Wer hat die Warmwasser-Therme? Ex-Chef bringt Wende im Verfahren

dzDiebstahl

Der Verdacht fiel schnell auf einen Ex-Häftling, der wenige Tage zuvor gekündigt hatte. Doch im Prozess um den Diebstahl einer Warmwassertherme nahm eine Gerichtsverhandlung eine Wende.

Castrop-Rauxel

, 12.06.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Exakt 2241,40 Euro hat die Warmwassertherme gekostet, die ein 46-Jähriger gestohlen haben soll. Aus dem Lagerraum der Firma, für die er knapp fünf Monate gearbeitet hatte. An Silvester 2018 soll es passiert sein, einige Tage, nachdem er seinen Job geschmissen hatte.

In der Firma hatte der Angeklagte nach seiner Haftentlassung als Handlanger angefangen. „Ich hatte keine Lust mehr, bin nicht mehr hingegangen“, erklärte er vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel. Und zum Vorwurf: „Das war ich nicht, kann ich gar nicht gewesen sein.“ Sein Alibi: die Lebensgefährtin, die er kurz zuvor kennengelernt hatte.

Freundin als Alibi

Gemeinsam hätten sie gefrühstückt, eingekauft und den Hund ausgeführt, bevor er am Nachmittag einem ehemaligen Kollegen der Firma am Bahnhof getroffen und diesem seinen Firmenschlüssel ausgehändigt habe. Das stieß beim Richter auf wenig Verständnis, hatte der Angeklagte doch angegeben, noch Lohnforderungen von rund 700 Euro gehabt zu haben.

Schlüssel gegen Geld, das wäre doch logischer gewesen, so der Richter. Doch der Angeklagte blieb dabei, war ansonsten wortkarg. Auch als der Richter klipp und klar sagte: „Ich glaube Ihnen kein Wort.“

Doch dann nahm der ehemalige Chef am Zeugentisch Platz. Und überraschte durch seine wohlwollende Haltung dem Angeklagten gegenüber. Obwohl er als Opfer des Diebstahls überhaupt die Anzeige erstattet hatte.

Lebenshilfe

Im Laufe der Aussage wurde klar, dass er in dem Angeklagten mehr sah als eine günstige Arbeitskraft. Offenbar wollte er den Ex-Häftling wieder auf die richtige Spur bringen. Hatte ihn nicht nur nach der Entlassung aus dem Knast eingestellt, sondern auch geholfen, eine Wohnung für den Mann zu finden. Und damit die Miete floss, hatte er sie dem Vermieter des Mannes direkt überwiesen und dem 46-Jährigen nur den Rest des Lohns ausbezahlt.

Namen genannt

Auch jetzt war er ihm nicht böse. Erklärte, der Ex-Mitarbeiter habe selbst mal davon geredet, dass ein anderer den Diebstahl begangen habe. „Hätte er einen Namen genannt, ich hätte die Anzeige sofort zurückgenommen“, so der Zeuge. Doch es kam nichts. Auch nicht während der Verhandlung.

Erst als der ehemalige Chef mahnte: „Mensch Junge, dein Hals steckt doch in der Schlinge“, nannte der Angeklagte schließlich einen Namen. Den eines langjährigen Bekannten, den er selbst als Mitarbeiter empfohlen hatte, der aber auch schon länger nicht mehr in der Firma arbeitet.

„Er hat gegrinst, als er erzählte, dass im Betrieb eine Therme abhanden gekommen sei“, so der Angeklagte. Kontakt habe er nicht mehr zu dem Mann, „weil er immer so eine Scheiße macht.“ Jetzt gibt es wohl doch ein Wiedersehen. In der Fortsetzungs-Verhandlung im Gericht.

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