Auf Holz gebaut: Tochter Sara (13) mit Hündchen Milo und ihre Eltern Michaela und Volker Peters fühlen sich in ihrem Holzhaus in Fröndenberg-Warmen wohl; zur Familie gehört außerdem noch Sohn Pascal (18). © Marcel Drawe
Immobilie der Woche

Wohnen im Holzhaus: Das Klimawunder mit den kurios knackenden Balken

Wer die Gemütlichkeit von Almhütten mag und keine Sorgen um ein schrumpfendes Eigenheim hat, mag in einem Holzhaus die richtige Wohnform erblicken. Familie Peters fühlt sich in ihrem pudelwohl.

Beim Blick auf das Einfamilienhaus, dessen Wände aus mächtigen Rundhölzern bestehen, kommt unwillkürlich der Gedanke an eine dieser romantischen Blockhütten vor Bergkulisse auf. Doch dieses Holzhaus steht im Ruhrgebiet, mitten in einem gepflegten Wohnviertel im Fröndenberger Stadtteil Warmen.

»Jeden Balken haben wir einmal in der Hand gehabt.«

Michaela Peters

Michaela und Volker Peters kannten vor 18 Jahren ein Vorbild für ihren Wohntraum: Direkt neben ihrem Grundstück hatten sie zuvor bereits beim Aufbau des Holzhauses von Volker Peters‘ Bruder mit angepackt. Danach war für das Ehepaar klar: Das eigene Haus links daneben wird auch aus Holz gebaut.

Die beiden waren gerade einmal Anfang und Mitte zwanzig. „Es war für uns aber die Zeit, aus der Miete herauszukommen“, erzählt Volker Peters. Also erkundigte sich das junge Paar nach realistischen Möglichkeiten, machte sich im Umland bei Besitzern von Holzhäusern kundig, was es alles zu beachten gilt.

Holzhaus in Fertigbauweise

Am Ende war ein Holzhaus in Fertigbauweise die perfekte Lösung für die Fröndenberger. 2004 ging es los mit dem Bau, als drei Lkw, die direkt aus Finnland kamen, die massiven Rundhölzer aus nordischer Kiefer in der Straße anlieferten.

Ein Holzhaus setzt sich mit den Jahren. Volker Peters zeigt, wie er die Gewindestangen in den tragenden Holzpfosten mehrmals nachziehen musste. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

„Das wird eine überdimensionale Gartenhütte“, scherzt Michaela Peters heute, habe sie beim Anblick von Unmengen Holz gedacht, das glücklicherweise in einem Wendehammer vor ihrem Grundstück aufgestapelt werden konnte.

„Ist nur ein Balken schief gelegt, ist alles vorbei“

Das Holzhaus steht auf einem Fundament mit Bodenplatte aus Beton wie jedes andere gemauerte Haus auch. Die Besonderheit zwischen Dachpfannen und Keller: Sämtliche Außen- und Innenwände sind aus den glatt geschliffenen und verzapften und verschraubten Kiefernhölzern zusammengesetzt. „Jeden Balken haben wir einmal in der Hand gehabt“, erinnert sich Michaela Peters an die Heimarbeit im wahrsten Sinne des Wortes.

Weil Holz noch einige Jahre arbeitet, bis es völlig ausgetrocknet ist, liegen die Fenster in einer Art Schiene und bewegen sich mit. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

»Die Eigenleistung senkt natürlich die Kosten enorm.«

Volker Peters

„Die Eigenleistung senkt natürlich die Kosten enorm“, sagt Volker Peters (45). Tatsächlich machten sich die beiden Peters-Familien, Eltern und Freunde an die Arbeit, unterstützt bis zum Richtfest von sogenannten Richtmeistern.

Wozu man die Fachleute braucht, leuchtet bei Michaela Peters‘ Worten schnell ein: „Ist nur ein Balken schief gelegt, ist alles vorbei.“ Wenn die Richtmeister ihren Part erledigt haben, „ist man sich selbst überlassen“, erzählt die 39-Jährige – viele Nerven verloren haben sie aber eigentlich nicht. Für den Eigenbau habe es von ihrem Hersteller sehr gute Gebrauchsanleitungen gegeben.

