Der Angeklagte Ralf H. beteuert seit seiner Festnahme seine Unschuld. © Martin von Braunschweig
Schwurgericht

Urteil im Schalla-Prozess: Corona kommt erneut dazwischen

Mehr als 27 Jahre nach dem Tod von Nicole-Denise Schalla hätte es am Mittwoch (6.1.) ein Urteil am Landgericht geben können. Wegen eines Corona-Verdachts verzögert sich der Prozess nun erneut.

Update: Der für Mittwoch geplante Verhandlungstermin, bei dem auch ein Urteil in dem langen Verfahren um den gewaltsamen Tod Nicole-Denise Schallas möglich gewesen wäre, wurde am Dienstag spontan abgesagt. Ein Verfahrensbeteiligter steht unter Corona-Verdacht.

Erstmeldung

Es gilt als sicher, dass Staatsanwalt Felix Giesenregen eine Verurteilung des Angeklagten Ralf H. aus Castrop-Rauxel wegen Mordes beantragen wird. Der ursprünglich für Mittwoch (5.1.) angesetzte Prozesstermin samt Plädoyers wurde nun erneut verschoben.

Giesenregen hält H. durch eine winzige Hautschuppe für überführt. Die DNA wurde bei nachträglichen Untersuchungen von Spurenmaterial an der Leiche eindeutig dem heute 56-Jährigen zugeordnet.

Tatablauf bleibt unklar

Was den Ablauf der Tat von Oktober 1993 angeht, wird aber mit ziemlicher Sicherheit vieles unklar bleiben. Attackierte der Täter Nicole-Denise Schalla heimtückisch von hinten, nachdem diese aus dem Bus ausgestiegen war? Oder sprach er sie an, versuchte sie zu vergewaltigen und tötete sie schließlich in einem Kampfgeschehen?

„Wir wissen nicht, was passiert ist“, hat der Vorsitzende Richter Thomas Kelm schon mehrfach betont. Der Angeklagte beteuert seit seiner Festnahme im Sommer 2018 seine Unschuld.

Das Problem ist: Es braucht mehr als die eine Hautschuppe, um Ralf H. wegen Mordes verurteilen zu können. Selbst wenn die DNA-Spur auch den Richtern dafür ausreicht, sagen zu können, dass der Angeklagte der Täter ist, müssen sie zudem mindestens ein Mordmerkmal feststellen.

Totschlag währe verjährt

Dabei könnte es sich um Heimtücke handeln. Oder um die Absicht, eine vorherige Straftat, nämlich eine versuchte Vergewaltigung, zu verdecken. Doch wie kann man das feststellen, wenn man nicht weiß, was genau passiert ist?

Ohne Mordmerkmal bliebe die Tötung von Nicole-Denise Schalla unter Umständen für immer ungesühnt. Denn dann würde die Tat juristisch als Totschlag bewertet werden müssen. Und anders als ein Mord, ist ein solcher 20 Jahre nach der Tat verjährt.

In diesem Fall würde das Verfahren eingestellt. Ralf H., der seit seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft im Sommer ohnehin schon ein freier Mann ist, könnte nach Hause gehen und weiterleben wie zuvor.

Eltern waren an jedem Verhandlungstag da

Für die Eltern des getöteten Mädchens wäre dies wohl eine kaum zu ertragende Vorstellung. Jeden einzelnen Verhandlungstag haben Sigrid und Joachim Schalla als Nebenkläger verfolgt. Für sie ist klar, dass sie dabei immer wieder dem Mörder ihrer Tochter in die Augen geblickt haben.

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