Wenn das Herz für riesige Insekten schlägt

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Der 17-jährige Castrop-Rauxeler Jan Hammer hat exotische Lieblinge: Gespenstschrecken, Nattern und eine Mangrovenkrabbe. Und dafür würde er auf einiges verzichten.

Castrop-Rauxel

, 29.09.2019, 16:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nein, zum Kuscheln eignen sich Jan Hammers Haustiere wirklich nicht. Der Durchschnittsbürger würde angesichts der exotischen Krabbler vermutlich sogar die Nase rümpfen oder sich angewidert abdrehen.

Doch dem 17-Jährigen geht es gar nicht darum, mit den Tieren zu spielen und zu schmusen - er möchte sie beobachten, ihr Verhalten studieren. Und dafür sind Gespenstschrecken, die übrigens nicht umsonst so heißen, kongolesische Rosenkäfer oder rote Mangrovenkrabben mit ihren bedrohlichen Scheren wie geschaffen.

Wenn das Herz für riesige Insekten schlägt

Seine Tiere spielen eine zentrale Rolle im Leben Jan Hammers. Und das, obwohl die Insekten, Reptilien, Garnelen und Fische alles andere als kuschelig sind. © Michael Schuh

Jan Hammers Jugendzimmer kann eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Tropenhaus eines Zoos nicht verhehlen. 14 Aquarien, 5 Terrarien und 2 Vegarien lassen gerade noch Platz für einen Schreibtisch und ein Bett - und bedeuten eine Menge Arbeit.

Auf die Frage, warum ein junger Mann viel Zeit für solch ein ungewöhnliches Hobby aufbringt, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Daran ist mein Vater schuld.“

Vater Hammer arbeitet im Zoocenter

Denn als Mitarbeiter in einem Zoocenter brachte Heiko Hammer den Sohn schon früh mit nicht alltäglichen Haustieren in Kontakt und weckte zudem dessen Leidenschaft fürs Angeln: Mit zehn Jahren legte Jan die Prüfung zum Jugendfischereischein ab.

Kein Wunder, dass sich dieses Interesse auch im Schulunterricht niederschlug: „Bio war mein Lieblingsfach.“

Kongo-Rosenkäfer, Gespenstschrecken und Stabschrecken

Folgerichtig legte sich der Junge ein kleines Aquarium zu; doch nach einem Umzug, als mehr Platz zu Verfügung stand, „nahm die Sache ihren Lauf“, wie Vater Hammer grinsend erklärt.

Zunächst schaffte sich Jan zwei Chinchillas und Rennmäuse an, „aber mich faszinierten vor allem andere Tiere; Tiere, die nicht jeder hat“.

Ein erstes Terrarium und mit ihm zwei Kornnattern fanden den Weg in sein Zimmer, doch der Ickerner verfolgte einen - im wahrsten Sinne des Wortes - exotischen Plan: „Ich wollte unbedingt Insekten haben.“

Also schaffte er sich zunächst einen Kongo-Rosenkäfer und anschließend besagte Gespenstschrecken an, genauer gesagt: Exemplare der vietnamesischen Art Annam-Stabschrecke.

Die Krabbe als Gourmet

Diese Tierchen, die äußerlich eher einem Ast denn einem Insekt gleichen, können ausgewachsen mehr als zehn Zentimeter groß werden - Fühler und Beine nicht mitgerechnet.

Doch obwohl sie nicht gerade dem Idealbild eines Haustieres entsprechen, besitzen die Schrecken Vorteile: Sie sind pflegeleicht, recht aktiv und fressen am liebsten Brombeerblätter, die in Ickern ausreichend zu finden sind.

Die später hinzugekommene Mangrovenkrabbe gibt da eher den Gourmet und verschmäht auch ein Stückchen Rindfleisch nicht.

Wenn das Herz für riesige Insekten schlägt

Tragen ihren Namen zurecht: Die Gespenstschrecken können handtellergroß werden. © Privat

Mittlerweile komplettieren diverse Aquarien, in denen der 17-Jährige unter anderem Garnelen züchtet, sein zoologisches Imperium.

„Morgens nach dem Aufstehen schaue ich mir zuerst meine Tiere an“, sagt er, „und abends, wenn ich heimkomme, ebenso“.

Aquarien, Terrarien und Vegarien müssen geputzt werden

Sein Hobby bedeutet allerdings auch Arbeit: Jeden Sonntag steht vier- bis fünfstündiges Reinemachen in allen Behältnissen auf dem Programm, hinzu kommen regelmäßig Fütterungen oder Wasserwechsel.

Bei so viel Engagement erscheint es kaum verwunderlich, dass Jan nach der Schule liebend gern auch mit Tieren gearbeitet hätte. Er bewarb sich bei der Gelsenkirchener Zoom-Erlebniswelt und dem Dortmunder Zoo als Tierpfleger, erhielt jedoch Absagen.

Die Tiere bleiben - basta

Die Entscheidung, eine Ausbildung zum Tischler zu absolvieren, hat der Jugendliche aber nicht bereut - zumal sein Können dem Hobby zugute kommt: „Die Terrarien und alles, was dazugehört, kann ich nun selbst bauen.“

Aber Hand aufs Herz: Was, wenn eine zukünftige Freundin mit all den Tieren so gar nicht zurechtkommt? „Dann muss sie leider gehen“, sagt der 17-Jährige lachend. Und meint damit nicht die Mangrovenkrabbe.

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