Windvorrangzonen aufgehoben: Keine neuen Windräder in Castrop-Rauxel?

dzUmweltpolitik

Wenn man nur den Titel liest, könnte man denken, der Ausbau der Windenergie wäre am Ende: Castrop-Rauxel will die Windvorrangzonen streichen. Hinter der Ausradierung steckt aber etwas anderes.

Castrop-Rauxel

, 12.06.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Tagesordnungspunkt in der Sitzung des Umweltausschusses am Dienstag, 16.6. (17 Uhr, Ratssaal, Gäste sollten sich vorher im Rathaus anmelden) lautet wie folgt: Änderung der Konzentrationsflächen für Windkraftanlagen. Was dahinter steckt, lässt den Betrachter verwundert zurück. Aber nur auf den ersten Blick.

Die Stadtverwaltung beabsichtigt nun, die beiden bestehenden Windkraftzonen aufzuheben. Und das klingt zwar ein wenig nach einer Abkehr von der Windkraft, doch es ist ganz anders gemeint. Es handelt sich bei den Zonen um eine 16 Hektar große Fläche nördlich von Becklem, wo ein Windrad steht, und das Westhofsche Feld im Stadtteil Schwerin mit 36 Hektar, also der bekannte und weit sichtbare Bereich mit seinen sechs Windrädern verschiedener Generationen..

Jetzt lesen

Die Stadt steuerte mit der Ausweisung dieser Zonen, wo Windkraftanlagen gebaut werden können - nämlich nur dort -, und wo nicht im Stadtgebiet. Ziel war, die Nutzung regenerativer Energien zu stärken, und zwar auf besonders konfliktarmen Standorten, auf denen mehrere Anlagen gebaut werden.

Restriktionen sind gravierend

Die Einschränkungen sind aber selbst auf den „Konzentrationsflächen“ noch so gravierend, dass nur wenige Anlagen realisierbar sind - vor allem in Becklem: Dort konnte nur ein einziges Windrad errichtet werden. Bei einer Höhe von 200 Metern, in etwa die Größenordnung des größten Windrades „Airkules“ auf Schwerin (Dortmund-Bodelschwingh), brauche man grob 500 Meter Abstand zu Häusern und Bauernhöfen, erklärt Bauamtsleiter Philipp Röhnert.

Auf Schwerin ließ sich ebenfalls nur eine weitere Anlage umsetzen, weil das alte und wenig effektive Dreibein-Windrad abgebaut wurde. „In beiden Fällen war

man bei der Ausweisung von einer größeren Ausnutzbarkeit der Fläche ausgegangen“, heißt es.

Die naturräumliche Umgebung, die Wohnbebauung und die Lärmbelastung macht nun laut Stadt weitere Anlagen in diesen Bereichen unwahrscheinlich. „Die bestehenden Zonen sind voll ausgeschöpft und erlauben keine zusätzlichen Windkraftanlagen“, sagt Röhnert. Und erklärt: „Heben wir sie auf, bestünde die Möglichkeit, an anderen Stellen Windräder zu bauen.“

Bündelung ist in Castrop-Rauxel nicht mehr möglich

Eine Untersuchung ergab zwar, dass weitere Windenergieanlagen im Stadtgebiet aufgrund der dichten Siedlungsstruktur, vieler vorhandener Wohngebäude im Außenbereich und naturräumlicher Gegebenheiten grundsätzlich eingeschränkt ist. „Das ursprünglich verfolgte Ziel der Bündelung von Anlagenstandorten in Zonen ist nicht mehr erreichbar“, erklärt er. Aber immerhin sei wahrscheinlich in Form von Einzelstandorten noch etwas möglich.

Aber erst, wenn die Zonen aufgehoben sind. Dann können Windkraftanlagen als „privilegierte Nutzungen“ im Stadtgebiet zugelassen werden. EUV-Vorstand Michael Werner sagte jetzt im Gespräch mit unserer Redaktion allerdings auch: „Zurzeit liegt die Windenergie-Branche ziemlich danieder.“ Enercon und Nordex, die einschlägigen Hersteller, bauten immer noch Kapazitäten ab. Vor allem die Abstandsregelungen in der deutschen Gesetzgebung machen den Bau neuer Anlagen schwer.

Windrad bei Rütgers wird 200 Meter hoch

Umso erfreulicher ist, dass bei Rütgers in Rauxel der Bau des bisher größten Windrades mit 199 Metern Höhe bald abgeschlossen werden könnte. Dass auf dem Gelände des Chemiewerks mithilfe der Stadtwerke gebaut wird, freut ihn. Denn der EUV-Stadtbetrieb ist für umwelt- und klimafreundliche Entwicklungen in Castrop-Rauxel maßgeblich und federführend zuständig.

Lesen Sie jetzt

Der Stadtwerke-Chef informiert im Umweltausschuss über den Sachstand zum geplanten Windrad auf dem Rütgers-Gelände. Bürger sollen sich wieder beteiligen können. Von Abi Schlehenkamp

Lesen Sie jetzt