Warum waren Sie nicht wählen? Viele Antworten der Castrop-Rauxeler Leser

dzKommunalwahl 2020

Viele Antworten erreichten uns auf die Frage: Warum waren Sie bei der Stichwahl nicht wählen? Die Bürger in Castrop-Rauxel haben uns ein klares Stimmungsbild übermittelt.

Castrop-Rauxel

, 30.09.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Wahlbeteiligung war bei dieser Stichwahl am 27.9. so gering wie selten zuvor. Am Ende kam wieder Bürgermeister Rajko Kravanja (SPD) ins Amt, mit weniger absoluten Stimmen als im ersten Wahlgang, aber deutlicher Mehrheit gegenüber seinem Widersacher Oliver Lind (CDU).

Unterm Strich aber stand: Die Wahl interessierte nicht mehr viele Castrop-Rauxeler. Wir haben das zum Anlass genommen, zu fragen: Warum waren Sie nicht wählen? In kurzer Zeit erreichten uns viele Antworten auf diese Fragen. Die Gründe sind unterschiedlich, aber einige Dinge passen doch gut zusammen.

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Fehlende Wahlunterlagen:

Michael Jacubassa beklagt per Mail: Meine Frau und ich haben am 9.9. per Briefwahl gewählt und keine neuen Wahlunterlagen erhalten. Anders meine Schwiegermutter, die bei uns im Haus wohnt: Sie hat ebenfalls am 9.9. gewählt und per Post neue Wahlunterlagen erhalten.

Werner Peukert schreibt per Mail: Wir hatten wegen Corona Briefwahl beantragt. Die Wahlunterlagen sind bis heute bei uns nicht eingegangen, wo doch nach Aussage der Stadt fleißig kuvertiert wurde. Da frage ich mich: Wo sind sie geblieben? Mir sind mehrere Fälle bekannt. Wir sind doch hier nicht in Belarus, oder?

Claudia Konrad schreibt per Mail: Meine 87-jährige Mutter konnte zum ersten Mal in ihrem Leben nicht an der Wahl teilnehmen, da ihr die Briefwahlunterlagen erst am Samstag, 26.9., mit der Post zugestellt wurden. Da war es mehr als zu spät. Sie lebt seit dem 1.9. in einem Habinghorster Seniorenzentrum. Schade.

Tobias Langer kommentiert bei Facebook: Ich habe die Briefwahl online beantragt und man konnte nur entweder zur normalen Wahl oder für die Stichwahl beantragen. So habe ich das Formular zweimal abgeschickt und habe alle Wahlunterlagen erhalten und gewählt. Vielleicht war das aber eine Hürde und man hätte beide Wahlunterlagen in einem Formular beantragen können.

Ähnliche Probleme hatten Leser Bernd Betraum und Facebook-Nutzer „H-kan Erdogan“.

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Fehlendes Vertrauen:

Ulrich Schlünder nennt bei Facebook mehrere Gründe Ich habe in der Stichwahl nicht mehr gewählt, weil ich das nicht mehr mitbekommen habe. (...)

Außerdem bin ich den Ankündigungsbürgermeister Krawutzki oder Krawanja leid. Seit er an der Macht ist, werden Bürger wieder wie lästige Bittsteller behandelt. Alle bisherigen Bürgermeister haben die Stadt in die „Insolvenz“ getrieben, der Spielraum der Kommunalpolitik ist deshalb viel zu gering.

Jürgen Beineke schreibt in einer ausführlichen Mail: Die Wähler wurden von selbstgefällig/bornierten Politikern missachtet, was signifikant dazu geführt hat, dass sich jene Gesinnung breitmachte, die sich die AfD zunutze macht, die Brut dieses Kartells. Die Politiker des „Parteienkartells aus CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNEn“ haben aus der Demokratie der Bundesrepublik Deutschland eine Lobbykratie gemacht. Hier in CAS hat das zu einem völlig unzulänglich ausgestatteten Bürgerservice geführt (z.B. Wartezeiten Bürgerbüro, Wartezeiten Baugenehmigung). Der Eiertanz um die Janusz-Korczak-Gesamtschule Castrop-Rauxel lässt grüßen. Im Gegenzug der Strangulierungspakt NRW, für den die Grundsteuer B hier auf 825 Punkte angehoben wurde. Der deutsche Durchschnittssatz beträgt 380 Punkte.

Ein Leser, der mit Verweis aufs Wahlgeheimnis nicht genannt werden möchte, schreibt per Mail: Obwohl ich zur Stichwahl gegangen bin, habe ich keinem der Bürgermeisterkandidaten meine Stimme gegeben, da beide nicht wirklich willens sind, die eigentlichen Probleme in Castrop-Rauxel anzugehen. Die Politiker sind zu einem guten Teil selbst schuld an der Politikverdrossenheit. Dies habe ich auf dem Wahlzettel schriftlich vermerkt und werte meine ungültige Stimme als Proteststimme.

Axel Kiefer kommentiert bei Facebook: Ich bin nicht wählen gegangen, da durch die traute Gemeinsamkeit in den Vorstellungen über das „Vorankommen der Stadt Castrop-Rauxel“ der beiden Kandidaten niemand mehr über geblieben ist, der meine Vorstellung davon vertritt. Es ist schade, dass es nun weitere fünf Jahre Stillstand geben wird.

Maic Kopke kommentiert bei Facebook: Vielleicht ist es ja so, dass keine echten Kandidaten für diese verantwortungsvolle Aufgabe vorhanden waren. Oder vielleicht, weil es zu wenig öffentliche frei zugängliche Informationen dazu gibt. Vielleicht ist es aber auch so, dass die einseitig politisch motivierte Berichterstattung der Medien dazu beigetragen hat, dass kaum jemand noch wählen will.

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Die Vorentscheidung:

Gerd Leske schreibt per E-Mail: Ich bin nicht zur Stichwahl gegangen, weil das Ergebnis der ersten Wahl so eindeutig war, dass es schon fast lächerlich erscheint, die Diskrepanz „anzuzweifeln“. Es war klar, das Herr Kravanja gewinnen wird. Wer davon nicht überzeugt war, war ein Träumer.

Thomas Frauendienst sagte am Telefon: Der Wahlkampf war nicht spannend, auch weil klar war, wer gewinnt. Die Politik für die Bürger draußen muss interessanter werden. Sie muss sich dem Bürger annähern. Ich fordere eine „Denkfabrik Castrop-Rauxel“, in der Ratsmitglieder und Bürger parteiunabhängig an einem Tisch sitzen und Zukunftsthemen entwickeln. Auch die Fragestunde in der Ratssitzung reicht mir nicht. Es muss öfter Fragestunden geben, in der zum Beispiel die Fraktionsvorsitzenden die Fragen der Bürger beantworten.

Die Gesellschaft:

Rüdiger Bark kommentiert bei Facebook: Mich hat die ganzen Monate geärgert, wie die Leute über den Bürgermeister her gezogen haben. Jetzt haben sie die Chance gehabt dagegen etwas zu unternehmen, aber nein, sie gehen nicht zur Wahl, weil: Mein Auto sprang nicht an. Mein Nachbar brauchte meine Hilfe. Es war mir zu kalt. Der Hund wollte nicht mit raus.

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