Einkaufen an der Siemensstraße in Castrop-Rauxel: Schon vor Inkrafttreten der Notbremse ist hier wenig los. © Tobias Weckenbrock
Coronavirus

Vor der Bundes-Notbremse: Lockdown-Shopping und wie Kunden das finden

Gibt es einen Run am letzten Verkaufstag? Vor Inkrafttreten der Bundes-Notbremse hat unser Reporter sich vor großen Geschäften in Castrop-Rauxel umgesehen und umgehört. Das sagen Kunden.

Es ist Freitag, 11 Uhr. Unsere Redaktion erwartet wie viele Menschen in Castrop-Rauxel die Entscheidung, ob die Bundes-Notbremse wirklich ab Samstag gilt. Löst das einen Run auf die Geschäfte aus, die also nur noch einen Tag für Privatkunden öffnen dürfen?

Unser erste Weg geht zum Schnelltestzentrum an der Europahalle. Das Drive-in ist noch geschlossen, es öffnet freitags von 12 bis 20 Uhr. Aber an einen Termin ist nicht mehr zu kommen. Man muss sich vorher online anmelden, und in der Termin-Übersicht steht am Morgen: alle Termine für den Freitag vergeben.

An anderen Teststellen, sehen wir im Internet, sind noch Tests möglich. So machen wir uns auf den Weg ins naheliegende Einkaufszentrum an der Siemensstraße. Der Real, der Netto, der Aldi: Bei ihnen ändert sich nichts. Aber beim Media-Markt, bei Tedox, bei Dänischen Bettenlager heißt es heute noch: Zugang mit negativem Test möglich. Nur noch heute. Samstag gilt „Click & Collect“: Der Laden bleibt zu. Man kann online bestellen und an der Tür abholen, weil die Corona-7-Tage-Inzidenz im Kreis Recklinghausen über 100 liegt. Weit über 100.

Auf dem Parkplatz an der Siemensstraße vorm Media-Markt ist es aber vor allem eines an diesem sonnigen Freitag: ruhig. Die Leute, die heute noch im Tedox einkaufen, brauchen offenbar Kleinigkeiten. Etwas Farbe für den Anstrich, ein Kunde mit Gewerbeschein kauft Tapeten und Kleister. Ehepaar Dibowsky aus Datteln kauft Bettwäsche für die Oma, die längst geimpft ist, aber im Auto sitzen bleiben muss.

Dortmunder Tedox schickt Kunden nach Castrop-Rauxel

Einige Kunden, sagt der Mitarbeiter an der Tür bei Tedox, kommen aus Dortmund nach Castrop-Rauxel. Denn: In Dortmund hat Tedox schon geschlossen. Die Kunden werden zum Teil nach Castrop-Rauxel geschickt. Viel zu tun hat der Mitarbeiter an der Tür nicht. Er schaut kurz auf die Schnelltest-Belege der Kunden, die rein wollen. Dann zeigt er ihnen den Weg und kehrt zurück.

Gerd Wilhelm aus Ickern kauft mit seiner Frau auf den letzten Drücker noch Renovierungsbedarf im Tedox ein. Er findet die Click-und-Meet-Regelung eigentlich toll, sagt er.
Gerd Wilhelm aus Ickern kauft mit seiner Frau auf den letzten Drücker noch Renovierungsbedarf im Tedox ein. Er findet die Click-und-Meet-Regelung eigentlich toll, sagt er. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock
Kornelia und Norbert Dibowsky aus Datteln beim Einkauf im Tedox: Sie brauchten noch flott Bettwäsche für die Mutter und kamen mit einem negativen Schnelltestergebnis rein. Das geht ab dem 24.4. nicht mehr.
Kornelia und Norbert Dibowsky aus Datteln beim Einkauf im Tedox: Sie brauchten noch flott Bettwäsche für die Mutter und kamen mit einem negativen Schnelltestergebnis rein. Das geht ab dem 24.4. nicht mehr. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Zwei Sicherheitsmitarbeiter am Eingang des Media-Markts bestätigen, dass es ruhig sei. So ruhig, dass es Kunden gibt, die das gut finden. Gerd Wilhelm aus Ickern, der für eine kleine Renovierung plant und dafür Kleinigkeiten bei Tedox kauft, sagt: „Ich finde Click & Meet richtig gut. Kürzlich, im Möbelhaus, haben wir eine Couch-Garnitur gekauft. Wir hatten so viel Zeit, haben uns ausführlich beraten lassen, und Kunden, die bloß bummeln und nicht kaufen, haben uns nicht gestört.“

„Shoppen macht so keinen Spaß mehr“

Das ist nun aber auch vorerst passé. Kornelia und Norbert Dibowsky machten am Morgen in ihrer Dattelner Apotheke einen Schnelltest. „Mit der Bestätigung auf dem Smartphone können wir jetzt einkaufen“, sagt Norbert. „Bettwäsche für die Oma“, sagt er. „Shoppen macht so keinen Spaß mehr“, findet er. „Man kann nichts mehr spontan machen“, sagt sie. „Klar, man sollte eigentlich zu Hause bleiben. Aber das tun wir auch sonst immer.“ Und Norbert ergänzt: „Wir desinfizieren uns 20 Mal am Tag… Ich hoffe nur, dass wir nun auch bald endlich geimpft werden.“

Ein Mann um die 70 auf dem Parkplatz meckert im Hintergrund. Er kauft ein paar Dinge, sagt, er sei Diabetiker, habe Herzinfarkte hinter sich. Sein Arzt habe gemeint, er könne sich nicht impfen lassen – zu gefährlich. Er glaube den Zahlen mit den Geimpften nicht, aber Deutschland sei in jedem Fall viel langsamer als Großbritannien und die USA. Er schimpft. „Corona ist halt echter Mist“, sagen wir. „Nicht Corona, unsere Regierung!“, entgegnet er.

Freitag, 12 Uhr. In zwölf Stunden wird der Lockdown verschärft. Dann geht hier gar kein Privatkunde mehr ins Geschäft. Vermutlich für Wochen.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock
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