten vollelektrischen Wagen der Marke Volvo mit mehr als 400 Kilometer Reichweite. „Für den, der es im Alltag braucht, kann das ein tolles Produkt sein“, fasst Karsten Breuer zusammen.

„Wir verkaufen E-Autos sehr gut, speziell in der zweiten Jahreshälfte hat das Geschäft angezogen“, stellt auch Jörg Borgmann, Geschäftsführer des Autohauses Borgmann, fest. Viele Kunden hätten sich schon vorher mit dem Thema beschäftigt, Umweltaspekte spielten dabei sicher auch eine Rolle. „Durch die erhöhte Förderung sind die Autos auch für Privatkunden interessant geworden“, ist er sich sicher. Jörg Borgmann freut sich besonders darüber, dass er die gewünschten Fahrzeuge auch schnell liefern kann: „Da sind wir mit unseren Marken Hyundai und Opel in einer glücklichen Lage“.

Nachfrage in einem Autohaus geringer als gedacht

Julian Sonntag, Automobilkaufmann im Autohaus Sonntag, stellt dagegen fest: „Bei uns ist die Nachfrage gar nicht so hoch. Wir bieten die Modelle seit September an und hätten gedacht, dass wir etwas mehr verkaufen.“ Bei den Kunden überwiege die Skepsis bezüglich der geringeren Reichweite und die Frage, wie sinnvoll die Anschaffung wirklich sei.

Noch sind die Elektrofahrzeuge aber trotz ihrer weiteren Verbreitung im Vergleich zu anderen Antriebsformen deutlich unterrepräsentiert. In Dorsten beträgt ihr Anteil an den insgesamt zugelassenen Kraftfahrzeugen 0,4 Prozent. Jedes 250. zugelassene Fahrzeug fährt somit elektrisch. Im Kreis Recklinghausen ist Haltern mit einem Anteil von 0,56 Prozent führend.

Welche Rolle die Elektronik-Autos in der Zukunft spielen, will Jörg Borgmann nicht abschließend voraussagen. „Da sind viele Faktoren auschlaggebend. Der Anteil der Elektroautos wird weiter steigen, aber sie werden nicht alles verdrängen. In Zukunft könnte auch vermehrt Wasserstoff als zusätzlicher Antrieb dazukommen“, stellt er in den Raum. „Von der Bundesregierung wird es wahrscheinlich diverse Auflagen geben, sodass nichts anderes übrig bleibt“, erklärt Julian Sonntag.

Auf dem Parkplatz des Hagebaumarkts an der Gottlieb-Daimler-Straße können zwei Elektrofahrzeuge aufgeladen werden.
Auf dem Parkplatz des Hagebaumarkts an der Gottlieb-Daimler-Straße können zwei Elektrofahrzeuge aufgeladen werden. © Bastian Becker © Bastian Becker

Wasserstoff-Antrieb könnte bald Thema werden

„Wir sollten das Thema Wasserstoff nicht vergessen, das wird in den nächsten drei, vier Jahren kommen. Benzin und Diesel sind nicht ganz wegzudenken“, sieht Markus Pettendrup vielfältige Antriebsmöglichkeiten für die nächsten Jahre. Karsten Breuer betont: „Der Anteil der Elektroautos wird zwangsläufig steigen. Die gesetzten Klimaziele sind mit klassischen Verbrennungsmotoren nicht zu erreichen. Der Weg ist für die nächsten zehn Jahre vorgezeichnet.“

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Bastian Becker

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