Wucher: Schlüsseldienst kassierte 1326 Euro für halbe Arbeit

dzNotlage ausgenutzt

Ärgerlich, wenn man vor der eigenen Haustür steht und nicht hinein kommt. Noch ärgerlicher, wenn der herbeigerufene Schlüsseldienst Wucherpreise aufruft. Ein Fall für das Amtsgericht.

Castrop-Rauxel

, 11.06.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Situation kennen nicht wenige: Man kommt nach Hause und kann die Tür nicht öffnen. Schlüssel vergessen, oder, wie im vorliegenden Fall, das Schloss plötzlich defekt.

So geschehen im Sommer 2019, als ein Ehepaar gegen 19.30 Uhr vom Einkauf nach Hause kam. Auf den Mann wartete zudem die Nachtschicht. Die 31-jährige Ehefrau rief den Schlüsseldienst an, der, wie sie zunächst glaubte, in Castrop-Rauxel ansässig war. Zumindest suggerierte das der Eintrag im Telefonregister. Später realisierte das Paar, dass es nur ein Vermittler war.

Zuerst die Unterschrift

Auf die Hilfe wartete das Paar rund eine Dreiviertelstunde, hatte durch die Kellertür inzwischen Zugang zum Haus bekommen. Doch die Eingangstür brauchte dennoch einen neuen Zylinder, weil sie nicht mehr zu schließen war.

Bevor das Schlüsseldienst-Duo auch nur einen Schraubendreher in die Hand nahm, wurde ein Vertrag aufgesetzt. Mit der Forderung von 1326 Euro. „Wir waren in einer Notlage, hatten auch gehört, dass Schlüsseldienste abends teuer sind“, erklärte der 40-jährige Ehemann die Tatsache, dass er dennoch unterschrieb.

„Das kriegen Sie doch von der Versicherung wieder“, soll der Mechaniker gesagt haben, der als Angeklagter im Castrop-Rauxeler Amtsgericht saß. Und am fraglichen Abend nur die halbe Arbeit ablieferte. Ein fehlendes Bauteil für den Türrahmen - im Preis bereits enthalten – wollten die Mechaniker am nächsten Morgen einbauen.

Schlüsseldienst-Vermittler unternahm nichts

Doch es passierte nichts. Der Schlüsseldienst-Vermittler hatte die Nachfragen angeblich weitergeleitet, rückte deren Telefonnummer aber nicht heraus. Verärgert erstattete das Ehepaar Anzeige und beauftragte einen anderen Dienst, der noch einmal 300 Euro kassierte.

Der 23-jährige Angeklagte sagte zu all dem nichts. „Er bestreitet, vor Ort gewesen zu sein“, so sein Anwalt. Das Ehepaar war sich dagegen sehr sicher, dass der Angeklagte vor einem Jahr als „Hauptmechaniker“ bei ihnen war. Statur und Größe, markante Augenpartie, alles passte. Zudem hatte der Angeklagte einen brauchbaren Fingerabdruck auf dem Vertrag hinterlassen.

Merkwürdige Erklärung

Der Einwand seines Anwalts, dass Schlüsseldienstler zwischen ihren Einsätzen gern mal in einer Shisha-Bar zusammensäßen, wo sie auch die Vertragsunterlagen der Kollegen berühren könnten, überzeugte nicht.

Betrug und Wucher, befand der Richter. Verhängte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 10 Euro. Eine drastische Strafe für den Angeklagten, die er sich, so die Ausführungen des Richters, selbst eingebrockt habe. Durch sein Schweigen trotz der Indizien. Keine Entschuldigung, kein Geständnis. Jetzt kann er nur noch in Berufung gehen - und sich da gesprächiger zeigen.

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