Jan Bormann ist 82 Jahre alt und war diese Woche auf der vergeblichen Suche nach einem Impftermin gegen das Coronavirus. © Gaby Regener (A)
Coronavirus

Warten aufs Impfen: Castroper Promi schimpft über Idioten und Irrsinn

Der Castrop-Rauxeler (82) hat noch nie so viel am Telefon gehangen wie diese Woche: Stündlich habe er die Impftermin-Hotline angerufen. Jan Bormann spricht von Idioten und hat einen Vorschlag.

Vermutlich finden sich in diesem Beispiel viele Menschen über 80 Jahre wieder: Jan Bormann (82) aus Castrop-Rauxel hat unserer Redaktion seine Erfahrungen aus dieser Woche am Telefon geschildert. Er berichtet von einem Kampf um einen Impftermin, wie er ihn nie erlebt hat. Er ist verärgert, dabei klingt sein Vorschlag so einfach.

„Warum macht man das nicht umgekehrt und verteilt allen Impfberechtigten direkt Termine und bittet nur die um Absage, die nicht können? Das geht bei meiner Frau bei der Brustkrebsvorsorge doch auch.“ Das sagt Bormann, stadtweit bekannter Künstler. Er erzählt von Anrufen, Stunde um Stunde, mit immer demselben Ergebnis.

„So ein Irrsinn! Das gibt endlose Telefonate. Es wird einem immer vorgeschwärmt, wie toll das Internet ist. Aber es gibt keine Vernunft! Es hieß nun, es hätten 600.000 Menschen in der Hotline angerufen, die auch Termine bekommen hätten. Nun stünden noch 500.000 auf einer Liste, die irgendwann bald mal wieder anrufen sollen. Ist das nicht bescheuert?“

Seit Montag stündlich angerufen: immer besetzt

Seit Montag, als die Terminvergabe begann, habe er stündlich angerufen. Jeden Tag. „Ich habe nie jemanden erreicht, immer war besetzt. Punkt 12 Uhr war sogar immer die Leitung tot, muss wohl Mittagspause gewesen sein“, sagt Bormann.

„Gerade jetzt (Anm. d. Red: Freitag, kurz vor 12 Uhr) habe ich jemanden erreicht: erst eine Automatenansage, dass keine Termine mehr vergeben würden. Dann hatte ich einen Mann dran. Er sagte, man könne nicht im Voraus Termine annehmen, da man nicht wisse, ob Impfserum da ist. Und ich komme dann erst im April oder Mai dran? Er sagte, meine Gruppe solle Ende April eigentlich durchgeimpft sein und es werde sich bald alles beruhigen. Ich frage mich aber: Wie soll das gehen, wenn sich 400.000 nun schon die Finger wund gewählt haben und bald wieder alle anrufen sollen?“

Es sei nicht genug Impfstoff da, das verstehe er ja. „Aber wenn der Terror dann bald wieder beginnen soll …Man kann es einfach nicht glauben. Was sind das für Idioten, die da sitzen und sowas planen?“

Hätte man im Vorfeld einfach allen ihre Termine vorgegeben, dann wäre man Hunderttausende Anrufe losgewesen und könnte „die 50 oder 100 Leute, die zum Termin nicht kommen können, am Telefon mit ihrer Absage bedienen“. Stattdessen solle er, so der Rat, nun warten, in der Zeitung nachlesen, wann er wieder anrufen könne, und es dann erneut versuchen.

„Das kann man sich gar nicht ausdenken!“

„Dann fängt das Schlamassel von vorne an. Das ist doch Unvernunft! Das kann man sich gar nicht ausdenken! Die Leute wissen doch genau, wie lange ein Impfvorgang dauert, können sogar noch Puffer einplanen für Pausen oder wenn noch jemand eilig dazwischen geschoben werden muss“, empört sich Bormann.

Geimpft werden soll ab dem 8. Februar. Zurzeit kann man keine Termine buchen.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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