Was tut die Stadt gegen Hakenkreuze, Nazi-Schmierereien und fremdenfeindliche Aufkleber?

dzStraßenbild

Es gibt immer wieder diese Sprühereien: NS-Zone, 88, Reichskriegsflagge, Hakenkreuze. Und Aufkleber mit fremdenfeindlichen Inhalten. Tut die Stadt Castrop-Rauxel genug dagegen?

Castrop-Rauxel

, 22.01.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer wieder sind in Castrop-Rauxel neue Schmierereien und Aufkleber im Stadtgebiet gesehen, die rechtsextreme Inhalte haben. Zurzeit sind es nicht so viele wie in der „konzertierten Schmieraktion“ Ende 2018, als an Containern, Schildern und Haltestellen eines Morgens Dinge wie NS, NS-Zone, 88, Nazi zu lesen war. Ganze Stromkästen trugen die Farben der Reichskriegsflagge.

Auch wenn es nicht wieder diese Masse ist: Auch die neuen Schmierereien sind stets sichtbar und oft ein Ärgernis. Drei Beispiele:

Was tut die Stadt gegen Hakenkreuze, Nazi-Schmierereien und fremdenfeindliche Aufkleber?

Dieser Stromkasten in Frohlinde ist besprüht worden. © privat

Jetzt meldete sich eine Leserin in der Redaktion, ein Stromkasten an der Lindenschule in Frohlinde sei beschmiert worden. Sie schreibt: „Ich schäme mich, dass Frohlinde ausländerfeindlich geprägt ist.“

Was tut die Stadt gegen Hakenkreuze, Nazi-Schmierereien und fremdenfeindliche Aufkleber?

Nafri steht in der Szene für einen Sammelbegriff der Zuwanderer aus nordafrikanischen Staaten. Gerade in Bezug auf die Kölner Silvesternacht wurde er bekannt. © privat

Anderer Stadtteil: Nafri-Aufkleber auf Verkehrsschildern. „Die Aufkleber waren an der roten Emscherbrücke und an der Kreuzung B235/Freiheitsstraße. Meiner Meinung nach ist zumindest der Nafri-Sticker nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt, sondern eine Straftat“, schreibt ein Leser.

Was tut die Stadt gegen Hakenkreuze, Nazi-Schmierereien und fremdenfeindliche Aufkleber?

Altparteien abwählen: ein Aufruf, der meist nicht aus der demokratischen Mitte der Gesellschaft kommt. © privat

Drittes Beispiel, wieder Frohlinde: Wer von Schwerin aus die Dortmunder Straße Richtung Frohlinde fährt, dem kann das Hakenkreuz kurz rechts hinterm Golfplatz auf einem Durchfahrt-verboten-Schild nicht entgangen sein. Es ist zwar mit einem Anti-Spruch überklebt, aber es ist deutlich zu sehen.

Was tut die Stadt gegen Hakenkreuze, Nazi-Schmierereien und fremdenfeindliche Aufkleber?

Dieses Hakenkreuz „darf“ seit Monaten auf einem Schild an der Dortmunder Straße in Frohlinde prangen. Zwar überklebt mit einem kleinen Aufkleber „Fuck Nazis“, aber doch deutlich sichtbar. © Tobias Weckenbrock

Anwohner, Passanten, aber auch zum Beispiel Mitarbeiter des EUV-Stadtbetriebs im Straßenreinigungs- oder Müllabfuhr-Dienst: Sie alle haben vorbei geschaut, die Sauerei und zugleich Straftat nicht gemeldet.

Denn die Stadt behauptet, sie habe da eine ganz klare Linie: „Alle Meldungen, die bei der Stadt Castrop-Rauxel bzgl. verfassungswidriger Symbole eingehen, werden umgehend der Polizei gemeldet“, erklärt Sprecherin Uta Stevens auf Anfrage.

Andere Behörden werden bei Bedarf direkt informiert

Und mehr noch: Die zuständigen Bereiche wie der EUV Stadtbetrieb, der Bereich Stadtgrün und Friedhofswesen oder das Immobilienmanagement würden benachrichtigt, um sie zu entfernen. „Befinden sich die verfassungswidrigen Symbole nicht in der Zuständigkeit eines städtischen Bereichs, wird die entsprechende Institution informiert, zum Beispiel Straßen NRW oder Westnetz, informiert“, so Stevens weiter.

Jetzt lesen

Schwieriger wird es offenbar nur dann, wenn sich verfassungswidrige Symbole auf Privatgrund befinden. Dann werden die Eigentümer durch den Bereich Ordnung und Bürgerservice angeschrieben und aufgefordert, diese zu beseitigen. So ist das zum Beispiel in Deininghausen an der Betonwand, der Rückwand des einstigen Schlecker, gleich eingangs der Siedlung. Dort ist noch immer SS zu lesen - seit über einem Jahr.

So kann jeder Castrop-Rauxeler helfen

Um die Stadt von dieser Propaganda frei zu halten, können Bürger helfen: Die Stadt empfiehlt dazu ihre kostenlose CAS-App. Im Mängelmelder kann man einfach ein Foto davon aufnehmen und es über die App an die Stadtverwaltung schicken. Dort läuft dann ein Ticket, eine Kümmerkarte, auf, die an die zuständigen Stellen weitergereicht werden kann.

Wer nicht die CAS-App auf dem Smartphone hat oder kein Smartphone besitzt, kann auch per E-Mail an anliegen@castrop-rauxel.de die Stadt darüber informieren. „Gerade solche Hinweise helfen der Stadtverwaltung, schnell zu reagieren“, sagt Uta Stevens.

Keine besonderen Aktionen wie im Jahr 2018

Die Schmierereien 2018 gingen nach Informationen unserer Redaktion auch mit anderen Aktionen Rechtsextremer einher. Es soll einen kleinen Aufmarsch mit Fackeln und Parolen auf dem Hügel im Erinpark gegeben haben, der als Video kursierte und unter anderem Bürgermeister Rajko Kravanja zugespielt wurde. Ähnliches ist zurzeit nicht zu beobachten.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt