Wohnraum statt Kleingärten: Castrop-Rauxel will dem Berliner Vorbild nicht folgen

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Kleingärten gehören in vielen deutschen Städten zum Erscheinungsbild. Mittlerweile werden jedoch einige Flächen zugebaut. Müssen das auch die Kleingärtner in Castrop-Rauxel befürchten?

Castrop-Rauxel

, 22.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Mitten in der Stadt, zwischen Straßen und Gebäuden, da liegen sie. Parzelle reiht sich an Parzelle: Kleingärten. Nicht hinter dem eigenen Haus, sondern in einer Anlage. Für viele Deutsche sind sie mehr als nur ein Hobby.

„Das ist einfach ein Ruhepunkt mitten in der Stadt“, meint Stephan Bevc, Vorsitzender des Bezirksverbands der Kleingärtner Castrop-Rauxel/Waltrop. „Wenn ich von der Arbeit abhaue und in meinem Garten ankomme, dann fühle ich mich besser.“

Der Verband arbeitet eng mit der Stadt zusammen

Zuletzt rumorte es allerdings im deutschen Kleingarten-Wesen. Etwa in Berlin. Es verschwanden reihenweise Flächen, um etwa für Wohnraum Platz zu schaffen.

„Ich verfolge das seit längerer Zeit“, sagt Stephan Bevc. Doch sein Verband arbeitet aktiv dagegen, dass so etwas auch in Castrop-Rauxel passiert. „Wir arbeiten eng mit der Stadt zusammen“, sagt Bevc.

So fördert der Verein etwa Veranstaltungen für fairen Handel oder setzt sich für Ferienspiele und Tagesseminare zur Naturerziehung in der Kinder- und Jugendarbeit ein, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Stadt hält noch Flächen zurück

Doch er ist sich ohnehin sicher: „Es findet ein Umdenken statt.“ Auch in Berlin gehe das schon wieder zurück, dass Kleingärten zugebaut werden, meint er. „Ich mache mir da keine Sorgen, dass das in Castrop-Rauxel passiert.“

Das bestätigt auch Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi: „Aktuell bestehen in Castrop-Rauxel keine Konzepte zur Umwidmung von Kleingärten in Wohnbauland.“

Wohnraum statt Kleingärten: Castrop-Rauxel will dem Berliner Vorbild nicht folgen

Michael Bevc und sein Verband machen sich auch in der Kinder- Jugendarbeit stark und bieten etwa Naturkurse an. © Robert Wojtasik (Archiv)

Im Moment gebe es in der Stadt sogar noch Flächen, die die Stadt für weitere Anlagen zurückhält. „Im Jahr 2005 hatten wir Probleme die Flächen loszuwerden. Momentan wird man die Parzellen leichter los.“

Gegen Steinwüsten in Kleingärten vorgehen

„Kleingärten sind wichtige Ausgleichsflächen in der Stadt“, meint Bevc, „die Anlagen sind für das Klima in der Stadt wichtig.“ Auf der anderen Seite ist allerdings auch das Thema Steingärten in den Kleingartenanlagen angekommen.

Das treffe bei ihm auf einen Nerv, sagt Bevc, angesprochen auf dieses Thema. „Es gibt mittlerweile vereinzelt Kleingärtner, die das machen“, sagt er. Dagegen will er vorgehen.

„Wir haben uns schon extra zusammengesetzt“, sagt Bevc. Der Verband hat vor die Satzung so zu ändern, dass Garten aus Steinen, Mulch und Folie verboten werden. „Wir sind da schon relativ weit, müssen das in der Vorstandssitzung noch einmal besprechen und dann damit zur Stadt“, erklärt Stephan Bevc.

15 Kleingartenanlagen allein in Castrop-Rauxel

Laut Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi gebe es „bundesweit mehr als 1,2 Millionen Kleingärten, die von circa 2,5 Mio. Menschen bewirtschaftet werden.“ In Castrop-Rauxel gebe es allein 15 Kleingartenanlagen über das Stadtgebiet verteilt.

„Sie verfügen insgesamt über 713 Gärten mit einer Gesamtfläche von circa 33,04 Hektar“, sagt sie auf Anfrage der Redaktion.

Immer wieder werden die Castrop-Rauxeler Kleingartenanlagen ausgezeichnet, wie etwa den Gewinn der Goldmedaille im Landeswettbewerb „Kleingärten in NRW“ im Jahr 2017.

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