Eine neue 80-Quadratmeter-Wohnung ist in Castrop-Rauxel heute 80 Prozent teurer als vor sieben Jahren. Das sagt Berthold Lammeck, Immobilien-Experte aus der Altstadt. Der große Preis-Check.

Castrop-Rauxel

, 13.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Zahlen, die die LBS der Sparkasse in ihrem Jahresbericht Ende Mai veröffentlichte, waren schon signifikant. Botschaft: Die Kaufpreise für Häuser und Wohnungen in Castrop-Rauxel steigen. Teil der Nachricht ist aber auch: Sie steigen nicht so stark wie in Dortmund oder gar in den vier Millionenstädten Deutschlands.

Im Überblick gab der LBS-Markt für Wohnimmobilien 2019 folgende Medianwerte für Castrop-Rauxel an:

  • Bauland: 240 Euro (Vorjahr: 230) +4,3 Prozent
  • Eigenheim (gebraucht): 255.000 Euro (Vorjahr: 255.000) +/- 0 Prozent
  • Reihenhaus (gebraucht): 165.000 (Vorjahr: 160.000) +3,1 Prozent
  • Reihenhaus (neu): 230.000 (Vorjahr: 210.000) +9,5 Prozent
  • Eigentumswohnung (qm/gebraucht): 1.150 (Vorjahr: 1.100) +4,5 Prozent
  • Eigentumswohnung (qm/neu): 2.430 (Vorjahr: 2.425) +0,2 Prozent

Wie schätzen Experten das ein? Christoph Warmbrunn, Mitarbeiter in der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses für Castrop-Rauxel, sprach im Interview von einem erheblichen Wandel im Immobilienmarkt, wo vieles „unter der Hand“ verkauft würde. Zu den Preisen äußerte er sich nicht konkreter, sprach aber von Steigerungen im Vergleich zu 2013 um 35 Prozent.

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Was sagt einer, der hier vor Ort im Immobiliengeschäft tätig ist? Makler Berthold E. Lammeck (Von-Poll-Immobilien, am Altstadt-Markt) schätzt den LBS-Marktbericht und den Wohnungsmarkt in Castrop-Rauxel ein.

Immobilienpreise bei 80-qm-Wohnungen in Castrop-Rauxel

„Nach den uns vorliegenden Zahlen lag der Durchschnittspreis 2018 bei 1.630 Euro pro Quadratmeter aus dem Bestand und bei 2.950 bis 3.450 Euro bei Neubauten“, sagt Lammeck. Und im Vergleich? „2012 lagen die Preise noch bei 1.225 Euro aus dem Bestand und 1.775 Euro bei Neubauten.“ Bestandsimmobilien wurden also 33 Prozent teurer, Neubau-Eigentumswohnungen sogar um 80 Prozent.

Der Berater bei von-Poll-Immobilien gibt aber zu bedenken, dass die hohe Steigerung im Neubau Gründe habe: „Zum einen ist sie der deutlich verbesserten Ausstattung, aber auch den sich in den vergangenen Jahren verschärften Auflagen zur Energieeinsparung geschuldet“, sagt Lammeck. Barrierefreier Zugang, Aufzug, Tiefgaragen selbst bei kleineren Einheiten seien heute selbstverständlich. „Sie verteuern die Wohnungen.“

Absolute Verkaufspreise von 80-qm-Wohnungen

Bei den absoluten durchschnittlichen Verkaufspreisen für Eigentumswohnungen ist die Steigerung weniger drastisch: 123.770 Euro im Jahr 2018 gegenüber 112.579 Euro im Jahr 2012 entsprechen „nur“ einer Steigerung von 10 Prozent.

Aber auch hier gibt es eine Zahl, die stärker wuchert und die statistischen Spitzfindigkeiten des Systems erkennen lässt. Lammeck: „Gegenüber dem direkten Vorjahr 2017 fiel die Steigerung 2018 deutlich größer aus. 2017 lag der Durchschnittspreis bei 89.076 Euro, die Steigerung 2018 mit 123.770 Euro beträgt also 39 Prozent.“ Das lässt erkennen: Die Durchschnittspreise schwanken über die Jahre. Sein Fazit: „Die angegebenen 15 Prozent sind wohl etwas zu niedrig angesetzt.“

So verhält es sich mit Einfamilienhäusern in Castrop-Rauxel

„Die Preise für Einfamilienhäuser haben sich in den vergangenen Jahren ebenfalls nach oben entwickelt“, sagt Berthold Lammeck. Die Durchschnittspreise in Castrop-Rauxel verhielten sich laut von-Poll-Immobilien so:

  • 2012 ca. 158.000 Euro
  • 2017 ca. 197.000 Euro
  • 2018 ca. 212.500 Euro

Das entspricht einer Steigerung von 2012 auf 2018 von gut 34 Prozent und von 2017 auf 2018 um fast 8 Prozent. Diese Zahl deckt sich mit denen vom Gutachterausschuss.

Das ist auf dem Mietwohnungsmarkt los

„Der Bereich Vermietung wird durch uns weniger abgebildet“, sagt Lammeck. Aber er erkennt für Castrop-Rauxel stabile Mietpreise in den vergangenen zwei bis drei Jahren. „Hier scheint sich das Angebot mit der Nachfrage die Waage zu halten“, so Lammeck. Die aktuellen Kaltmieten für Bestandsimmobilien liegen laut seiner Recherche zwischen 6,10 Euro je Quadratmeter für größere Wohnungen und 7 Euro für Wohnungen unter 60 Quadratmeter Größe.

So schätzt Berthold E. Lammeck die Marktentwicklung ein

„Bei einem niedrigen Zinsniveau wird sich die Nachfrage nach Immobilien auf einem hohen Niveau stabilisieren und das Angebot übersteigen. Daraus resultierend rechnen wir auch für die nächsten Jahre mit moderaten Preissteigerungen.“

Für Verkäufer bedeute die hohe Nachfrage nach Immobilien eine gute Möglichkeit, ihre Immobilie zum jetzigen Zeitpunkt zu einem marktgerechten Preis zu verkaufen. „Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass überteuerte Angebote vom Markt, zumindest in unserer Region, nicht angenommen werden.“

So sieht der Immo-Experte die weitere Entwicklung

„So lange das Zinsniveau auf dem jetzigen Niveau bleibt, schätzen wir die Nachfrage nach Immobilien weiterhin hoch ein - mit der Folge, dass die Preise für Immobilien in unserer Region weiterhin moderat steigen werden. Somit dürfte die Investition in die eigene Immobilie auch weiterhin die beste Vorsorge für das Alter sein“, sagt Berthold Lammeck.

Ist der Haus- oder der Immobilienkauf damit nur ein Thema für Reiche? „Keinesfalls. Untersuchungen zeigen, dass es bei einer soliden Finanzierung sogar günstiger sein kann, eine Immobilie zu kaufen, anstatt zu mieten. Selbst bei Einfamilienhäusern kann die Finanzierung zu mietähnlichen Belastungen gelingen“, erklärt der Makler.

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