Weniger Insolvenzen in Castrop-Rauxel: Das kann sich bald ändern

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Die Zahl der Insolvenzen ist in Castrop-Rauxel im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Die gute Nachricht ist in der Coronakrise aber kein Grund zum Jubeln.

Castrop-Rauxel

, 21.09.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Castrop-Rauxel wurden im ersten Halbjahr 42 Anträge auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Im Vergleichszeitraum 2019 waren es 57. Das bedeutet einen Rückgang um 26,3 Prozent. Damit steht die Europastadt im Vergleich zu den anderen Städten im Kreis Recklinghausen gut da. Doch die an sich guten Nachrichten haben einen Haken.

Darauf weisen die Statistiker von IT.NRW hin, die jetzt die aktuellen Zahlen vorgelegt haben. „Die ab März 2020 beginnende wirtschaftliche Krise spiegelte sich im 1. Halbjahr 2020 noch nicht in einem Anstieg der Verfahren wider“, schreibt der Landesbetrieb für Statistik.

Er nennt mehrere Gründe. Die wichtigsten: In der Coronakrise gewährt der Staat Unternehmen Finanzhilfen. Und die Insolvenzantragspflicht wurde erst bis 30. September und jetzt sogar bis zum Jahresende ausgesetzt. Zudem hatten viele Insolvenzgerichte und Schuldnerberatungsstellen vor allem zu Beginn der Coronakrise einen eingeschränkten Betrieb. Spätestens im kommenden Jahr könnten die Zahlen also wieder steigen.

Im Kreis Recklinghausen steigt die Zahl der Insolvenzanträge

Der Rückgang der Insolvenzanträge in Castrop-Rauxel deckt sich mit den Zahlen für ganz NRW. Hier wurde im ersten Halbjahr ein Rückgang von 14,1 Prozent auf 11.397 Anträge verzeichnet. Anders stellt sich der Kreis Recklinghausen dar. Hier stieg die Zahl sogar um um 17,8 Prozent auf 383. Spitzenreiter sind Recklinghausen selbst mit einem Anstieg von 81 Prozent auf 105 und Marl mit einem Anstieg um 48,3 Prozent auf 43 Anträge. Den besten Wert weist Haltern mit einem Rückgang von 41,2 Prozent auf nur 10 Insolvenzanträge auf.

Ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt, dass in Castrop-Rauxel sechs Unternehmen einen Insolvenzantrag stellten (1. Halbjahr 2019: 13). Die meisten Anträge betreffen mit 27 (35) Verbraucherinsolvenzen, dazu kommen 9 (8) ehemals selbstständig Tätige. Auch bei diesen Privatinsolvenzen könnte es bald eine Welle an neuen Anträgen geben. Wer bis zum 1. Oktober wartet, kann von einer Gesetzesänderung profitieren. Dann kommt es nicht mehr nach sechs Jahren, sondern bereits nach drei Jahren zu einer Restschuldbefreiung.

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Für eine weitere Erkenntnis gibt es von IT.NRW nur Zahlen für das Land. Die voraussichtlichen Forderungen der Unternehmensinsolvenzen belaufen sich auf 3,33 Milliarden Euro und waren damit mehr als doppelt so hoch (+130,6 Prozent) wie von Januar bis Juni 2019 (damals: 1,44 Milliarden Euro).

Dahinter steckt, dass mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen als vor einem Jahr Insolvenz anmelden müssen. Das belegt auch die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer: 26.660 Menschen waren im ersten Halbjahr betroffen, im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 19.043 Beschäftigte.

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