Wie feiern wir in Corona-Zeiten? Veranstalter und ihre Wege aus der Krise

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Veranstaltungen in der Corona-Zeit verlangen den Organisatoren viel ab. In Castrop-Rauxel gehen sie unterschiedlich damit um. Ein Überblick von Mein Ickern bis zum Westfälischen Landestheater.

Castrop-Rauxel

, 07.09.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer für die nächsten Monate eine Veranstaltung plant, für den bleibt aktuell nur zweierlei: Entweder er/sie sagt das Ganze ab oder er sorgt für ein umfangreiches, oft teures Hygienekonzept und läuft Gefahr, dass die Veranstaltung unter einer geringen Besucherzahl leidet. Die Veranstalter in Castrop-Rauxel ziehen unterschiedliche Konsequenzen. Welcher aber ist der richtige Weg?

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Mein Ickern und die Stadtverwaltung zogen ihr Ding durch: Sie veranstalteten ein Festwochenende mit einem Bürgerpicknick und dem Samstag der Jubiläen. Jeweils 300 Besucher in vier Zeitschienen wären möglich gewesen, es kamen aber deutlich weniger, obwohl im Vorverkauf die allermeisten Karten weggegangen wären. Eine Zeitschiene wurde spontan gestrichen, weil es regnete.

Die eingeschränkte Feierlichkeit des Samstagsprogramms mit vielen Rednern, zwei Filmchen auf der Riesen-Bühne und etwas Musik vor vielen Funktionsträgern der Stadt, aber wenig einfachen Bürgern, führte unseren Autoren zum Fazit: So kann man nicht feiern. Dann lasst es besser bleiben!

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Ein Fazit, das sich nicht gegen den Veranstalter richtete. Denn dem ist hoch anzurechnen, es überhaupt versucht zu haben. Veranstalter gibt es viele in der Stadt. Einige lassen es lieber sein. Wer macht es wie? Was ist die richtige Lösung? Eine (sicher nicht vollständige) Auflistung:

Mein Ickern: Fest durchgezogen. Auflagen wie kostenlose namentliche Eintrittskarten-Buchung vorab, Eingangsschleuse mit Corona-Formular, klare Wegeführung und Maskenpflicht auf dem Gelände, Absperrungen rundherum und große Sitzabstände auf den Stühlen, keine Party, wenige Gesangsdarbietungen. Der Aufwand war riesig. Der Stadtteilvereins-Vorsitzende sagt, dass es für ihn keine Alternative sei, nichts zu machen, bis Corona im Griff ist. Er hebt die gesellschaftliche Bedeutung solcher Feste hervor, will Vereinsamung und/oder Ent-Gemeinschaftung vorbeugen. Er ist aber auch nicht wirtschaftlich vom Gelingen der Veranstaltung abhängig.

Trödelmarkt Lange Straße: Die Inwerb hat den Trödelmarkt veranstaltet, Corona zum Trotz. Es kamen viele Menschen, die Kunden, die sonst auch die Trödelmärkte besuchen. Die Auflagen waren auch hier hoch, aber sie wurden mit Ordnern kontrolliert und weitgehend eingehalten. Die Gewerbetreibenden auf der Langen Straße sind wirtschaftlich darauf angewiesen, Kunden zu sich zu locken.

Markt der Möglichkeiten: Vanessa Schulz‘ Initiative „Menschen verbinden“ ist etwa ein Jahr alt. Sie veranstaltet unter diesem Label kleinere Treffen und Events, diesmal einen Markt im Parkbad Süd mit Livemusik und Ständen. Ähnlich wie bei Mein Ickern waren Ein- und Ausgang getrennt, Besucher mussten am Eingang ihre Kontaktdaten hinterlassen und auf dem Gelände Masken tragen. Mehr als 650 Gäste kamen, das war ein ordentlicher Besuch. Vanessa Schulz war zufrieden.

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Westfälisches Landestheater: Das WLT will noch im September die ersten Stücke unter anderem in der Stadthalle aufführen. Intendant Ralf Ebeling gab sich Ende August relativ gelassen und sprach davon, man könne nahezu 600 Gäste in der Stadthalle unterbringen. Die Plätze würden namentlich vergeben, Maskenpflicht gelte nur bis zum Sitzplatz. Im Juni fand „Bühne raus“ statt. Man traute sich, es regnete, das Fazit: fröhlich.

Radio Ruhrpott: Abgesagt bis Anfang 2021. Der Geschäftsführer und kaufmännische Leiter des Musicals, Michael Kloßek, begründete das Ende August mit dem fehlenden Vertrauen der Menschen ins „Wir“. Es sei nicht die Zeit für solche Veranstaltungen, meinte er. „Oder würden Sie in dieser Zeit Ihren Eltern zwei Musical-Karten schenken?“

Casconcept-Veranstaltungen: Abgesagt. Kein Viktualienmarkt, kein Himmlischer Advent, kein Naschmarkt zusammen mit dem EUV, kein Nightshopping, keine Nacht der Chöre. Die Gewerbetreibenden in der Altstadt brauchen Frequenz, die ihnen durch abgesagte Events genommen wird. Das wird ihnen geschäftlich schaden, das steht fest. Doch der Vorstand begründet es mit dem Wohl der Kunden und der Gesundheit der Mitarbeiter in den Geschäften.

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„Ab ins Zelt“: Bubi Leuthold hat sich noch nicht festgelegt. Er will noch etwas abwarten, wie sich die Pandemie und die Verordnungslage entwickeln. Offenbar kann er über das Zelt relativ spontan verfügen. Auch das Booking der Künstler, die sechs Wochen lang fast jeden Abend die Bühne auf dem Altstadtmarkt bespielen, hängt daran.

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Martinszüge: Die katholischen Kindertagesstätten haben angekündigt, dass sie Sankt Martin (rund um den 11. November) in der Einrichtung mit den Kindern, aber ohne Eltern und Großeltern feiern.

Der Mein-Ickern-Chef Marc Frese schrieb am Montag, er halte die Diskussion für sehr bedeutend: „Es geht um die Frage, wie wir mit großen Festen und Feiern in Zeiten von Corona umgehen“, so Frese. „Führen wir sie unter Coronaauflagen durch? Wissentlich, dass das kein Feiern im ‚normalen Sinne‘ ist? Dass nicht genug Stimmung aufkommt? Oder sagen wir Feste und Veranstaltungen ab? Mit Blick auf Sankt Martin, Advent, Nikolaus, Weihnachten und den Jahreswechsel: Sollen wir – weil das Feiern nur mit Auflagen funktioniert – auf Umzüge, Ausstellungen, Märkte verzichten? Meine Meinung: Wir müssen alle Corona-Auflagen beachten und trotzdem einen Schritt in Richtung Normalität wagen.“

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