2,64 Promille haben die Erinnerung eines Angeklagten an eine Nacht im März 2019 komplett gelöscht. © picture alliance/dpa
Gericht

Volltrunkener Castrop-Rauxeler bespuckt Polizisten – und verschwindet

2,64 Promille haben die Erinnerung an eine Nacht im März 2019 komplett gelöscht. Da soll ein Castrop-Rauxeler volltrunken aufgefunden worden sein und einen Polizisten angespuckt haben.

Er hat einen kompletten Filmriss. Keinerlei Erinnerung an den späten Abend im März vor zwei Jahren. Kein Wunder bei 2,64 Promille. Doch ein Polizist wird diesen Abend wohl nie vergessen. Zu groß war der Ekel, den er empfand beim Zusammentreffen mit dem heute 43-Jährigen.

Der Mann war in jener Nacht volltrunken aufgefunden worden in der Lange Straße. „Wir mussten ihn mitnehmen, um ihn vor sich selbst zu schützen“, schildert ein 31-jähriger, am Einsatz beteiligter Polizist den Einsatz vor Ort.

Konnte nicht stehen

Sie trafen einen Mann an, der nicht mehr in der Lage war, gerade und aufrecht zu stehen. Passanten hatten zuvor gemeldet, eine hilflose Person vorgefunden zu haben. Er sollte in Gewahrsam genommen werden, doch das war nicht einfach.

Zuerst versuchte der Betrunkene, der sich jetzt im Amtsgericht wegen eines tätlichen Angriffs und Körperverletzung auf der Anklagebank saß, sich mit Händen und Füßen zu wehren. Zum Glück ging der Versuch, einen der Beamten dabei in die Hand zu beißen, daneben.

Weniger Glück hatte der Polizist, dem der 43-Jährige unvermittelt ins Gesicht spuckte. Er traf. „Und das war nicht wenig“, erinnerte sich der Kollege. Zu dem großen Ekelgefühl, das der Polizist empfand, kam noch die Angst vor einer Ansteckung wie z.B. Hepatitis.

Das konnte eine Blutuntersuchung ausschließen, doch die Erinnerung an die widerliche Situation blieb. Strafrechtlich eingestuft als tätliche Beleidigung.

Bier und Schnaps

Um den Volltrunkenen endlich in die Zelle befördern zu können, benötigten die drei Polizisten noch Verstärkung. An das Aufwachen dort am nächsten Morgen hat der Angeklagte noch eine schwache Erinnerung. Bier und Schnaps, gestand er nun, gehörten damals für ihn zum Alltag.

Inzwischen hat er nicht nur eine Suchttherapie hinter sich, sondern auch das Bundesland gewechselt. Deshalb waren langwierige Recherchen seitens der Justiz erforderlich, bis er in Baden-Württemberg gefunden wurde. Dort lebt er in einer Einrichtung für betreutes Wohnen, hofft, bald wieder in seinem Beruf als Tischler arbeiten zu können.

Bewährungsstrafe

Das Urteil steht dem nicht im Wege. Die Vorwürfe seien bestätigt worden, der Angeklagte aufgrund der Promillegehalts jedoch nur vermindert schuldfähig, befand die Staatsanwaltschaft und forderte eine Geldstrafe über 450 Euro. Doch der Richter verhängte eine dreimonatige Bewährungsstrafe. Geld, um die Strafe zu bezahlen, habe der 43-Jährige eh nicht, so die Begründung.

Schon einmal hatte er eine Geldstrafe nicht zahlen können und dafür eine Ersatz-Haftstrafe angetreten. Somit wisse er genau, wohin es geht, wenn er die Bewährungszeit nicht besteht.

Über die Autorin
Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
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