Wenn Palmen aus Teneriffa in der Wasserflasche nach Castrop-Rauxel kommen

dzGartenserie „Querbeet“

Ein Castrop-Rauxler hat ein Fabel für außergewöhnliche, tropische Pflanzenarten mit Geschichte. Ein paar Pflanzen und deren Geschichten stellt er uns bei einem Besuch in seinem Garten vor.

von Inka Hermanski

Castrop-Rauxel

, 15.08.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Garten von Karl-Heinz Hoffmann finden sich Pflanzenarten aus der ganzen Welt. Sowohl im Haus als auch im Garten des 61-Jährigen stehen Palmen aus Teneriffa, Gummibäume aus Tunesien und Zedrachbäume aus Nordafrika.

„Bei manchen Pflanzen kenne ich selbst nicht die Namen“, sagt Karl-Heinz Hoffmann. Oft sammle er auf seinen Reisen Samen und lasse sich im Anschluss überraschen, was in den Töpfen sprießt.

Internationale Pflanzen und Reiseerinnerungen

Ein Baum freut sich besonders über die Temperaturen: „Die Ableger des Zedrachbaumes machen sich in diesem Jahr besonders gut, denn sie brauchen für guten Wachstum dauerhaft über 30 Grad“, erklärt Karl-Heinz Hoffmann.

Und der reiselustige Castrop-Rauxler weiß noch mehr: „Man nennt den Zedrachbaum auch Paternostrabaum, da aus seinen Steinkernen Rosenkränze hergestellt werden“. Die Samen des Baumes habe er vor gut 20 Jahren aus Tunesien mitgebracht.

„Ich bin mehr ein Topfpflanzen-Gärtner, als ein wirklicher Gärtner“

Die Leidenschaft für Topf- und Kübelpflanzen entwickelte Karl-Heinz Hoffmann in seiner Jugend. „Mit etwa 14 Jahren bekam ich von meiner Tante meine erste Zimmerpflanze geschenkt. Kurz darauf habe ich aus dem Tropenhaus im Duisburger Zoo ein paar Blätter einer tropischen Pflanze mitgenommen und diese zu Hause angezogen“, erinnert sich der Hobbygärtner.

Neben Oliven lassen sich auch Zitronen und Feigen im Garten von Karl-Heinz Hoffmann ernten

Neben Oliven lassen sich auch Zitronen und Feigen im Garten von Karl-Heinz Hoffmann ernten © Inka Hermanski

Gerade Pflanzen aus den Tropenwäldern haben es dem 61-Jährigen angetan. „Sie wachsen dort anders und mehr. Ich habe im Himalaja Rhododendron gesehen, der war zwanzig Meter hoch“, erzählt Karl-Heinz Hoffmann von seinen Reisen.

Für den Transport seiner Fundstücke hat Karl-Heinz Hoffmann seine ganz eigenen Methoden entwickelt: „Ich nehme den Ableger, befeuchte ihn und verstaue ihn in einer Wasserflasche in meinem Koffer“, erzählt er.

So hat er Palmen aus Teneriffa und Fuerteventura, Rasen aus Island und Samen aus Nordamerika mit nach Deutschland gebracht. „Zeitweise habe ich mit 40 Zimmerpflanzen in einer kleinen Wohnung gelebt“, erinnert sich Karl-Heinz Hoffmann

„Den Grünen Daumen gibt es nicht“

Er ist überzeugt, bei der Pflege der Pflanzen brauche es statt einem grünen Daumen Regelmäßigkeit und Spaß an der Sache. „Es ist keine Zauberkunst, sondern Arbeit.“

So auch bei der Anzucht der Pflanzen: „Die Feige habe ich aus einem einfachen Stück Holz gezogen“, sagt Karl-Heinz Hoffmann. Mittlerweile stehen im Garten gleich drei Feigenbäume.

Der Pflanzenprofi erklärt den Prozess der Anzucht aus einem Stück Holz des Baumes: „Beide Seiten versiegeln, circa zwei Wochen trocknen lassen, dann schlägt das Holz Notwurzeln und man kann es in ein Erd-Sandgemisch einpflanzen.“

Die heute großen Feigenbäume waren anfangs nicht mehr als ein Stück Holz.

Die heute großen Feigenbäume waren anfangs nicht mehr als ein Stück Holz. © Inka Hermanski

Mit den Samen verfährt Karl-Heinz Hoffmann anders. Sie werden zunächst in seiner „Anzuchtstation“, dem Schreibtisch auf dem Dachboden, in kleinen Anzuchttöpfen eingesät.

Werden die Pflanzen größer, wandern sie auf die Fensterbank im Wohnzimmer und dann auf die Terrasse. Da es im eigenen Garten allmählich zu voll wird, verteilt Karl-Heinz Hoffmann die Pflanzen an Freunde und Bekannte.

„Ich habe eine persönliche Beziehung zu meinen Pflanzen“

„Ein bisschen schwer fällt es mir schon, die Ableger abzugeben“, gibt der Pflanzen-Fanatiker zu. Karl-Heinz Hoffmann investiert viel Zeit in die Pflege seiner Schätze, und oft gehen Erinnerungen an die Reisen einher, aus denen er die Samen mitgebracht hat.

Am Gartenzaun wurden im Frühjahr händevoll bunt gemixte Samen ausgestreut, darunter Klatschmohn

Am Gartenzaun wurden im Frühjahr händevoll bunt gemixte Samen ausgestreut, darunter Klatschmohn © Karl-Heinz Hoffmann

In diesem Jahr haben Karl-Heinz Hoffmann und seine Lebensgefährtin ein neues Projekt gestartet. Der Bauer des Feldes nebenan hatte ihnen einen zwei Meter breiten Streifen zur Verfügung gestellt. Dort haben sie im Frühjahr einen bunten Mix aus Samen ausgesät und sich wenige Monate später über eine farbenfrohe und artenreiche Blütenpracht freuen können.

„Jetzt sind die Samen einmal im Boden und im nächsten Jahr werden die Blumen hier erneut blühen“, freut sich der Pflanzenliebhaber.

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