Zwischen Chaos und Ordnung: Im Garten eines Castrop-Rauxeler Künstlers

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Jan Bormann lebt seit 1977 in einem alten Fachwerkhaus im Castrop-Rauxeler Gewerbegebiet an der Herner Straße. In seinem Garten schafft er Ordnung und arbeitet gleichzeitig mit dem Chaos.

Castrop

, 06.08.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mitten im Gewerbegebiet an der Herner Straße finden sich das rote Fachwerkhaus und der grüne Garten des Künstlers Jan Bormann. Er bewohnt das Haus mit seiner Frau Erika A. Schäfer seit 1977. Der Garten spiegelt die schaffende Tätigkeit und das Wesen des Künstlers wieder. Jan Bormann ist ein Castrop-Rauxeler Künstler, der viele Werke im öffentlichen Raum geschaffen hat, zum Beispiel die Sonnenuhr auf der Halde Schwerin.

Viele Dinge aus dem alten Fachwerkhaus hat Jan Bormann wiederverwertet. Die alten Tröge aus dem Kuhstall hat er zu Blumenkübeln umfunktioniert.

Viele Dinge aus dem alten Fachwerkhaus hat Jan Bormann wiederverwertet. Die alten Tröge aus dem Kuhstall hat er zu Blumenkübeln umfunktioniert. © Nora Varga

Als er und seine Frau das Haus bezogen, sah hier noch alles anders aus. Jan Bormann zeigt uns Bilder von damals: „Hier stand noch nichts. Da war nur ein bisschen Gras und ein paar alte Obstbäume". Von der einstigen Tristesse ist heute nichts mehr zu spüren. Bäume, Sträucher, Blumen, Pflanzen und natürlich Skulpturen des Künstlers prägen den Garten.

Das alte Fachwerkhaus von 1844  bietet dem Skulpturengarten des Künstlers eine besonders Idyllische Kulisse.

Das alte Fachwerkhaus von 1844 bietet dem Skulpturengarten des Künstlers eine besonders Idyllische Kulisse. © Nora Varga

Jede Pflanze und jeder Baum wird hier mit Bedacht und einem Hintergedanken gepflanzt. Der eine Baum spendet Schatten, der nächste dient als Rückzugsmöglichkeit für Vögel und einige sollen den Garten vor den Blicken anderer schützen.

Pflanzen werden genau darauf abgestimmt, wann sie blühen. In Jan Bormanns Garten gibt es so kaum einen Monat, in dem sich nicht eine Pflanze durch Farbenpracht oder frühes Grün hervortut.

Seine Wissen über Gärten hat Jan Bormann bereits in seiner Kindheit erhalten. Er hat oft bei Arbeiten im Nutzgarten geholfen.

Seine Wissen über Gärten hat Jan Bormann bereits in seiner Kindheit erhalten. Er hat oft bei Arbeiten im Nutzgarten geholfen. © Nora Varga

Ein Blickfang dazwischen sind die Skulpturen des Künstlers. Sie stehen mitten auf der Wiese oder manchmal versteckter zwischen den Sträuchern. „Ich schaffe vor allem Kunst im öffentlichen Raum. Das bedeutet: Der Raum gibt mir das Thema, die Maße und die Gegebenheiten vor. In meinem Garten kann ich für mich schaffen. Hier bin ich ganz frei", erklärt Jan Bormann.

Der Einfallsreichtum des Künstlers in seinem Garten hat keine Grenzen. Vor 30 Jahren betrachtete er einen seiner Bäume, dessen Äste ihn an die Fassung eines Diamanten erinnerten. Er setzte, statt eines Diamanten, eine Steinkugel in den Baum. Das war vor 30 Jahren. Seitdem kommt der Baum mit der Kugel gut zurecht", so Jan Bormann schmunzelnd.

Dieser Baum hält die Steinkugel bereits seit 30 Jahren. Vor einem Jahr platzierte Jan Bormann eine weitere in einem anderen Baum.

Dieser Baum hält die Steinkugel bereits seit 30 Jahren. Vor einem Jahr platzierte Jan Bormann eine weitere in einem anderen Baum. © Nora Varga

Eine weitere Arbeit, die ins Auge fällt, stellt eines Vogel dar. Es handelt sich um eine Pfauenschwanztaube, die einst eine Prüfungsarbeit im Studium des Künstlers war. Er wollte das Thema „Taube" von allen bekannten Bedeutungen (Friedenstaube, Heiliger Geist, Brieftaube) loslösen.

Diese Taube aus Muschelkalkstein erinnert den Künstler an sein Studium.

Diese Taube aus Muschelkalkstein erinnert den Künstler an sein Studium. © Nora Varga

Der Garten hat im laufe der Zeit verschiedenen Phasen durchlebt und wurde unterschiedlich genutzt. Eine alte, verwachsene Sitzecke, so erzählt Bormann, habe er nach Ausstellungen und zu besonderen Anlässen früher oft genutzt, um mit vielen Leuten dort zu sitzen. Jetzt, nach vielen Jahren, möchte er sie wieder herrichten.

Der Tisch in der Sitzecke stammt aus einem Steinbruch, in dem das Stück als nicht brauchbar zum "Abfall" erklärt wurde.

Der Tisch in der Sitzecke stammt aus einem Steinbruch, in dem das Stück als nicht brauchbar zum „Abfall“ erklärt wurde. © Nora Varga

Auch wenn der Garten von geraden Linien und abgetrennten Beeten dominiert wird, lässt Jan Bormann seinem Garten auch Freiraum. Es gibt Pflanzen wie die wilden Erdbeeren, die er durch den Garten wandern lässt. Er versucht, das vermeintliche Chaos der Natur in einen groben Rahmen zu fügen, den er dem Garten gegeben hat.

Auch dieses Kunstwerk ist von Lappland inspiriert. Das Werk mit dem Namen "Traumschiff" besteht aus überzähligem Leder, Holz und einer Walrippe aus Finnland.

Auch dieses Kunstwerk ist von Lappland inspiriert. Das Werk mit dem Namen "Traumschiff" besteht aus überzähligem Leder, Holz und einer Walrippe aus Finnland. © Nora Varga

Die Faszination Jan Bormanns für Lappland hat sich schon in vielen seiner Werke gespiegelt. In seinem Garten beherbergt er einen Stein, der als „Blumentopf" für eine lappländische Moos-Landschaft dient. In diesem Beet gibt es sogar einige fleischfressende Pflanzen.

Das Stein-Beet hat sein eigenes Bewässerungssystem.

Das Stein-Beet hat sein eigenes Bewässerungssystem. © Nora Varga

Sein Garten ist für Jan Bormann sowohl Rückzugsort als auch Inspiration. „Ich bin immer wieder beeindruckt von der Kraft und dem Einfallsreichtum der Natur. Sie findet immer einen Weg und macht nie Pause", erklärt der Castrop-Rauxeler. Ruhelos wie der Künstler, der nicht an Ruhestand denkt.

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