Volksbank schließt Standort: „Für alte Menschen gibt es keinen Ausweg“

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Die Volksbank schließt ihren SB-Standort an der Langen Straße. Nicht nur für Horst Trzebiatowski (81) ist das eine Katastrophe. Er kündigt deshalb. Mit anderen Kunden entwickelt er gute Ideen.

Habinghorst

, 23.09.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Horst Trzebiatowski schaut auf das Plakat im Fenster des Volksbank-SB-Standorts an der Langen Straße 109. „Wir sind nicht weg, sondern bleiben in der Nähe“, ist dort zu lesen. Der 81-Jährige, der sich auf seinen Rollator stützt, lacht kurz auf. „Soll ich jetzt nach Henrichenburg? Oder nach Castrop?“ Undenkbar für den Senior, der kein Auto hat und nicht gut zu Fuß ist. Ende September schließt der SB-Standort in Habinghorst.

Das Volksbank-Plakat erläutert die Hintergründe. Der auslaufende Mietvertrag wurde vom Eigentümer nicht verlängert, ist da zu lesen. Zudem sei die Nutzungsquote der Kunden deutlich zurückgegangen. Das kann Horst Trzebiatowski nicht bestätigen. Hierher kämen viele, um Geld oder Kontoauszüge abzuholen.

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Ingrid Armellini, die gerade aus der Volksbank kommt, bestätigt das. „Wo sollen wir denn jetzt hin?“, fragt sie. „Für alte Leute gibt es keinen Ausweg.“ Und Horst Trzebiatowski ergänzt: „Jetzt muss ich immer sehen, dass ich jemanden finde, der mir hilft.“ Genau das will er aber möglichst nicht.

Horst Trzebiatowski wird der Volksbank kein Geld mehr für Gewinnsparen geben

Horst Trzebiatowski ist „stinksauer“: „Die kassieren und die kleinen Leute müssen darunter leiden.“ Und er hat reagiert. „Ich bin seit langem Mitglied der Volksbank. Die Mitgliedschaft habe ich jetzt gekündigt.“ Und beim Gewinnsparen hat er Monat für Monat 50 Euro eingezahlt. Das macht er auch nicht mehr. „Die bekommen keinen Euro mehr von mir“, sagt der Habinghorster. „Eine gute Idee“, sagt Ingrid Armellini. Sie selbst zahle monatlich 60 Euro für das Gewinnsparen ein. Das will sie jetzt auch noch mal überdenken.

Sie sehen die Entwicklung mit Sorge. Die beiden Habinghorster kennen die Volksbank noch, als hier noch Personal war. „Die haben auch mal beim Ausfüllen geholfen, wenn man Probleme hatte“, so Horst Trzebiatowski. Dann kam der SB-Standort und der Senior vermisste schmerzlich den Kasten, in den er bis dahin seine Überweisungsformulare stecken konnte. „Die muss ich jetzt mit der Post schicken. Das kostet immer Porto.“ Ingrid Armellini wirft ein: „In Ickern schließen sie jetzt auch bald.“

Etwas Porto will Horst Trzebiatowski nochmal investieren. Er habe in der Filiale in Henrichenburg angerufen und dort den Rat bekommen, sich doch bei der Geschäftsleitung zu beschweren. Das will er jetzt tun. Einen Grund der Schließung sehen die beiden Habinghorster ganz klar in der Fusion der Volksbank Waltrop mit der Volksbank Dortmund. „Wir haben schon gewusst, dass das nichts Gutes für uns bringt“, so der 81-Jährige.

Ludger Suttmeyer: Nutzerzahlen sprechen nicht für Alternativstandort

Ludger Suttmeyer, früher Vorstand der eigenständigen Volksbank, jetzt Generalbevollmächtigter in der fusionierten Bank, hatte im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigt, dass das Filialnetz ausgedünnt werde. Man sei sich darüber bewusst, dass es in Habinghorst Kunden geben werde, die die Aufgabe der SB-Stelle nicht verstehen werden, „die sagen, dass man doch wenigstens einen Geldautomaten erhalten muss“, sagte Suttmeyer. Aber die Nutzerzahlen sprächen nicht dafür, einen Alternativstandort in Habinghorst zu suchen.

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Vor der Volksbank hat sich noch ein Kunde ins Gespräch eingemischt. Gemeinsam diskutieren sie, wie es weiter gehen könnte. Eine Lösung haben sie auch schon gefunden, für die es Vorbilder in kleineren Orten gibt. „Die Volksbank könnte doch einen Geldautomaten in der Filiale der Sparkasse aufstellen“, sagt Ingrid Armellini. Die ist ein paar Schritte weiter an der Langen Straße 81. Da nicken alle zustimmend. Vielleicht schreibt Horst Trzebiatowski das ja auch noch dem Volksbank-Vorstand.

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