Wie dieses kleine Nintendo-Gerät namens Gameboy unsere Welt ein bisschen veränderte

30 Jahre Gameboy

Der Nintendo Gameboy kam am 21. April 1989 auf den Markt. Er revolutionierte die Spielewelt. Und er prägte unsere Jugend und Kindheit. Sechs RN-Reporter erinnern sich an ihre Gameboy-Story.

Wie dieses kleine Nintendo-Gerät namens Gameboy unsere Welt ein bisschen veränderte

Gamboys aus verschiedenen Generationen und Spiele. © Matthias Stachelhaus


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Redakteurin Ann-Kathrin Gumpert © Marcel Witte


Streit um den grauen Klotz

Als der Gameboy auf den Markt kam, war ich noch zu klein zum Zocken. In der Grundschule wollte ich dann aber auch unbedingt einen haben. Lange musste ich darum bei meinen Eltern betteln. Nachdem ich sie überzeugt hatte, wollte mein Papa das Gerät auch mal ausprobieren. Fortan stritten wir uns fast täglich, wer wann und vor allem wie lange Tetris spielen durfte. Man durfte bloß keine Pause machen, den Gameboy keine Sekunde aus den Augen lassen, sonst war in anderen Händen. Irgendwann hatte mein Vater ein Einsehen und kaufte einen zweiten Gameboy. Seitdem ist er ungeschlagener Tetris-König und ich bin weit abgeschlagen.


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Redakteur Tobias Weckenbrock © Matthias Stachelhaus

1994: Weltmeister im „Nintendo World Cup“

Da fährt man in den Camping-Urlaub an die niederländische Nordsee – und verbringt seine Zeit vor allem mit Fußball: Abends vorm Mini-Röhrenfernseher in Klappstühlen im Zelt. Wir sind im Jahr 1994 in Callantsoog. Fußball-WM in den USA. Deutschland spielte oft nachts. Und ich als 15-jähriger mit meinem besten Freund Andreas habe nur Fußball im Kopf. Nachts im TV, den Nachmittag über auf dem Rasen zwischen Wohnwagen und Windfängen und zwischendrin... auf den zwei mit einem Kabel verbundenen Gameboys. Ob Tetris oder „Nintendo World Cup“ – Andreas war immer ein bisschen besser als ich. Aber Spaß hatten wir beide. Nur nicht so viel an der DFB-Elf...


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Redakteur Marcel Witte © Matthias Stachelhaus

Mein Opa war mein Idol als Gameboy-Spieler

In meiner Kindheit bin ich zwar bereits auch schon mit einem Super Nintendo aufgewachsen, doch der Gameboy hat mich ebenfalls immer fasziniert - und in meiner Familie nicht nur mich. Mein Opa war ein leidenschaftlicher Tetris-Spieler. Ich glaube, er spielte mindestens einmal am Tag dieses Spiel, bei dem verschiedenförmige Blöcke über- und nebeneinander gestapelt werden müsen. Als kleines Kind war ich davon sehr fasziniert. Während ich selbst mich schon freute, wenn ich mal über 10.000 Punkte erreichte, schaffte es mein Opa stets auf mehrere hunderttausend Punkte. Ich versuchte ihm stets nachzueifern, doch diese Punktzahlen erreichte ich als Kind nie. Heute könnte ich das vielleicht schaffen, doch meinem Vorbild ist das nicht mehr vergönnt.


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Volontär Patrick Radtke © Marcel Witte

Ohrwürmer und Geschrei während der Autofahrt

Es muss 1998 gewesen sein, als ich mit sechs Jahren unzählige Stunden vor dem grauen Klotz verbrachte. Am meisten im Gedächtnis geblieben sind mir die Geräusche, die aus dem Gameboy kamen. Die Musik bei Tetris war wohl der erste bewusste Ohrwurm, den ich hatte. Oder der Sound, wenn ich ein Pokemon schnappte. Oder das Geräusch, wenn ich mit Obelix einen dieser spinnenden Römer verkloppte. Ich schätze, auch meine Eltern werden sich noch an die Kulisse erinnern - vor allem im Auto, auf dem siebenstündigen Weg in den Urlaub. Denn es gab zwei Gameboys, aber drei Kinder auf der Rückbank. Die Angst vor dem Moment, als die Spielzeit des einen Kindes vorbei war, und das andere auch mal wollte, hatte ich vermutlich nicht exklusiv.


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Matthias Stachelhaus am Gameboy © Tobias Weckenbrock

Brüderliche Einheit gegen elterliches Videospielembargo

Den Gameboy der ersten Generation kenne ich nur von Freunden. Mein Vater beschied Mitte der 90er, dass Videospiele nicht gut für die Entwicklung seiner beiden Söhne seien. Also gab es sowas für meinen Bruder und mich nicht. Fertig. Durchgesetzt haben wir uns dann doch. Pünkltich zum Erscheinen des Gameboy Color 1998. Das erste Spiel, dass wir unser eigen nennen durften: die Goldene Edition von Pokemon. Bis heute kenne ich noch jeden Schritt quasi im Schlaf auswendig. Nebst der Namen und passenden Nummern aller kleinen Monster, die man in einen Pokeball zwängen konnte. Wären die Lateinvokabeln doch nur ähnlich leicht zu lernen gewesen. Streit darum, wer denn nun spielen darf, gab es übrigens nie. Der allerbeste Pokemontrainer zu werden war irgendwie ein Gemeinschaftsprojekt unter Brüdern. Hatten wir auch nicht so häufig.


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Redakteurin Iris Müller © Matthias Stachelhaus

Mit knapp 30 Jahren im Gameboy-Fieber

Ich gebe es zu, ich bin ein Waldorf-Kind. Gespielt habe ich mit Tüchern und Moos. Einen Gameboy gab es bei uns nicht. Meinen Eltern habe ich geglaubt, als sie mir erzählt haben, dass bei uns im Fernsehen nur „Die Sendung mit der Maus“ läuft. Nichts anderes. Aber meine Freundin von gegenüber, die hatte einen Gameboy. Das war so anfang der 90er-Jahre. Und sie avancierte schnell zu meiner besten Freundin, was maßgeblich an dem kleinen grauen Kasten lag. Irgendwann verloren wir uns aus den Augen. Aber dann, 20 Jahre später musste ich für zwei Wochen ins Krankenhaus und mein Mitbewohner erfüllte mir einen Herzenswunsch: Er brachte mir einen Game-Boy. Der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können. Bis ich wieder entlassen wurde spielte ich Super Mario komplett durch, stapelte eckige Steinchen bei Tetris und fühlte mich wunderbar. Es lebe das innere Kind.

Haben Sie auch eine Gameboy-Story? Wir freuen uns auf Kommentare.

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