Viele Infektionen: Castrop-Rauxel erlebt Donnerstag einen Corona-Schock

dzWohnkomplex betroffen

Bisher sind die Zahlen gut in Castrop-Rauxel: Der Anteil der Coronavirus-Infizierten ist geringer als andernorts. Donnerstag wird die Statistik sprunghaft steigen. Eine Groß-WG ist infiziert.

Castrop-Rauxel

, 29.04.2020, 22:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vergangenen Freitag (24.4.) begann das Problem für eine große Wohngemeinschaft in Castrop-Rauxel: Zwei Menschen aus einem Wohnkomplex mit etwa 80 Bewohnern wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Nun greift die Stadtverwaltung zusammen mit dem Kreis Recklinghausen relativ hart durch: Erstmals wird ab Donnerstag ein ganzer Gebäudezug unter Quarantäne gestellt. Und es besteht die Gefahr, dass das Virus auf einen zweiten, noch größeren Wohnkomplex übergreift.

Betroffen sind Wohnhäuser an der Wittener Straße in Merklinde und an der Langen Straße in Habinghorst: Dort wohnen viele Menschen aus Rumänien, zum Teil mit vielen Kindern. Und durch die zum Teil sehr engen Wohnverhältnisse ist hier die Ausbreitungsgefahr des Virus` größer als an vielen anderen Stellen der Stadt.

Zwei Bewohner im Krankenhaus positiv getestet

In einem Gespräch mit unserer Redaktion erklärte Bürgermeister Rajko Kravanja am Mittwochabend, dass an jenem Freitag, also vor sechs Tagen, zwei Bewohner eines der drei zusammenhängenden Häuser an der Wittener Straße mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus gebracht wurden - ein ganz normaler Vorgang. Die Infektionen wurden gemeldet, die Familien informiert.

Am Montag, als der Stadtverwaltung die Problemlage aufgrund der bekannten Wohnanschrift klar wurde, habe man sofort gehandelt, so Kravanja: Man habe aufgrund des bald bevorstehenden Starts an den Schulen, zu denen viele der Kinder aus dem Haus gehen, alle Kinder testen lassen. Das Ergebnis liegt seit Mittwochnachmittag vor: 13 Personen wurden positiv getestet.

Damit wird die Statistik am Donnerstag mindestens diese Neuinfizierten ausweisen. Das sind also etwa doppelt so viele wie am bisher schwärzesten Tag der Corona-Pandemie in Castrop-Rauxel: Am 2. April meldete das Gesundheitsamt acht Neuinfektionen für die Europastadt. Derzeit gelten überhaupt nur noch 21 Personen als aktuell infiziert, 68 Personen sind schon gesundet, 87 seit Ausbruch des Virus erkrankt. (Bei diesen Zahlen handelt es sich wie immer nur um die registrierten Erkrankten. Eine unbekannte Dunkelziffer ausgenommen.)

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Wohnkomplex steht komplett unter Quarantäne

Stadt und Gesundheitsamt treffen nun weitere Sicherheitsvorkehrungen, kündigte Kravanja an: Ab Donnerstag (30.4.) wird der Wohnkomplex an der Wittener Straße unter Quarantäne gestellt. Das bedeutet, dass die Bewohner nicht mehr raus können. Die Quarantäne wird vom Kommunalen Ordnungsdienst und einem dazu gebuchten Sicherheitsdienst überwacht.

Zudem lässt die Stadt alle Bewohner auf freiwilliger Basis noch am Donnerstag testen. Dazu kommt die mobile Abstrich-Einheit des DRK, die auch schon am Berufskolleg mit einem Durchfahrt-Testzentrum stationiert war, zum Haus und wird die Tests durchführen. Die Stadtverwaltung kündigte am Mittwochabend zudem an, die Bewohner in der Quarantäne-Phase mit Essen und Getränken zu versorgen. Am Mittwoch wurden die Bewohner mithilfe eines ihnen bekannten Dolmetschers über die Maßnahmen informiert.

Zweiter Wohnkomplex wird auch getestet

Eine sechsköpfige Familie zog schon nach der Erkrankung der ersten zwei Personen und noch vor dem öffentlichen Bekanntwerden des Corona-Ausbruchs aus Angst vor Ansteckung, wie es heißt, zu einer Schwester der Mutter in die Lange Straße in Habinghorst um. Dort leben rund 150 Menschen in einem ebenfalls stadtbekannten Wohnkomplex.

In dieses Haus an der Langen Straße zog eine der Familien spontan um, die vorher in Merklinde wohnte. Die Mutter wollte ihre Familie vor einer Ansteckung schützen.

In dieses Haus an der Langen Straße zog eine der Familien spontan um, die vorher in Merklinde wohnte. Die Mutter wollte ihre Familie vor einer Ansteckung schützen. © Archiv

„Dieses Haus steht nun auch unter Corona-Verdacht“, so Kravanja gegenüber unserer Redaktion. Aber nicht unter Quarantäne, so lange hier keine Positiv-Tests vorliegen. Auch dort sollen am Donnerstag alle Bewohner aufgefordert werden, sich von der Abstrich-Einheit vor Ort testen zu lassen. An beiden Häusern ist mit größeren Sicherheitsmaßnahmen durch Ordnungsdienst, Sicherheitsdienst und möglicherweise auch der Polizei zu rechnen.

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