ZDF-Moderator Yorck Polus (l.) und Handball-Experte Sören Christophersen treten anders als bei den vorherigen Weltmeisterschaften nicht als Duo vor Ort auf. © ZDF
Handball

ZDF: Yorck Polus berichtet aus dem Homeoffice in Castrop-Rauxel von der WM

Der Castrop-Rauxeler Yorck Polus ist Leiter der ZDF-Sport-Reportage. Und begleitet die Handball-WM in Ägypten aus seinem Arbeitszimmer heraus. Die Corona-Pandemie macht erfinderisch.

Am Freitag (15. Januar) geht die Weltmeisterschaft los in Ägypten für die Deutsche Handball-Nationalmannschaft – mit dem Spiel gegen Uruguay. Vorausausgesetzt, beide Teams können wegen der um sich greifenden Corona-Infektionen eine komplette Mannschaft auf das Feld schicken.

Auf jeden Fall ist nichts wie gewohnt. Wie die Berichterstattung im ZDF aussieht, das verrät Yorck Polus. Der Castrop-Rauxeler ist Leiter der „ZDF Sport-Reportage” und begleitet die Weltmeisterschaft in Ägypten aus seinem heimischen Arbeitszimmer im Stadtteil Henrichenburg und aus dem Studio in Mainz. Wir haben mit ihm gesprochen.

Sie sind ja ein erfahrener Journalist und haben zahlreiche Großveranstaltungen begleitet. Viele TV-Zuschauer kennen Sie auch besonders vom Rudern. Die wievielte Handball-WM ist das für Sie persönlich?

Das ist die achte Handball-WM. Und ich muss sagen, es ist schon jetzt die verrückteste, die merkwürdigste WM meiner Karriere. Tschechien und die USA sind wegen positiver Corona-Tests nicht dabei. Auch Brasilien und Kap Verde wackeln. Wir wissen absolut nicht, wie und was funktioniert. Es sind so viele Unwägbarkeiten zu beachten. So wissen wir nichts über die Mannschaften, die für die USA und Tschechien nachrücken. Kommen die Nachrücker-Teams wie die Schweiz aus der Isolation? Und wenn ja, wie lange waren die Mannschaften in Quarantäne. Es sind gewaltige und ungewohnte Herausforderungen.

Sie arbeiten von zuhause in Castrop-Rauxel, Ihre Kollegen in Mainz und vor Ort in Ägypten. Haben Sie im Vorfeld mit solchen Arbeitsbedingungen gerechnet?

Ich sage mal so. Die Entwicklung ging dahin. Auch für die 2020 ausgefallenen Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele und die Fußball-EM hätten wir mehr und mehr von zuhause, also aus Mainz, berichtet. Die neue Technik macht das möglich. Was allerdings jetzt in dieser Form kommt, das ist eine vollkommen neue Erfahrung. Wir haben nur zwei Reporter vor Ort, die in der Mannschaft-Bubble unterwegs sind, die Interviews führen und die Lage einschätzen. Sie dürfen sich aber nicht frei bewegen, die Auflagen sind sehr streng. Wie es letztlich abläuft, wissen wir nicht genau. Auf jeden Fall werden viele persönliche Eindrücke entfallen, viele Themen wird man einfach nicht mitbekommen. Das, was unsere Berichterstattung im Handball sonst auszeichnet, wird es nicht in der gleichen Form wie üblich geben können.

Wie läuft so ein WM-Tag für Sie in Ihrem Homeoffice in Castrop-Rauxel?

Los geht’s täglich um 9 Uhr mit der ersten Videokonferenz, alles läuft über eine sichere Leitung. Danach besprechen wir, wo unsere Reporter zum Einsatz kommen können, wo was passieren könnte. Ich gebe allerdings zu, bei dieser WM fahren wir nur auf Sicht. Ich selbst bin dann am Wochenende im Studio in Mainz.

Diese WM ist ja auch aus sportlicher Sicht ganz besonders. Was kann die DHB-Auswahl erreichen?

Für mich war der Auftritt in der EM-Qualifikation wirklich beeindruckend. Das ist eine junge Mannschaft, die mich an die der EM 2016 erinnert. Da hat auch niemand etwas erwartet. Die Vorrunde werden wir auf jeden Fall überstehen. Das Problem in der Hauptrunde wird sein, dass man keine Aussagen über die Spielstärke der großen Nationen hat. Auch Frankreich, Norwegen oder Dänemark haben kaum Spiele bestritten, hatten jedoch keine Absagen zu verkraften. Sportlich ist das für die DHB-Auswahl schon ein echter Rückschlag. Schließlich fällt der komplette Mittelblock in der Abwehr weg, der bei den vergangenen Turnieren als Prunkstück der deutschen Mannschaft galt. Für Trainer Alfred Gislason ist das also kompliziert. Auf jeden Fall wird das eine sehr spannende WM.

Erst Corona, dazu noch zum ersten Mal eine WM mit 32 Teams. Ist diese Aufstockung nicht einfach fehl am Platz?

32 Teams sind einfach zu viel. Besonders unter Pandemiebedingungen. Tschechien und die USA sind wegen positiver Corona-Tests ja schon nicht dabei. Auch Brasilien und Kap Verde wackeln. Der Handball leidet schon jetzt unter einer wahnsinnigen Termindichte, jetzt müssen die Spieler noch eine Runde mehr spielen, eine noch höhere Belastung aushalten. Aus Sicht der kleinen Handball-Nationen ist das natürlich attraktiv, andererseits ist das Gefälle zwischen den Teams einfach viel zu hoch.

Mit welcher Quote rechnen Sie eigentlich für die WM-Berichterstattung?

Wir haben da keine Erwartungshaltung. Schließlich wissen wir nicht, wie sich die Pandemie auf die Spiele auswirken wird. Ich denke aber, die Deutschen Handball-Fans freuen sich auf Unterhaltung. Auf der anderen Seite finde ich es gut, dass keine Fans in den Hallen zugelassen sind, die Infektionsgefahr wäre einfach zu groß. Ich weiß aber auch, dass der Handball noch viel mehr von den Fans lebt als andere Sportarten. Vor 20.000 Fans in einer aufgeheizten Atmosphäre zu spielen, ist einfach wahnsinnig intensiv.

Wird die DHB-Auswahl eine Euphorie auslösen können?

Wenn sie erstmal ein Spiel gegen einen starken Gegner gewonnen hat, dann kann der Funke auf die TV-Zuschauer überspringen. Die Spiele laufen immer zwischen 18 und 20.30 Uhr unserer Zeit. Das ist echte Prime Time. Und eins muss ich noch sagen: Diese junge Mannschaft besteht aus echten Typen und hat das Zeug, eine Welle der Begeisterung auszulösen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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