Ein Rollerfahrer wurde bei einem Unfall in Dortmund-Syburg schwer verletzt. © dpa (Symbolbild)
Kollision auf der B 235

Unfall zwischen Auto und Rollerfahrer – welche Rolle spielt ein Trauma?

Im November 2020 sind auf der B235 ein Auto und ein Roller kollidiert. Weil die Beteiligten den Hergang vor Gericht sehr unterschiedlich schilderten, muss ein Gutachten die Schuldfrage klären.

Der 24-Jährige war Ende November mit dem Auto seiner Mutter unterwegs. Hatte die Winterreifen aufziehen lassen und wollte nun zur Aral-Tankstelle an der B 235 fahren, um den Luftdruck der Reifen zu kontrollieren. Doch auf dem Weg dahin kam es zu einer Kollision.

Jetzt, ein halbes Jahr später, wurde dieser Unfall zum Thema im Amtsgericht Castrop-Rauxel. Auf der Anklagebank ein 59-jähriger Frührentner, dem Unfallflucht vorgehalten wurde. Er soll mit seinem Roller das Auto des 24-Jährigen touchiert und beschädigt haben, aber weitergefahren sein. Der geschätzte Schaden: knapp 3500 Euro.

Sein Roller wies laut Polizeiprotokoll Kontaktspuren auf. Doch der Rollerfahrer hat die Begegnung ganz anders wahrgenommen, wie sein Verteidiger vor Gericht schilderte.

Anwalt spricht

Der Anwalt ging zunächst auf ein traumatisches Erlebnis ein, das sein Mandant ein gutes Jahr zuvor gehabt hatte. Ein schwerer Unfall, bei dem ihm die Vorfahrt genommen wurde und er schwere Verletzungen davongetragen hatte. Ein Thorax-Trauma mit einer Rippen-Serienfraktur und Blut in der Lunge. Die psychischen Probleme würden bis heute anhalten, so die Schilderung.

Und deshalb habe sein Mandant im vergangenen November geglaubt, wieder angefahren worden zu sein. Einen Schock hielt auch der Polizist für möglich, der, nachdem die Unfallbeteiligen rund 400 Meter weiter in einer Sackgasse zum Stehen gekommen waren, vom 24-jährigen Zeugen gerufen wurde. Der Rollerfahrer sei sehr wortkarg gewesen.

Zum Hergang schilderte der Autofahrer, dass er den Rollerfahrer schon auf der zweispurigen, recht stark befahrenen B 235 bemerkt habe, als dieser sich durch den Verkehr schlängelte. An einer Ampel auf der Beethovenstraße habe er neben den Roller gestanden. Auf der linken Fahrbahn, weil er geradeaus weiterfahren wollte, während die rechte Fahrspur ausschließlich eine Abbiegespur sei.

Gutachten erforderlich

Plötzlich sei der Roller auch nach links geschwenkt und habe sein Auto angefahren. „Ich habe das Fenster heruntergelassen und ihn aufgefordert, stehen zu bleiben“, so der 24-Jährige. Doch der Rollerfahrer habe den Mittelfinger gezeigt, ihn als „Kanake“ bezeichnet und sei einfach weitergefahren. Er sei hinterher, bis der Rollerfahrer in der Sackgasse Feldmark anhielt.

Die Schäden am Auto: Kratzer an der rechten Seite, Tür und Kotflügel „eingedötscht“, der Spiegel kaputt.

Dennoch hätte der Verteidiger dieses Strafverfahren unter Berücksichtigung des Gemütszustandes seines Mandanten gern eingestellt gesehen. Traf damit beim Richter auf offene Ohren, doch die Staatsanwaltschaft zog nicht mit. Nun muss ein Gutachten her und der Prozess neu aufgerollt werden.

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Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
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