Was bewirken diese grünen Säcke um junge Bäume in Castrop-Rauxel?

dzJungpflanzen

Vielen Castrop-Rauxeln sind sie schon aufgefallen. Noch lange nicht allen ist klar, wozu es an einigen Baumstämmen nun grüne Säcke gibt. Ist das Pinkel- oder Fraßschutz? Nein, es geht um Wasser.

Castrop-Rauxel

, 06.07.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, der wird sie schon entdeckt haben: An so manchem jüngeren Baum auf öffentlichem Grund gibt es in diesem Jahr seltsame grüne Säcke. Sie sind aus ziemlich festem Material und wirken, als wolle man den Baumstamm vor Fressfeinden oder Wildpinklern schützen. Aber ihr Hintergrund ist ein anderer.

Sie nennen sich „Treegator“, die Säcke, in die die Bäume zum Beispiel entlang des Rad- und Fußweges an der Horststraße in Ickern zwischen Vinckestraße und Emscher eingepackt sind. Sie ragen von der Wurzel aus etwa ein Meter entlang des Baumstammes nach oben und sind dort abgebunden.

Ein Sack kostet etwa 20 Euro

Es handelt sich tatsächlich um Beutel, die die jungen Bäume schützen sollen - und zwar vor der Austrocknung: Klaus Breuer, Leiter des Bereiches Stadtgrün der Castrop-Rauxeler Stadtverwaltung, erklärte kürzlich im Umweltausschuss, dass die Stadt die Säcke angeschafft hat. 20 bis 25 Euro, erklärte er, koste ein solcher Wasserbeutel. Und: „Wir bauen das noch aus.“

Hintergrund ist die größere Trockenheit unserer Sommer, die sich in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt hat. Und auch wenn es zurzeit das eine oder andere Mal stark und auch ausdauernd geregnet hat: Die Tendenz zu mehr Trockenheit zeichnet sich weiter ab. Und die ist vor allem eine Gefahr für junge Bäume, deren Wurzelwerk noch nicht so verzweigt ist, dass genügend Wasser zur Verfügung steht, um wachsen zu können.

Klaus Breuer erklärt: „Man muss einmal Wasser manuell mit einem geeigneten Gerät in den Sack einfüllen, dann tropft es durch kleine Öffnungen unten heraus.“ Ergänzend ruft die Stadt alle Bewohner immer mal wieder, vor allem in längeren Trockenphasen, dazu auf, die Bäume vor ihren Häusern selbst zu wässern. „Aber nicht mit altem Putzwasser!“, mahnt Klaus Breuer. „Die beinhalten Tenside, die den Bäumen schaden anstatt ihnen zu nutzen.“

Eingetrocknete Krone kann gefährlich werden

Man gehe derzeit dazu über, die Beutel auch an alten Bäumen einzusetzen. Trockenschäden führen nicht nur bei Jungbäumen zum Absterben des ganzen Baums, sondern sind auch bei Altbaumbeständen gefährlich. Eintrocknende Kronenpartien ziehen in der Folge laut Stadtverwaltung vermehrte Sicherheits-Kontrollen nach sich. Und Stadtgrün muss dann häufiger schneiden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Fällt ein Ast auf ein parkendes Auto, gibt es oft Auseinandersetzungen um den Schaden.

Der Treegator fasst 55 Liter Wasser. An Bäumen verringert ein solcher Sack die Zahl der notwendigen Bewässerungs-Einsätze des Bereiches Stadtgrün um etwa die Hälfte. Auch in anderen Städten in der Umgebung sind die Säcke eines amerikanischen Herstellers im Einsatz.

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