Verpackung sparen? Diese Tipps von Castrop-Rauxelern helfen

dzPlastikmüll

Wie können wir auf Plastik, vor allem Verpackungsmaterial, verzichten? Die Europäische Union geht da jetzt in die Initiative. Das Thema ist in aller Munde. „Experten“ auf diesem Gebiet, ganz normale Castrop-Rauxeler, geben Tipps.

Castrop-Rauxel

, 29.05.2018, 12:25 Uhr / Lesedauer: 4 min

Zu Besuch bei Familie Brüggemann/Knipp aus Castrop. Sie verzichtete im vergangenen Jahr in der Fastenzeit erstmals bewusst auf Plastikverpackung - soweit das geht. Die Idee brachte Sohn Daniel (20) von einer Predigt aus der Kirche mit, wo Jugendreferentin Meike Wirth diesen Anstoß gab. Was hat es gebracht? "Wir haben es seither nicht mehr über Bord geworfen", sagt Mutter Annette Brüggemann. In der Fastenzeit 2018, der Zeit vor Ostern, startete die Familie in eine neue Intensivphase. Sie will Plastik und Verpackung vermeiden.

Sieben Tipps für den Einkauf:

(1) Man muss schlau verhandeln, zum Beispiel beim Einkauf an der Käse- oder Fleischtheke. Die Frage: Wie bekomme ich die Verkäufer dazu, Käse, Fleisch oder Aufschnitt direkt in die mitgebrachten Dosen zu legen? Wie legen die Fachmitarbeiter die Ware auf die Waage? Legen sie eine Folie zwischen jede Scheibe? Grundsätzlich bekommt man nämlich die Antwort, wenn man darum bittet, die Frischeware in die Dose zu legen: "Das darf ich nicht." "Die eine oder andere Verkäuferin kennt mich schon", sagt Annette Brüggemann mit einem Lächeln dazu. Aber ihre Erfahrungen zu Beginn waren geteilt, darum sagt sie auch: "Man muss hartnäckig sein." Es gibt ziemlich genaue Regeln. Eine ist: keine Dosen hinter die Theke nehmen. Man könne sie auf die Theke stellen, festhalten und dann darum bitten, sie direkt zu befüllen. Die Preis-Aufkleber kann man auf die Dose statt auf die Tüte kleben. Was auch helfe: gelassen bleiben. "Ich habe erklärt, dass wir das in der Fastenzeit als Experiment machen", so Annette Brüggemann. Sie sei auf Mitarbeiterinnen getroffen, die sagten: "Gute Sache - aber der Chef will das nicht." Andere ließen sich darauf ein.

(2) Im Bioladen kaufen: Dort gelten zwar die gleichen Regeln wie im Supermarkt, aber man treffe deutlich eher auf Verständnis und auf Gleichgesinnte. Wem das zu teuer ist: Auch Supermärkte und Discounter gehen inzwischen dazu über, Obst und Gemüse unverpackt anzubieten. Äpfel, Tomaten, Paprika: Sie brauchen keine Tüte, können in den Klappkorb und lose aufs Band gelegt werden. Es tut ihnen nicht weh, und abwaschen sollte man sie zu Hause ohnehin. Bio-Bananen (oft auch mit Fair Trade Siegel) oder Gurken sind zumeist in Folie eingeschweißt - es soll Unterscheidbarkeit herstellen und die Haltbarkeit verbessern. Wer frisch kauft und verwertet, braucht das nicht.

(3) Im Hofladen kaufen: Es gibt den Dingebauer an der Oststraße für Fleisch mit dem Neuland-Siegel. Hof Heidbauer in Ickern verkauft ebenfalls Fleisch und vor allem selbst hergestellten Ziegenkäse. Hof Menken in Deininghausen hat Gemüse, eigene Eier und Kartoffeln im Hofladen-Café und seit Neuestem auf dem Parkplatz davor auch eine Hütte mit 24-Stunden-Automat. Dort kann man auch Milch (in Glasflaschen) kaufen. Dosen befüllen zu lassen, ist hier meist kein Problem. In Henrichenburg an der Hebewerkstraße gibt es benachbart zwei Bauernhöfe, die Direktvertrieb machen: Hof Klöcker und Hof Sanders.

(4) Gemüse-Abo: Die Familie bekommt einmal in der Woche eine "Green Bag" in den Biomarkt geliefert. Darin: Obst und Gemüse mit reduziertem Folienverbrauch. Man zahlt dafür stets im Voraus 7,50 Euro, kann die Inhalte online ein paar Tage vorher einsehen und holt die Ware im Laden ab. Dort bestehe auch immer mal wieder die Chance, einzelne Inhalte zu tauschen, die man nicht möchte.

