Gerüchte-Check: Tritt Oliver Lind als Rivale von Rajko Kravanja ums Bürgermeisteramt an?

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Außer Rajko Kravanja gibt es noch keinen Kandidaten um das Bürgermeisteramt. Wir haben bei den Parteien in Castrop-Rauxel nachgefragt und checken zwei sich hartnäckig haltende Gerüchte.

Castrop-Rauxel

, 03.01.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Zur Bürgermeisterwahl, die am 13. September 2020 wieder parallel zur Kommunalwahl und zur Kreistagswahl stattfinden wird, schicken die Castrop-Rauxeler Sozialdemokraten den amtierenden Bürgermeister Rajko Kravanja erneut ins Rennen. Der hatte sich im Jahr 2015 in der Stichwahl gegen Michael Breilmann durchgesetzt. In der Stichwahl erhielt Kravanja 52,6 Prozent der Stimmen, für seinen Gegenkandidaten Michael Breilmann, den neben seiner CDU auch die FWI unterstützte, entschieden sich 47,4 Prozent.

Neben Kravanja und Breilmann waren Nils Bettinger (FDP), Manfred Fiedler (Bündnis 90 / Die Grünen) und Hakan Sönger (Die Linke) ursprünglich ins Rennen um das Bürgermeisterbüro im Rathaus gegangen. Im ersten Wahlgang hatte Kravanja es auf 43 Prozent gebracht, Breilmann auf 39,9 Prozent. Nils Bettinger (4,8 Prozent), Manfred Fiedler (8,4 Prozent) und Hakan Sönger (3,9 Prozent) spielten keine große Rolle.

Auch 2020 ist wieder eine Stichwahl möglich

CDU und FDP im Land hatten für die Wahl im Jahr 2020 nun eigentlich den Wegfall der Stichwahl festgeschrieben. Doch das war verfassungswidrig. Das hat der Verfassungsgerichtshof des Landes kurz vor Weihnachten in Münster entschieden. Daher müssen die Bürger künftig wieder ein zweites Mal ins Wahllokal, wenn es im ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit für einen Bürgermeister- oder Landratskandidaten gibt.

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Aber wen schicken die Castrop-Rauxeler Stadtverbände der Parteien ins Rennen? Außer SPD-Kandidat Kravanja wurden bisher keine Namen genannt. Darum haben wir bei den Parteien, die auch 2015 Bürgermeister-Kandidaten gestellt haben, nachgefragt. Wir wollten wissen: Benennen Sie einen eigenen Kandidaten? Wann wird das geschehen? Oder planen Sie, den Kandidaten einer anderen Parteien zu unterstützen?

Die Antworten der kleineren Parteien

Die Antworten fielen kurz vor Weihnachten noch vage aus:

Anne Krüger (FDP): „Ich darf Sie höflich bitten, noch etwas Geduld mit uns zu haben. Im Augenblick sind noch keine Entscheidungen gefallen, die wir verkünden können / wollen. Das wird erst im neuen Jahr geschehen.“

Margita Gudjons (Linke): „Ihre Anfrage können wir leider derzeit noch nicht beantworten. Es gibt bisher keine abschließende Entscheidung des Stadtverbandes.“

Holger Schelte (Grüne): „Aktuell beschäftigen wir uns noch nicht intensiv mit Personalfragen zur Kommunalwahl 2020. Bevor wir eine Personaldebatte führen, möchten wir unsere Energie lieber für die zwingend notwendigen Sachfragen unserer Stadt aufwenden. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass bereits jetzt - auch im Rathaus - weniger Zeit für die drängenden Fragen der Bürger*innen aufgewendet wurde als für Weichenstellungen hinsichtlich der Bürgermeister*innenwahl. Der interne Zeitplan der Grünen in Castrop-Rauxel sieht vor, dass im März 2020 das Personal für die kommende Wahlperiode gewählt wird. Wir stehen bis dahin für Gespräche mit interessierten Menschen und mit den anderen demokratischen Parteien zur Verfügung.“

Annette Korte (FWI): „Die FWI befindet sich noch in der Planung zur Findung eines geeigneten Bürgermeisterkandidaten. Wir sind uns sicher, dass wir bis Mitte Januar zu einem Ergebnis kommen werden.“

Die CDU will am 6. Januar Namen nennen

Wer auf jeden Fall einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken wird, ist die CDU. Die offizielle Kandidatenkür steht aber erst für Januar 2020 auf dem Programm. Dazu hat die Partei für den Dreikönigstag, Montag, 6. Januar, zu einer Sitzung des erweiterten Stadtverbandsvorstandes eingeladen, so Michael Fritsch, Pressesprecher der CDU.