Außen Schutzlasur, innen reine Natur

Keine drei Wochen später habe das Haus gestanden, auch das Aufmauern eines Hauses in dieser Größe dürfte wohl nicht viel schneller gehen. Während das Ehepaar Peters ihr Haus von außen regelmäßig mit einer Schutzlasur streichen muss, kann die Kiefer innen frei atmen, es gibt keinerlei Imprägnierung.

Auch Wasserleitungen müssen speziell angefertigt sein, weil sich das Haus mit den Jahren noch setzt und quasi schrumpft. Die Rohre bekommen daher von vornherein etwas Spiel im Material. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Vorbehandelt ist das Holz neben dem Schleifen nur noch auf eine andere Art: In großen Öfen wird die Restfeuchtigkeit entzogen, damit es sich möglichst wenig verziehen kann. Bewegung war dennoch viele Jahre im Haus.

Balken auf Balken ergeben ein enormes Gewicht, außerdem trocknen Sonnenstrahlen die Kiefer weiter aus – ein Holzhaus setzt sich daher einige Jahre lang, ein ganz normaler Prozess.

Michaela Peters muss genau überlegen, wo sie was mit Nägeln aufhängt – ein kleiner Nachteil eines Holzhauses: Die Löcher bleiben sichtbar. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Wichtige Aufgabe in dieser Zeit, die ein Ausbrechen einzelner Holzbohlen verhindert: Mit einem großen Schraubenschlüssel mussten Peters‘ etwa zweimal im Jahr eine Gewindestange, die in den vier das Dach mit tragenden Holzpfosten verläuft, „anziehen“ – im Gleichlauf zu der Setzung der Außen- und Innenwände.

Um gut zehn Zentimeter ist das Heim von Familie Peters noch geschrumpft. Allein am ganz normalen Knacken von Balken haben sie das mitbekommen.

Hellhöriger als Steinhaus – aber man kann dämmen

Apropos, Geräusche: Hellhöriger als ein Steinhaus sei ein Holzhaus natürlich. Wen das störe, der könne aber mit schalldämmenden Materialien etwas dagegen tun.

Risse im Holz können vorkommen, beeinträchtigen die Statik oder Stabilität des Hauses aber nicht. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Während das Fertighaus außen praktisch gekauft wie gesehen daherkommt, konnten Michael und Volker Peters die Innenwände individuell anbringen. Wo nach Plan eigentlich die Treppe ins obere Stockwerk führen sollte, sorgt ein Kamin im Winter für Wärme. Tatsächlich musste das Ehepaar wegen ihres Gebäudes aus Holz weder höhere Brandschutzauflagen befolgen noch eine zusätzliche Feuerschutzversicherung abschließen. Einzig der Schornsteinfeger achtet stets darauf, dass der Kamin nicht zu nah an die Holzwand ragt.

»Wir fangen viel später mit dem Heizen an und hören auch viel früher wieder auf.«

Michaela Peters

Überhaupt sei ein Holzhaus ein kleines Klimawunder. „Wir fangen viel später mit dem Heizen an und hören auch viel früher wieder auf“, weiß Michaela Peters. Die Almhütten-Atmosphäre komme besonders im Winter auf. „Man fühlt dann diese Gemütlichkeit hier, zündet eine Kerze an und schon wird einem warm ums Herz.“

22 Grad Innentemperatur in heißesten Sommern

Und selbst in heißesten Sommern habe sie bisher ganze 22 Grad Innentemperatur gemessen. Die ganz andere Luftzirkulation und -feuchtigkeit in den vier Wänden aus Holzbohlen nähmen sie wirklich als angenehmes Raumklima wahr.

Ihre 105 Quadratmeter plus Keller hätten unterm Strich nicht mehr gekostet als ein Haus aus Stein. Im Grunde sehen Peters‘ nur Vorteile bei der Holzbauweise. Auch das Streichen oder Tapezieren der Innenwände falle weg. Mittlerweile ist die helle Kiefer etwas nachgedunkelt, hat eine natürliche Veränderung gebracht.

Wenn sie wirklich einen Nachteil nennen sollten, dann den wegen der Löcher: Wo man einen Nagel für ein Bild ins Holz schlage, entstehe natürlich etwas Bleibendes.

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Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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Marcus Land

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