(5) Milch und Joghurt bekommt man auch in Gläsern. Wenngleich hier schon Probleme auftreten: Die Auswahl ist deutlich geringer. Im Supermarkt gibt es Frischmilch nur von einer Marke in Glasflaschen - und die kostet um 1,40 Euro pro Liter. Daneben steht oft die günstige Milch in Tetra-Paks für 69 Cent. Generell sei es aber schwer, zum Beispiel Quark oder Frischkäse in alternativen Verpackungen zu finden. "Das ist die Regel", sagt Vater Hans-Jürgen Knipp: "Die in Plastik verpackte Ware ist meist die günstigste."

(6) Türkische Gemüsehändler wie der auf Schwerin bieten oft lose Ware direkt aus Großhandels-Kisten an. Auf die Tüten, die dort in Hülle und Fülle angeboten werden, kann man verzichten. Eine Alternative ist auch der offene Verkauf bei Heinzerling im Gewerbegebiet in Merklinde. Dort läuft's nach dem gleichen Prinzip, die Öffnungszeiten sind allerdings eingeschränkt. Discounter und Supermärkte ziehen heute mehr und mehr nach.

(7) Unverpackt-Läden sind Geschäfte, in denen die Ware lose angeboten wird: zum abfüllen aus großen Behältern in von den Kunden mitgebrachten Gläsern. In Münster an der Warendorfer Straße gibt es einen solchen Laden, in Essen und bald wohl auch in Bochum.

Johanna Streit arbeitet an "Zero Waste" mit

"Zero Waste" nennt sich eine Bewegung von Menschen, die ganz auf Abfall verzichten wollen und sich darüber untereinander im Internet austauschen. Eine, die diesen Weg für sich erprobt, ist Johanna Streit, 20-jährige Lehramtsstudentin aus Ickern. "Null Abfall", die wörtliche Übersetzung, geht ihr dabei aber zu weit: Das sei das weite Ziel, sie sei eher auf dem "Less Waste"-Weg - also selbst weniger Müll zu produzieren. Ihr Grund: "Als ich gehört habe, dass es in Teilen der Weltmeere heute schon mehr Mikropartikel aus Plastik gibt als Plankton, da dachte ich: Ich muss etwas tun!" Bei Neuem achtet sie darauf, dass es plastikfrei ist - Textilien wie Bettwäsche und Anziehsachen bestehen oft aus Kunstfasern. "Denn bei jeder Wäsche lösen sich Hunderttausende von Mikropartikeln aus dem Gewebe, die übers Abwasser ins Meer gelangen."

Aber wie spart man Plastik ein?

Dazu fährt sie noch auf einer anderen Spur: Sie benutzt alternative Hygieneartikel. Weniger Wegwerf-Produkte wie zum Beispiel Tampons und Binden, das Shampoo nicht aus einer Kunststoffflasche, die Zahnbürste aus Bambus. Und das Deo macht sie selbst. Diese Beispiele brachte sie in die Redaktion mit:

Johanna Streit: "Vieles ist mühselig, vieles braucht viel Zeit, bis man sich reingedacht hat." Im Internet finde sie dafür Mitstreiter. Zu Hause, sie wohnt noch bei ihren Eltern, ist sie die zielstrebigste - wenngleich auch sie umweltbewusst seien. "Meine Eltern finden es gut und unterstützen das. Zwischendruch erfahren wir immer wieder neue Sachen und suchen gemeinsam nach Alternativen, die für uns funktionieren. Bei manchen Dingen sind sie aber auch baff", sagt Johanna Streit. Hat sie dadurch den Ruf einer "Ökotante"? "Noch gar nicht", sagt sie. "Ich lasse das aber auch nicht so raushängen." Man müsse eher beiläufig auf die Leute in seinem Umfeld einwirken, nicht missionarisch. "Ich will niemandem etwas aufdrücken, sondern das Bewusstsein dafür ein bisschen schaffen."

Zurzeit, sagt sie, gebe es eine Challenge im Internet: Zero-Waster posten Zettelchen mit Sparlisten an ihre Freunde im Social Web. Das passe genau in die Fastenzeit, sagt Johanna Streit. Am Anfang sei man total überfordert - diese Einsparlisten könnten helfen.

Lesen Sie jetzt