Wenn das Herz aus dem Takt gerät

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Herzinfarkte bekommen nur Alte - medizinischer Mythos oder stimmt das? Dr. Jürgen Jahn, Chefarzt am EvK, spricht im Interview über Symptome und wie man sich schützen kann.

Castrop-Rauxel

, 28.12.2018, 17:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Herr Dr. Jahn, wie oft kommen Herzinfarkte bei jungen Menschen vor?

Das ist wirklich sehr selten. Ein plötzlicher Herzstillstand kann auf zwei Wegen entstehen. 1. Es kommt nicht genug Blut an, der Motor hat quasi keinen Sprit mehr. 2. Der elektrische Impuls ist gestört. Das Herz kann die Pumpfunktion nicht mehr erfüllen.

Und wann kann das passieren?

Bei jungen Menschen ist das, wenn eine Ader verstopft. Das gibt es auch bei Triathleten, die zu exzessiv Sport machen. Bei dem Riss des Herzkranzgefäßes, wie es bei Svenja Zigard der Fall war, hat sich die Innenschicht abgelöst. Denn das Gefäß besteht aus drei Schichten. Die Innenschicht klappt dann nach unten wie ein Ventil. So kommt kein Blut mehr an.

Gibt es noch andere Möglichkeiten?

Ja. Das Herzkammerflimmern ist bei jungen Menschen häufiger. Die Zündung am Herzen ist dann so schnell, dass die Pumpe nicht mehr funktioniert.

Kann man dem irgendwie vorbeugen?

Ja. Man kann sich gesund ernähren, mäßigen Ausdauersport machen und unbedingt das Rauchen lassen. Früher hieß, wer weniger raucht, ist weniger gefährdet, aber neue Studien zeigen, dass das nicht stimmt. Rauchen ist grundsätzlich gesundheitsgefährdend. Eine Verkalkung der Adern ist ein normaler Alterungsprozess. Aber die Risikofaktoren wie Rauchen, zu wenig Bewegung und ungesunde Ernährung wirken wie ein Katalysator. Da kann man mit 20 verkalkte Adern haben wie mit 70.

Auf welche Symptome kann man achten?

Da gibt es nichts Grundsätzliches. Der Mensch ist ein fantastisches Wesen und auch in Krankheiten und Symptomen sehr individuell. Grob kann man sagen, wenn man eine Durchblutungsstörung des Herzens hat, fühlt es sich an, als hätte man einen zu engen Gürtel um die Brust geschnallt, oder bei Frauen, als hätten sie einen viel zu engen BH an. Hat man einen spitzen Schmerz in der Brust, eine Art Stechen, kann es eher von der Lunge oder vom Rücken kommen.

Was raten Sie?

Grundsätzlich gilt: Wer Beschwerden hat, die neu sind und die man nicht zuordnen kann, sollte einen Arzt aufsuchen. Wichtig ist es, auf seinen Körper zu hören.

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