Verpackung an der Fleischtheke: Einige Lebensmittelmärkte bieten ein neues System an

dzZero Waste

Vor einem Jahr hieß es an Wursttheken in Castrop-Rauxel noch: hier nicht mit Aufschnittdosen! Inzwischen wandelt sich das Bewusstsein. Aber noch nicht mit ganz durchschlagender Wirkung.

Castrop-Rauxel

, 11.08.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer bei Fleischerei Schmidt in der Altstadt oder an der Langen Straße mit Aufschnittdosen das Geschäft betritt und sie auf die Theke stellt, der kann Müll sparen: Dort sind die Mitarbeiterinnen oft so freundlich, die Wurst hochzureichen, sodass der Kunde selbst seine Dosen befüllt. Das geht noch nicht ganz ohne Müll, weil für die Einwaage aus hygienischen Gründen ein Stück Folie zwischen Waage und Frischware gelegt werden muss.

Aber wie ist das woanders? Alexander Brosowski wandte sich nun an unsere Redaktion: Seine Ware werde in den Geschäften stets in eine Verbundfolie verpackt - außen Papier, innen dünnes Plastik. Er fragte sich, wo er sie entsorgen müsse: Restmüll, Papiertonne, Wertstofftonne? Seine Lösung bis dato: Er knibbelt die Folien auseinander und entsorgt sie getrennt. Aber das würde ja nun bei Weitem nicht jeder tun, vermutet der Schweriner Rentner.

Edeka stellt in einigen Märkten auf Dosen um

Wir fragten bei Edeka, Einzelhändler mit vier Lebensmittelläden in der Stadt, nach, wie die Handhabe dort ist. Ergebnis: Der Trend zum verpackungsfreien Einkauf kommt dort nach und nach an.

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Julia Denkert vom Edeka-Presseteam Rhein-Ruhr sagt erst einmal Grundsätzliches. Demnach „arbeiten Händler und Mitarbeiter Hand in Hand daran, das Vorkommen von Müll und Plastik weiter zu reduzieren.“ Man biete Kunden an, sich beim Einkauf ressourcenschonend zu verhalten. „Stichworte sind Obst- und Gemüse-Netze, Taschen aus recycelten PET-Flaschen“, so Denkert. „Oder das Tablettsystem an der Bedientheke.“

Wachspapier lässt sich leicht trennen

In der Tat werde an den Theken eigentlich das von Brosowski beschriebene beschichtete Wachspapier eingesetzt. Ähnlich wie beim Taschentuch ließen sich die beiden Schichten leicht voneinander lösen.

Der Einsatz geschieht aber nur zum Teil, denn die Edeka-Märkte werden von freien Unternehmern geführt, die selbst entscheiden können. Bei einem Testeinkauf unserer Redaktion bei Edeka Richter auf Schwerin wurden fünf Scheiben Schinkenwurst beim Wiegen auf eine Folie gelegt, dann darin eingeschlagen und anschließend in eine Plastiktüte verpackt. Strenge hygienetechnische Grundsätze gebe es, EU-Verordnungen und so „gar nicht die Möglichkeit, so frei zu wählen, wie das im privaten Haushalt geschieht“, so Denkert.

Neue Tablett-Lösung kommt nach und nach

Aber seit Anfang des Jahres bietet Edeka eine neue Tablett-Lösung an. Die geht so: Kunden bringen ihren Behälter mit oder kaufen einen Mehrfach-Behälter im Markt. Die Mitarbeiterin hinter der Frischetheke reicht dem Kunden ein Edelstahltablett, auf dem dieser den Behälter abstellt. Der Kunde nimmt den Deckel ab. Die Box wird gewogen, um sie vom Gewicht der Waren abzuziehen. Die Mitarbeiterin befüllt die Box mit Fleisch, Käse oder Wurst. Danach erhält der Kunde das Behältnis auf dem Tablett zurück und verschließt es. Der Preisaufkleber wird überreicht.

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Das Tablett werde danach gereinigt, desinfiziert und komme mindestens einmal täglich in die Spülmaschine. Edeka Lasarz in Ickern und Richter auf Schwerin machen das schon, so die Sprecherin. Edeka Gronemann in Castrop und Lüdtke in Henrichenburg „möchten in naher Zukunft das Tablett-System anbieten“, sagt Julia Denkert.

Viel weniger Verpackung als bei SB-Ware

Kunden wie Alexander Brosowski könnten sich vielleicht bald auf „Zero Waste“, also null Abfall umstellen. Bis dahin müsse man sich aber auch nicht zu sehr sorgen, findet Denkert: „Die PE-Folie ist nur punktuell mit der Papierschicht verklebt. Getrennt können Folie und Papier wiederverwendet werden. Darüberhinaus stammt das Papier aus FSC zertifiziertem Anbau.“ Beim herkömmlichen Kauf an den Bedientheken werde viel weniger Verpackungsmaterial benutzt im Vergleich zum Kauf von Ware in SB-Verpackungen.

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