Castrop-Rauxeler Wirt ist „fix und alle“: Frohlinder spenden in Corona-Krise Tausende Euro

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Seit dem 17. März ist Frohlindes einzige Kneipe wegen des Coronavirus geschlossen. Der Wirt hat noch Ausgaben, aber keine Einnahmen mehr. Doch die Frohlinder haben geholfen - und sein Vermieter auch.

Frohlinde

, 28.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Hölle“, sagt Michael Henke. „Sowas hab ich noch nicht erlebt. Was im Moment in Frohlinde los ist ... “

Eigentlich wäre bei Michael Henke im Moment gar nichts los: Seit dem 17. März ist seine Kneipe „Haus Ratte“ in Castrop-Rauxel-Frohlinde geschlossen - natürlich wegen des Coronavirus. Der 55-jährige Wirt schaute pessimistisch in die Zukunft: „Vier Wochen kann ich vielleicht überleben“, sagte er kurz vor der Schließung.

Zunächst half ihm sein Vermieter Pit Ratte, der „Haus Ratte“ selbst jahrzehntelang betrieben hatte. Mit Schließung der Kneipe erließ Pit Ratte dem Wirt die Pacht. Damit verringerten sich Michael Henkes Ausgaben deutlich.

Und dann kommentierte Michael Henkes Tochter einen Bericht über die Probleme von „Haus Ratte“ mit einem Link auf eine Spendenkampagne: „Gaststätte ‚Haus Ratte‘ zusammen sind wir stark!“ hieß es seit vergangenem Wochenende (21./22.3) auf dem Portal „Go fund me“.

Spenden für die Rettung von Haus Ratte

Die Kampagne diente allein einem Ziel: Spenden zu sammeln, um Michael Henkes Existenz zu sichern und „Haus Ratte“ zu retten. 2000 Euro hatte seine Tochter Lisa als Ziel auf dem Portal ausgegeben. „Ich hab gesagt: Sei froh, wenn 200 zusammenkommen“, erzählt Michael Henke.

Wenige Tage später stand fest: Michael Henke hatte seine Stammgäste unterschätzt, er hatte die Frohlinder unterschätzt: Bis zum Ende der Spendenaktion am Dienstag kamen exakt 3295 Euro Spenden zusammen. Geld übrigens, das nicht einfach nur zugesagt, sondern größtenteils schon auf Michael Henkes Konto gelandet ist.

Mehrere Mannschaften des FC Frohlinde haben Geld gegeben

56 Menschen haben Geld gespendet. Genauer gesagt sind es weit mehr, denn unter den 56 Spendern finden sich Kegelclubs, ganze Mannschaften des FC Frohlinde - von den Alten Herren bis zur C-Jugend - und der TuK Frohlinde („Ich weiß gar nicht, wer dahinter steckt“). „Wir sind fix und alle“, sagt Michael Henke angesichts der Riesen-Solidarität.

Unter diesem Bild postete Michael Henkes Tochter einen Spendenaufruf zur Rettung von „Haus Ratte“

Unter diesem Bild postete Michael Henkes Tochter einen Spendenaufruf zur Rettung von „Haus Ratte“ - erfolgreich. © Matthias Langrock (Archiv)

Die erschöpft sich nicht allein im Geld: „Jeder grüßt mich hier, wenn ich auf meinem Balkon über der Kneipe sitze. Die Leute rufen an, erkundigen sich, wie es uns geht“, sagt der Wirt.

Sie rufen nicht nur aus Castrop-Rauxel an, sondern auch aus dem Sauerland, wo Michael Henke herkommt, wo sein Bruder immer noch lebt, und von wo ein paar Kumpel ab und zu in „Haus Ratte“ vorbeischauen - „wenn Borussia spielt oder die in die Westfalenhalle gehen“.

Vor „Haus Ratte“ soll es ein Fest für Frohlinde geben

Schon am Wochenende waren Michael Henke die Spenden langsam unheimlich geworden. Da waren 3000 Euro zusammengekommen: „Das ist auch ein blödes Gefühl irgendwo“, sagt er.

Doch er hat jetzt schon einen Plan, wie er den Spendern zurückzahlen kann, was sie ihm gegeben haben. Nicht direkt in bar, aber irgendwie doch: „Wenn der Laden wieder läuft, dann mache ich ein Fest für Frohlinde“, kündigt er an. Da werde er alles zum Einkaufspreis verkaufen, das Bier vielleicht für 60 Cent, die Bratwurst auch. Seine Arbeitskraft gibt es sozusagen gratis dazu.

Hilfe kann Michael Henke wahrscheinlich auch noch vom Land erhalten: Er hat ein Recht auf Selbstständigen-Unterstützung. Am Samstag hat er den Antrag abgeschickt, bis zu 9000 Euro kann er bekommen.

Michael Henke blickt wieder optimistischer in die Zukunft.

Hinweis

In einer früheren Version des Textes hatte es geheißen, Michael Henke müsse trotz der Schließung weiter Strom und Pacht bezahlen. Erst später wurde bekannt, dass der Vermieter ihm die Pacht erlassen hat.
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