In einem Bus der DSW21-Linie 480 von Ickern zum Münsterplatz gab es am Maifeiertag einen Vorfall, bei dem sich ein Busfahrer gegenüber einem behinderten Paar wohl daneben benommen hat. © Reminghorst (Archiv)
Linie 480

Zeuge: Busfahrer wurde gegenüber zwei Schwerbehinderten ausfällig

Ein Busfahrer soll auf der Linie 480 in Castrop-Rauxel gegenüber zwei Schwerbehinderten ausfällig geworden sein. Thomas Frauendienst, der das erlebte, schritt ein. DSW21 bedauert den Vorfall.

Thomas Frauendienst ist in Castrop-Rauxel bekannt wie ein bunter Hund. Selbst durch eine Contergan-Erkrankung schwerbehindert, tritt er seit Jahren lokal und überregional für die Rechte von Behinderten ein und wurde für diesen Einsatz von der Stadt auch schon mit der Ehrennadel ausgezeichnet.

Zuletzt musste Frauendienst aber gleich doppelt die Erfahrung machen, dass Menschen mit Handicaps in der Öffentlichkeit nicht die Rücksichtnahme erfahren, die ihnen eine gesetzlich vorgeschriebene Teilhabe am Leben immer möglich macht.

Vorfall geschah nachmittags am Maifeiertag

Was ist geschehen? Am Nachmittag des 1. Mai war Frauendienst wie so oft mit dem Bus unterwegs, mit der Linie 480 vom Ickerner Markt in Richtung Münsterplatz. In Habinghorst, berichtet Frauendienst unserer Redaktion, sei dann ein offensichtlich ebenfalls behindertes Paar in den Bus eingestiegen.

Thomas Frauendienst: „Und dann hat sich der Busfahrer einfach komplett unmöglich verhalten, hat das Paar regelrecht angebrüllt, so dass die Frau schließlich sogar in Tränen ausgebrochen ist.“ Das Paar war wohl hinten eingestiegen, hatte zunächst nur die Schwerbehindertenausweise in Richtung Fahrer hochgehalten und sich dann einen Sitzplatz gesucht.

Thomas Frauendienst (l.) ist 2020 von Rajko Kravanja mit der Ehrennadel der Stadt ausgezeichnet worden.
Thomas Frauendienst (l.) ist 2020 von Rajko Kravanja mit der Ehrennadel der Stadt ausgezeichnet worden. © Volker Engel © Volker Engel

Darauf reagierte der Fahrer allergisch, zitierte die Frau nach vorne, wollte sich die Ausweise, die zur kostenlosen Busfahrt berechtigen, ganz genau sehen und maßregelte laut Frauendienst die Frau lautstark, dass ihr Mann gefälligst auch eine andere Maske zu tragen habe.

Thomas Frauendienst: „Das Paar war völlig niedergeschlagen und verdattert. So kann man doch nicht mit Menschen umgehen.“ Und darum sei Frauendienst selbst aktiv geworden und habe den Fahrer dringend um einen anderen Ton ersucht. „Daraufhin hat der mir tatsächlich gedroht. Der mit den Stöcken soll mal ganz ruhig sein, sonst fliegt der aus dem Bus“, das habe der Busfahrer ihm zugerufen.

Gespräch mit dem Fahrer hat schon stattgefunden

Frauendienst rief nach der Fahrt beim Beschwerdemanagement von DSW21 an und beschwerte sich über den Fahrer. Marc Wiegand, Sprecher des Dortmunder Nahverkehrsunternehmens, das die Linie 480 betreibt, bestätigte unserer Redaktion diesen Vorfall.

Nach der Beschwerde von Frauendienst habe „bereits ein erstes Gespräch mit dem infrage kommenden Fahrer und seinem Führungsverantwortlichen stattgefunden. Der Fahrer wurde nun aufgefordert, einen schriftlichen Bericht zu verfassen.“

Daran schlössen sich gegebenenfalls weitere interne Maßnahmen an. Die Fahrerinnen und Fahrer von DSW21 verhielten sich im Allgemeinen freundlich und fahrgastorientiert. Fahrgäste mit Einschränkungen würden umsichtig behandelt und erhielten besondere Unterstützung. Marc Wiegand: „Die geschilderten Verhaltensweisen entsprechen in keiner Weise den Werten und Verhaltensvorgaben des Unternehmens.“

Auch Vorfall mit Taxi schockierte Frauendienst

Leider musste Frauendienst aber mit einem Taxiunternehmen fast zeitgleich eine ebenfalls sehr unschöne Erfahrung machen. In der vergangenen Woche habe ihn am Mittwochabend ein Anruf aus Witten erreicht, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass seine Mutter gestorben sei. „Ich wollte mich dann sofort mit dem Taxi aufmachen, um noch Abschied zu nehmen“, erzählt ein immer noch fassungsloser Thomas Frauendienst.

Der Mann am Taxitelefon habe aber äußerst pampig reagiert, ihm gesagt, dass man ihm so schnell kein Taxi schicken können und dann noch hinterhergeschickt: „Sie haben doch zwei Beine, dann nehmen sie doch den Bus.“ Mit einem anderen Unternehmen sei Frauendienst in der Nacht aber doch noch nach Witten gekommen.

Das Taxiunternehmen, bei dem er abgeblitzt war, habe sich am nächsten Tag zwar bei ihm entschuldigt, die beiden Vorfälle zusammen aber machen Thomas Frauendienst traurig. „So kann man doch einfach nicht mit Menschen umgehen.“

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter
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