Kurioses Angebot im Baumarkt: Bei Hornbach, hier die Kamener Filiale in einer Phase mit strengeren Corona-Regeln, kann man jetzt Eigenheime kaufen. © Stefan Milk (A)
Mini-Eigenheim

Wohntrend: Das Tiny House gibt es jetzt im Baumarkt

Die Frage nach Bauplätzen für ein Tiny House taucht in immer mehr Städten auf. In Kamen, Dortmund und Datteln gibt es die Mini-Häuser jetzt im örtlichen Baumarkt.

Alles zum Wohnen in einem winzigen Haus – das bietet ein Tiny House. Die Alternative zur Eigentums- oder Mietwohnung im Kleinformat findet im Ruhrgebiet und im Münsterland immer mehr Interessenten.

In Haltern bildete sich unlängst eine Gemeinschaft von Menschen, die gerne in einem Tiny House wohnen wollen. Die Stadt verkaufte erstmals zwei je 220 Quadratmeter große Grundstücke dafür. Andere Kommunen sind noch nicht so weit. In Schwerte gab es einen politischen Vorstoß der SPD im Stadtrat, um Platz für das Wohnen auf kleinem Raum zu schaffen.

Der Trend zum kleinen Eigenheim verlangt von Kommunen, dass sie passende Bau- oder Pachtflächen ausweisen. Dortmund plant auf einem ehemaligen Sportplatz in Sölde ein „Tiny Village“ mit Mini-Häusern von 45 Quadratmetern für einen Bewohner – plus 15 Quadratmeter für jeden weiteren.

Für Interessenten stellt sich die Frage, woher sie den Bungalow bekommen. So gibt es beispielsweise mit Stefan Diekmann und seiner Marke „Tiny House Diekmann“ in Hamm-Bockum-Hövel einen großen Produzenten in der Region, der in fünf Jahren mehr als 100 kleine Häuser ausgeliefert hat. Und neuerdings gibt es auch eine erste Baumarkt-Kette, die Tiny Houses im Angebot hat.

Tiny House aus dem Baumarkt: 27 Quadratmeter Aufstellfläche, schlüsselfertig mit Bad und Küche.
Tiny House aus dem Baumarkt: 27 Quadratmeter Aufstellfläche, schlüsselfertig mit Bad und Küche. © Hornbach © Hornbach

Hornbach, im östlichen Ruhrgebiet in Kamen, Dortmund und Datteln vertreten, bietet seit diesem Jahr offenbar als einzige Baumarkt-Kette ein Tiny House an. Das isolierte Holzhaus, das auf Nachfrage im Baumarkt reserviert wird, ist neun Meter lang und drei Meter breit, also ungefähr so groß wie eine Beton-Fertiggarage.

Sobald der Quader angeliefert und aufgestellt ist, soll nichts mehr fehlen, um darin zu wohnen. Die Küche, mit Herd und Kühl- und Gefrierschrank, sowie das geflieste Bad, mit Dusche und WC, sind bereits komplett. 41.999 Euro müssen Käufer für die schlüsselfertige Version hinlegen, eine Ausbauversion kostet 31.499 Euro.

Vermarktet wird die Immobilie, die sich an den Kranhaken nehmen lässt, als Zweitwohnsitz und Wochenendhaus. Die ersten Häuser seien schon verkauft worden, heißt es in der Unternehmenszentrale im südpfälzischen Bornheim. Die Zielgruppe: Singles, Sparer, Umweltbewusste und Wochenendurlauber. Das einzige Musterhaus steht in Bornheim. Eine Aufstellung in Kamen, Dortmund oder Datteln sei nicht konkret geplant. Über den Hersteller macht Hornbach keine Angaben.

Mindestens eine weitere Baumarktkette reagiert ebenfalls auf den Trend. Bauhaus (u.a. Dortmund, Witten) will ein bewohnbares Tiny House ins Sortiment aufnehmen. „Wir sind im Prozess der Einlistung“, sagte ein Sprecher in der Deutschland-Zentrale in Mannheim. Weitere regional vertretene Baumarkt-Ketten wie Toom, Hellweg und Globus reagierten nicht auf eine Anfrage zu den Mini-Häusern. In deren Sortiment werden derzeit nur größere Gartenhäuser geführt.

Gegenüber Tiny Houses wie in Südkirchen dürften solche Baumarkt-Angebote ein Schnäppchen sein. Für eine geplante Siedlung liegt das preisgünstigste Angebot eines Architekten für den Haustyp B mit rund 55 Quadratmetern Wohnfläche bei 282.000 Euro (ohne Grundstück). Bei Tiny House Diekmann in Bockum-Hövel gibt es zum Beispiel das Modell Alice ab 78.000 Euro.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer

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