Bei dieser Sitzung soll dem Gremium laut einer internen Einladung der CDU-Kandidat vorgestellt und vom Vorstand gewählt werden. Am Freitag, 21. Februar, so ergänzte CDU-Geschäftsführerin Anne Steinbock, werde es einen Stadtverbands-Parteitag geben, „bei dem der Kandidat oder die Kandidatin dann gewählt wird“.

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So viel also zu den (nicht vorhandenen) Personal-Fakten. Da es eher unwahrscheinlich ist, dass die CDU sich jetzt noch auf Kandidatensuche befindet, dürften die Christdemokraten ihren Mann/ihre Frau für den erwarteten Zweikampf mit Amtsinhaber Rajko Kravanja bereits gefunden haben. Es kursieren zu dieser Frage wie der Frage, wie sich denn die kleinen Parteien aufstellen werden, einige Gerüchte. Wir machen den Wahrscheinlichkeits-Check von zwei sich hartnäckig haltenden Gerüchten:

1. Gerücht: Die CDU nominiert Oliver Lind

Wir haben CDU-Sprecher Michael Fritsch mit der kursierenden Personlie Oliver Lind konfrontiert: „Ich bitte um Verständnis, dass wir zu Spekulationen über einen eventuellen Kandidaten respepktive Kandidatin bis zu diesem Zeitpunkt (gemeint ist der 6. Januar, die Red.) keine Stellung nehmen werden“, sagt der. Ein klares Dementi klingt anders.

Nachdem Michael Breilmann, der Kandidat 2015, als Stadtverbandsvorsitzender abgedankt hat und sich dem Vernehmen nach auf eine Kandidatur für den Bundestag vorbereiten will, fällt der Jurist als Gesicht der CDU in Castrop-Rauxel aus. Sein Nachfolger im Stadtverband, Carsten Papp, hat sich in seinem ersten Amtsjahr nicht sehr in den Vordergrund spielen können. Seine Nominierung ist also unwahrscheinlich.

Gute Chancen werden Michael Schneider, Geschäftsführer der CDU-Fraktion, eingeräumt. Der aber ist Pressesprecher des Dortmunder Jobcenters und hat auch deshalb zuletzt in der Politik kürzer getreten.

Wer käme noch in Frage? Die meisten Mitglieder von Stadtverbands- und Fraktionsvorstand sind zu alt für eine Kandidatur. Oder, wie Robin Mainz, zu jung.

Da wäre Rechtsanwalt Oliver Lind als gestandener Politiker mit vielen Jahren als Vorsitzender des Betriebsausschusses 3 sicherlich wahrscheinlicher. Auch wenn er in der Öffentlichkeit nicht so bekannt sein dürfte und mit seiner Ausschussführung nicht immer und überall auf Gegenliebe stößt.

Prognose: Wahrscheinlich mehr als ein Gerücht.

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2. Gerücht: FWI und FDP unterstützen einen CDU-Kandidaten

Die FWI, durch den Tod Manfred Postels 2018 an der Spitze arg gebeutelt, trug schon 2015 den CDU-Kandidaten Michael Breilmann mit. Personell hat sich in der FWI seitdem niemand wirklich nach vorne gespielt, den man als eigenen Kandidaten erwarten könnte: Ob Harald Piehl als FWI-Vorsitzender oder Annette Korte als Fraktions-Vorsitzende sich eine Kandidatur zutrauen, ist zumindest fraglich. Es liegt also recht nahe, dass man sich auch 2020 mit einem CDU-Mann (eine Frau ist eher nicht in Sicht) arrangieren könnte.

Wie sich die FDP in dieser Hinsicht aufstellt, ist offener. Nils Bettinger hat 2015 mit 4,8 Prozent im ersten Wahlgang keine Bäume ausreißen können, vergleicht man das Resultat mit dem seines Vorgängers Christoph Grabowski bei der Wahl 2009. Der allseits bekannte Fleischer brachte es auf 13,66 Prozent. Außer Bettinger fällt einem in der FDP aber niemand ein, der als Kandidat ein Trumpf sein könnte. Selbst Stadtverbandschefin Anne Krüger tritt bis dato lokal kaum in Erscheinung.

Dass die FDP nach dem Platzen der Koalition mit SPD und Grünen nun wieder Kravanja unterstützen könnte, klingt eher unwahrscheinlich. Es könnte also sein, dass die FDP einen Kandidaten der Christdemokraten mittragen könnten, um Kravanja die Wiederwahl schwer zu machen.

Prognose: Klingt nicht völlig unwahrscheinlich.

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