Wilhelm Winkelmann, Kolumnist für das Verlagshaus Lensingmedia. © Tobias Weckenbrock
Rezepte gegen Einsamkeit

Wilhelm Winkelmann erklärt, warum Glück auch ohne Partner möglich ist

Kann dieser Mann glücklich sein, so ganz ohne Partner oder Partnerin? Viele Menschen in Beziehungen können sich das nicht vorstellen. Aber es geht, und das hat Gründe, sagt unser Kolumnist.

Glück ist auch ohne Partner möglich. Und zwar dann, wenn der Mensch die notwendige Reife erreicht hat. Wenn der Mensch als Mann oder Frau normale Entwicklungs- und Reifungsbedingungen hatte, kann er sich selbst lieben und ist nicht mehr auf die Liebe anderer Menschen angewiesen.

Zur Kolumne „Rezepte gegen Einsamkeit“

Wilhelm Winkelmann (86) ist emeritierter Diakon in Castrop-Rauxel. Nach seiner Pensionierung half der Diplom-Sozialarbeiter als Psychocoach Menschen mit seelischen Problemen. Für unser Portal schreibt der verheiratete Großvater von acht Enkelkindern über Hintergründe der Einsamkeit, ihre Wirkung auf den Menschen und wie man mit den oft problematischen Folgen umgehen kann.

Dabei müssen wir wissen und verstehen, dass das ganze Leben ein Reifungs- und Entwicklungsprozess ist. Und da gibt es verschiedene Stufen: Nach der Zeugung pränatal (vorgeburtlich im Mutterschoß) erfolgt der Prozess bis zur Geburt.

Danach pränatal (nachgeburtlich außerhalb vom Mutterschoß) ist das Kind ein Individuum (unteilbares Einzelwesen). Als Kind wird es geprägt (Charakter-Entwicklung) im Wechsel von Mutter und Vater zu einem guten und bösen Kind. Es wird eher ein gutes Kind sein, wenn es liebevolle Eltern hatte und eher ein böses Kind, wenn es lieblose Eltern hatte, die es vernachlässigt und/oder traumatisiert (körperlich und/oder seelisch verletzt) haben. Kaum ein Kind wird ohne negative Erfahrungen – und damit negative Prägungen – durch seine Kindheit kommen.

Neben dem Verhalten der Eltern haben auch Umwelteinflüsse eine stark prägende Wirkung. Ein Kind kann also in der Regel gut und böse sein. Und so wie es als Kind war, wird es auch als junger Erwachsener sein.

Oft wird er sich aber durch „vernünftiges Verhalten“ nach außen so darstellen, wie er es möchte, und nicht so, wie er wirklich ist. Das kann aber für gelingende glückliche Paarbeziehungen ein Problem sein.

„Wir müssen wissen und verstehen, dass das ganze Leben ein Reifungs- und Entwicklungsprozess ist.“

Wilhelm Winkelmann

In der Jugendzeit (nach der Pubertät) erfolgt der Ablösungsprozess von den Eltern. Weil der Mensch sich als Mann oder Frau nicht vollkommen fühlt, versucht er, sich durch einen gegengeschlechtlichen Menschen zu ergänzen, um mit ihm vollkommen und dadurch ein glücklicher und zufriedener Mensch zu werden.

Wenn beide – Mann und Frau – liebesfähig sind, wird das in der Regel auch gelingen. Sie werden heiraten und das tun, was ihre Eltern auch getan haben: Sie werden ihre Liebe an ihre Kinder weiterschenken, um das Leben an die nächste Generation weiterzugeben, die später einmal für sie sorgen werden, und sie werden sich treu bleiben und gemeinsam alt werden.

Fazit: Glück ist auch ohne Partner möglich, wenn der Mensch sich in der Lebensmitte vom jungen zum alten Erwachsenen entwickelt hat. Vorher ist es nicht so gut möglich. Deshalb sollten Entwicklungs- und Reifungsschritte nicht übersprungen werden. Alles zu seiner Zeit!

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