Zukunft einiger Arbeitslosen-Beratungsstellen steht auf der Kippe

dzArbeitslosenzentren

In der Statistik schmilzt die Zahl der Arbeitslosen. Doch es gibt reichlich Menschen, die keine Arbeit haben. Für die braucht es Beratung: berufliche und emotionale. Wer hilft in Zukunft?

Castrop-Rauxel

, 12.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Land NRW legt Angebote für Arbeitslose zusammen: So titelte Anfang Februar der WDR in einer Meldung, die für Unruhe sorgt. Sie basiert auf einem Konzept, das NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstag vorstellte. 79 sogenannte Arbeitslosenzentren droht demnach die Einstellung der Förderung mit Ablauf des Jahres 2020.

Ein richtiges Arbeitslosenzentrum gibt es in mit diesem Namen in Castrop-Rauxel nicht. Aber es gibt natürlich Hilfe: fachlich bei der Bundesagentur für Arbeit an der Widumer Straße und beim Jobcenter für Sozialleistungs-Empfänger, emotional bei der Caritas am Lambertusplatz. Beratung für Arbeitslose heißt die Stelle hier.

73 Erwerbslosenberatungsstellen sollen die Aufgaben übernehmen

Solche Stellen stehen vor schwierigeren Zeiten. Auch wenn Laumann nicht von einem sozialen Kahlschlag spricht, denn die Arbeit zumindest der Arbeitslosenzentren werde von den 73 Erwerbslosenberatungsstellen übernommen, so der WDR.

Die Castrop-Rauxeler Landtagsabgeordnete Lisa Kapteinat (SPD) sieht das anders: Die Opposition im Land spricht von Plänen für eine Zerschlagung der Strukturen von Arbeitslosen- und Erwerbslosenzentren: „Sie werden dringend gebraucht. Die unabhängigen Beratungsstellen helfen Arbeitslosen bei der Bewältigung ihrer Alltagssorgen und bei der Suche nach einem Job. Sie sind deshalb ein - auch emotional - wichtiger Baustein einer menschlichen Arbeitsmarktpolitik in unserem Land.“

Wenn NRW-Arbeitsminister Laumann jetzt die Landesförderung der Arbeitslosenzentren einstelle und eine Zusammenlegung mit den Erwerbslosenzentren ohne zusätzliche Mittel und Personal vorantreibe, dann bedeute das „de facto auch die Schließung von Einrichtungen“, so Kapteinat. „Flächendeckende Beratung wird es nicht mehr geben. Die Folge wird ein Flickenteppich sein.“ Das hätten die erfahrenen Expertinnen und Experten in den Beratungsstellen, die einen hervorragenden Job machten, und die Menschen, die auf ihre Hilfe angewiesen seien, nicht verdient.

Existenzielle, aber auch emotionale Sorgen

Stefan Bunse, Leiter der Agentur für Arbeit in Castrop-Rauxel, schätzt die Arbeit der Arbeitslosenzentren ebenfalls: „Arbeitslosigkeit oder drohender Jobverlust beinhaltet neben existenziellen und beruflichen Fragen und Herausforderungen immer auch eine soziale und emotionale Komponente“, sagt er, der eher für die berufliche Seite zuständig ist. „Das lässt niemanden kalt und macht oft etwas mit den Menschen und ihrem Umfeld.“

Deswegen sei zu begrüßen, wenn es neben den Beratungsangeboten der Agentur für Arbeit und Jobcenter Anlaufstellen gebe. „Gerade im Ruhrgebiet, wo der Anteil der von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Menschen trotz aller Verbesserungen immer noch recht hoch ist“, so Bunse.

In welchen Strukturen und Rahmenbedingungen so etwas stattfinde, stehe aber auf einem anderen Blatt. „Das müssen und sollen die politisch Verantwortlichen entscheiden.“

Diese Stelle bei der Caritas bleibt erhalten

Auch Veronika Borghorst von der Caritas Castrop-Rauxel findet, dass die Arbeitslosenzentren wichtige Arbeit leisten: „Sie bieten nicht nur Beratung, sondern sind auch ein Ort der Begegnung mit Gleichbetroffenen und des Erfahrungsaustausches. Diese soziale Komponente ist sehr wichtig, die fehlt“, sagt sie auf Anfrage.

Auf die Caritas in Castrop-Rauxel könnte ihrer Meinung nach mit den Veränderungen vielleicht mehr Arbeit warten. Denn hier gibt es ein Angebot - und zwar unabhängig von auswärtiger Finanzierung. Hier steht trotz der Ankündigung des Ministers keine Veränderung an: „Unsere allgemeine Sozialberatung könnte dann mehr genutzt werden“, mutmaßt Borghorst. Die stemmt der katholische Wohlfahrtsverband aus Eigenmitteln. Auch Einsatzstellen für Arbeitsgelegenheiten („1-Euro-Jobs“) werde man weiter anbieten.

Kontakt zur Caritas

Beratung für Arbeitslose bei der Caritas

  • Caritasverband für die Stadt Castrop-Rauxel, Lambertusplatz 16, 44575 Castrop-Rauxel.
  • Ansprechpartner ist f.schmidt@caritas-castrop-rauxel.de
  • Tel. +49 2305 92355-20
  • Fax +49 2305 92355-40
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