Second-Hand-Laden Zwergenland in Ickern schließt nach über zehn Jahren

dzGeschäftswelt

Das Zwergenland in Castrop-Rauxel ist Geschichte. Ulrike Pallasch schließt den Second-Hand-Kinderladen. Dabei lief er gut. Dass es nicht weiter geht, hat andere Gründe.

Ickern

, 12.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Zwergenland ist eigentlich der Liebe wegen entstanden. Denn Ulrike Pallasch, die fast elf Jahre lang das Gesicht des Second-Hand-Ladens an der Ickerner Straße war, kommt eigentlich aus Dortmund und arbeitete dort auch als Geschäftsführerin in einem großen Second-Hand-Laden.

Dann aber lernte sie ihren zweiten Ehemann Mario kennen. Und der ist nun einmal Ickerner. Zu dem zog sie. Von Ickern aus immer nach Dortmund-Schüren zu pendeln, das war Ulrike irgendwann zuviel. „Als mein Mann dann sagte: Mach dich doch einfach hier selbstständig, habe ich nicht lange gezögert“, erzählt die 64-Jährige. Das Know-How war schließlich da.

Der Laden war eine echte Erfolgsgeschichte

Erst betrieb sie das Zwergenland mit einer Partnerin. „Die hat dann aber recht schnell gemerkt, dass das nichts für sie ist. Dann habe ich eben allein weiter gemacht“, so Ulrike Pallasch.

Der Laden wurde zu einer echten Erfolgsgeschichte. Denn das Zwergenland ist weit über Ickern hinaus eine Anlaufstelle für Mütter und Väter geworden, die hier Babywäsche verkaufen oder günstig einkaufen wollten. Am Donnerstag (12.12.) öffnet das Zwergenland ein letztes Mal.

Jetzt lesen

Rückblick: „Der Laden ist damals sofort gut angenommen worden, und daran hat sich zum Glück auch nie etwas geändert“, erzählt Ulrike Pallasch mit einem Strahlen im Gesicht.

Am Anfang klappperte sie alle Kindergärten ab

Am Anfang musste man zwar noch die Werbetrommel rühren, hat alle Kindergärten abgeklappert, hat bei den Kinderärzten Zettel ausgehängt, hat auch Anzeigen geschaltet. Recht schnell aber wurde das Zwergenland zum Selbstläufer.

Second-Hand-Laden Zwergenland in Ickern schließt nach über zehn Jahren

Das Zwergenland, ein Second-Hand-Laden für Kinderkleidung an der Ickerner Straße, macht am 12. Dezember zu. © Thomas Schroeter

Als Beleg dafür verweist ihr Ehemann auf dicke Aktenordner, in denen seine Frau von Anfang an und bis zum letzten Tag akribisch Buch geführt hat. Mit der Hand. Über Kunden und Artikel, über Größen und Preise.

Mehr als 500 Stammkunden, besser gesagt wohl Stammkundinnen, hat sie in den Jahren gehabt. Nicht nur aus Ickern, auch aus Waltrop und Datteln, aus Herne und sogar aus Gelsenkirchen kamen sie zu Ulrike Pallasch an die Ickerner Straße. Alle sind sie dokumentiert in den Ordnern, fast alle kannte die Geschäftsfrau aber auch so gut, dass oftmals kein Blick in eine Liste nötig war, um die Kundin zuzuordnen.

Der ganze Laden voller Kleidung und Spielzeug

„Es fällt jetzt doch schon etwas schwerer mit dem Alter.“
Ulrike Pallasch

Noch am Tag vor der Schließung hängt der Laden gerappelt voll mit Kleidung, mit Schuhen, Spielsachen, Babyzubehör. Was nicht mehr abgeholt wird, wandert dahin, wo es immer gelandet ist: in einem Kinderheim in Herne, einem im Sauerland und beim Betreuungsprojekt Momo in Waltrop.

Etwa ein Drittel der übrig gebliebenen Waren, so der Schnitt über die Jahre, gehen wieder zurück an den Anbieter. Die restlichen zwei Drittel gingen an diese sozialen Einrichtungen, die sich über jede Lieferung aus Ickern freuten.

Hat ihr der Laden denn immer Spaß gemacht oder gab es auch mal schwierige Stunden? „Nein, da habe ich richtig Glück gehabt, mir hat das hier immer riesigen Spaß gemacht. Und die Rückmeldung der Kunden war auch so. etzt sind alle traurig, dass ich aufhöre“, erzählt die 64-Jährige mit einem Lächeln.

Jetzt lesen

Anfang vergangenen Jahres war schon einmal der Plan da, den Laden zu schließen. Damals konnte sie sich noch nicht überwinden. Jetzt aber gibt es kein Zurück mehr. „Es fällt jetzt doch schon etwas schwerer mit dem Alter“, gibt sie zu. Außerdem ist ihr Ehemann Mario, der im Bergbau tätig war, längst im Ruhestand.

Mehr Zeit für die Enkel und für Reisen

So wollen die beiden Ickerner jetzt mehr Zeit für sich haben, aber auch mehr Zeit für ihre inzwischen drei Enkelkinder. Sie wollen auf Reisen gehen jetzt, da man auf keinen Laden mehr Rücksicht zu nehmen braucht.

Keiner wollte den Laden weiter führen. Die beiden Töchter? „Nee, die haben beide reich geheiratet“, ulkt der Vater. „Die wissen, was das für eine Arbeit ist“, sagt die Mutter.

Jetzt sind die Enkel dran. Und ihr Mann. Und sie selbst. Auch wenn das Herz etwas schmerzt.

Spende übergeben

  • Am Tag vor der Schließung hatten Ulrike und Mario Pallasch noch Besuch aus Datteln.

  • Die beiden Ickerner übergaben zwei Spendendosen mit insgesamt 7,2 Kilogramm Kleingeld, das die Kunden gespendet hatten, an die Elteninitiative krebskranker Kinder aus Datteln.
Second-Hand-Laden Zwergenland in Ickern schließt nach über zehn Jahren

Ulrike (2.v.r.) und Mario Pallasch übergaben die Spendendosen an Roswitha Rabe (2.v.l.) und Canan Ok von der Elterninitiative für krebkranke Kinder an der Dattelner Kinderklinik. © Thomas Schroeter

Lesen Sie jetzt

800 Jahre Ickern feiert der Stadtteil im Jahr 2020. Der Stadtteilverein „Mein Ickern“ hat sich dafür schon einiges überlegt - ist aber auch noch offen für Vorschläge Von Iris Müller

Lesen Sie jetzt