Videobotschaft von Stadt und Stadtjugendring zur Pogromnacht von 1938

Judenpogrome

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 begannen auch in Castrop-Rauxel die Judenpogrome. Corona verhindert ein öffentliches Gedenken. Dafür gibt es eine eindringliche Videobotschaft.

Castrop-Rauxel

, 09.11.2020, 15:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Corona-Pandemie verhinderte in diesem Jahr in Castrop-Rauxel ein öffentliches Gedenken an die Gräuel des 9. November 1938.

Die Corona-Pandemie verhinderte in diesem Jahr in Castrop-Rauxel ein öffentliches Gedenken an die Gräuel des 9. November 1938. © Michael Fritsch (Archiv)

Der 9. November ist in der Geschichte Deutschlands ein ganz besonderer Tag. In positiver wie in negativer Hinsicht.

Am 9. November 1989 öffnete sich in Berlin ganz plötzlich und unerwartet die Mauer. Das SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski gibt an diesem Tag eine Pressekonferenz, auf der er die aktuellen Beschlüsse des Zentralkomitees der SED vorstellt. Dabei geht es irgendwann auch um eine neue Reiseregelung.

Auf Nachfrage erklärt Schabowski, dass die Regelung nach seiner Kenntnis „sofort, unverzüglich“ in Kraft trete. Es dauert nur wenige Minuten bis die Neuigkeit über die Ticker läuft: „DDR öffnet Grenzen“. Was in der Nacht passiert, ist bekannt.

Eine schlimme Nacht in Deutschland

Eine in völlig anderer Hinsicht entscheidende Dimension in der Geschichte Deutschlands hat der 9. November 1938. In dieser Nacht, die bis heute als Reichspogromnacht bezeichnet wird, begann das große Grauen Gestalt anzunehmen, begannen die Nazis die unverhohlene Jagd auf die Juden in Deutschland.

Dabei wurden vom 7. bis 13. November mehrere Hundert Juden ermordet, mindestens 300 nahmen sich das Leben. Mehr als 1400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie Tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Auch in Castrop-Rauxel.

Öffentliches Gedenken fällt wegen Corona aus

Seit vielen Jahren wird in Castrop-Rauxel mit besonderen Aktionen an diese Nacht erinnert. Eigentlich sollte das auch am 9. November 2020 wieder so sein. Doch dann kam Corona. Zwei ursprünglich geplante Veranstaltungen, die den Hintergrund der grausamen nationalsozialistischen Gewaltaktionen gegen jüdisch gläubige Menschen und den Bezug zum Leben in Castrop-Rauxel erläutern sollten, werden nach Möglichkeit nachgeholt.

Alternativ schloss sich die Stadt Castrop-Rauxel einer Aktion des Stadtjugendrings an und zündet symbolisch in den Sozialen Medien Kerzenlichter als Statement gegen Gewalt und Rassismus und für Frieden, Toleranz und Mitmenschlichkeit an.

Gemeinsam mit Frank Ronge, dem Vorsitzenden des Stadtjugendrings, hat Bürgermeister Rajko Kravanja am Montag, 9. November, dazu eine Videoansprache auf Facebook veröffentlicht, die man in Zusammenarbeit mit Ludger Staudinger umgesetzt hatte.

„So gedenken wir der unzähligen Menschen, die vor 82 Jahren zu Opfern von Plünderungen und Brandstiftungen wurden“, sagt Bürgermeister Rajko Kravanja und ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf: „Lassen Sie uns die gemeinsame Kraftanstrengung und den Zusammenhalt gegen die aktuelle Corona-Pandemie auch nutzen, um Gräueltaten wie die vieler nationalsozialistisch gesinnter Menschen nie wieder zuzulassen!“

Um 17 Uhr Kerzen in die Fenster stellen

„Nie wieder…!“ ist auch das Motto der Aktion des Stadtjugendrings, der statt des ursprünglich geplanten Schweigemarschs zu einer virtuellen Mahn- und Gedenkveranstaltung mit einer Lichterkette von Fenster zu Fenster und von virtuellem Post zu virtuellem Post aufgerufen hatte.

Den Bezug zum Leben in Castrop-Rauxel hätten Interessierte gemeinsam mit Stadtarchivar Thomas Jasper bei einem eigentlich für Sonntag geplanten „Stadtrundgang zur Geschichte Castroper Bürger jüdischen Glaubens“ erfahren können: Fast 250 Jahre lang prägten jüdische Handwerker und Kaufleute das Leben Altcastrops entscheidend mit und hinterließen zum Beispiel eine stattliche Anzahl von Jugendstilhäusern am Castroper Marktplatz.

Die VHS der Stadt Castrop-Rauxel hat für das kommende Semester eine eigene Veranstaltungsreihe zum Thema „Jüdisches Leben in Deutschland“ im Programm. Speziell in Erinnerung an die Pogromnacht war ursprünglich für Donnerstag, 5. November, im Bürgerhaus ein Vortrag von Dr. Torsten Reters geplant. Der Titel: „Hitler – Der Mann hinter der Maske. Zur Psychologie des Führers“.

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