Wie läuft eigentlich eine Adoption ab?

Adoption

Zum Wunschkind ist es manchmal ein langer Weg an dessen Ende häufig die Adoption steht. Doch wie funktioniert eine Adoption? Was müssen Paare oder Alleinstehende beachten?

Castrop-Rauxel

, 23.12.2018, 16:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wollen Paare adoptieren, ist es gut, wenn sie genau wissen, was sie wollen - und was nicht.

Wollen Paare adoptieren, ist es gut, wenn sie genau wissen, was sie wollen - und was nicht. © Foto: Jessica Will

? Aus welchen Gründen geben Eltern ihr Kind zur Adoption frei?

Die Gründe sind unterschiedlich. In vielen Fällen befinden sich die Mütter in sehr schwierigen persönlichen Situationen (Sucht, psychische Probleme). In eingen Fällen spielen auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle.

? Wann kommt eine Adoption infrage?

Es geht immer um unerfüllten Kinderwunsch mit langen Vorgeschichten wie Invitro-Befruchtungen. Es gibt auch gleichgeschlechtliche Paare, bei denen es rein biologisch nicht möglich ist. Adoption ist bei einem Kinderwunsch häufig die letzte Option.

? Ist das Interesse an Adoptionen eher gestiegen oder gesunken?

„Wir haben etwa zwei Anfragen im Monat zur klassischen Adoption“, sagt Susanne Funke von der Adoptionsberatungsstelle. Grundsätzlich seien die Bewerberzahlen eher rückläufig. „Die Paare, die sich heute bewerben, brauchen länger, um sich endgültig zu entscheiden, als früher.“

? Welche Voraussetzungen muss man erfüllen?

„Grundsätzlich müssen wir jeden Einzelfall prüfen“, sagt Susanne Funke. Wenn ein Paar ein Kind adoptieren möchte, muss ein Elternteil mindestens 21 Jahre alt sein, das andere mindestens 25. Wenn Paare zusammenwohnen, müssen sie verheiratet sein. Alleinstehende müssen mindestens 25 Jahre alt sein. „Nach oben gibt es keine gesetzliche Altersgrenze“, sagt Funke. Der Altersunterschied zwischen Eltern und Kind solle nicht größer als 40 Jahre sein, doch auch hier müsse von Fall zu Fall entschieden werden. „Wir haben häufig Paare, die denken, sie seien zu alt“, sagt Funke.

? Was folgt dann?

Es gibt ein Erstgespräch, in dem die allgemeine Situation beleuchtet wird. Wir brauchen ein ärztliches Attest, dass keine Krankheiten vorliegen, die das Leben verkürzen und keine psychischen Erkrankungen, die eine Erziehung unmöglich machen, ein polizeiliches Führungszeugnis und einen Einkommensnachweis. Wir sprechen auch über die Erziehungsvorstellungen und wo die Grenzen liegen. Will das Paar ein Kind mit einer Behinderung? Eines, das aus einer Vergewaltigung stammt? „Eltern müssen genau wissen, was sie wollen“, sagt Annette Klein. In der zweiten Phase folgt ein Bewerberseminar, in dem die potenziellen Eltern auf alles vorbereitet werden, was auf sie zukommt.

Wenn es sich um Säuglinge handelt, lernen die neuen Eltern sie meist im Krankenhaus kennen. Sie haben dann noch Zeit, eine Nacht darüber zu schlafen.

Die Adoption ist erst offiziell durch, wenn das Gerichtsverfahren dazu abgeschlossen ist. In der Regel bleiben Kinder ein Jahr bei den Adoptiveltern, bis das Verfahren durch ist, damit sie ein Eltern-Kind-Verhältnis aufbauen können. Adoptionspflegezeit nennt sich das. Doch der Funke müsse schon beim Erstkontakt überspringen.

? Was ist der Unterschied zwischen einer offenen, einer halboffenen und einer geschlossenen Adoption?

Bei einer offenen Adoption lernen die annehmenden Eltern die leibliche Mutter kennen, bei einer halboffenen kennen sie zumindest Namen und Adresse. Bei einer geschlossenen ist das nicht der Fall.

? Wann müssen Sie potenzielle Eltern ablehnen?

Manchmal passen die Vorstellungen der Eltern nicht mit dem zusammen, was wir anbieten können. Oder die Erziehungsvorstellungen sind schwierig.

? Kann eine Adoption auch aufgehoben werden?

Eine Adoption kann nur aufgehoben werden, wenn schwere Mängel vorliegen, insbesondere die erforderlichen Einwilligungen zur Adoption nicht vorliegen. Die Aufhebung ist auch möglich, wenn eine der erforderlichen Erklärungen zum Beispiel unter Zwang oder bei einer psychischen Störung abgegeben worden ist. Um die abgebenden Eltern vor einer übereilten Entscheidung zu schützen, sind gesetzliche Fristen vorgesehen, bevor die Einwilligung in eine Adoption erteilt werden kann. Die Einwilligung ist erst acht Wochen nach der Geburt des Kindes möglich und mit Zugang beim Familiengericht unwiderruflich.

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