Umweltausschuss hat Sorge: Droht Castrop-Rauxel ein Verkehrskollaps?

dzKnepper

Große Sorgen im Umweltausschuss wegen der Verkehrsprognose für das Gewerbegebiet Knepper: Droht der Verkehrskollaps für die B235? Und was wird aus der Brücke, die seit Jahrzehnten Thema ist?

Deininghausen, Dingen, Oestrich

, 26.02.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist das prognostizierte Verkehrsaufkommen, das Schrecken verbreitet: Es geht um die Pläne für das Knepper-Gelände an der Stadtgrenze, seit vielen Jahren immer mal wieder Thema im Umweltausschuss in Castrop-Rauxel. So auch am 18. Februar, als sich das Fachgremium mit fast bangen Fragen ausführlich beschäftigte, wie und ob das Alles gut gehen kann.

Deutlich über 9000 PKW (9336) und fast 4000 LKW (3862), das sind die Zahlen, die einigen Tage zuvor schon in der Bezirksvertretung Mengede für gemischte Gefühle gesorgt hatten.

„Wie verhindern wir, dass die Anwohner dort belästigt werden, läuft der Verkehr wirklich über die Autobahnen ab?“, fragte Ratsherr Josef Berkel (CDU) Richtung Stadtverwaltung und verwies darauf, dass zudem ein kleines Stück des Areals wohl noch in privater landwirtschaftlicher Nutzung sei. Für die SPD präzisierte Fraktionschef Daniel Molloisch: „Wie verhindern wir durch bauliche Maßnahmen, dass der Lkw-Verkehr über Castrop-Rauxel abfließt?“ Eine wesentliche Rolle spiele die Brücke über die B 235 (Habinghorster Straße) mit ihrer zu geringen Durchfahrtshöhe.

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Dabei handelt es sich um eine Gemengelage, die seit 20 Jahren die Stadt umtreibt. Immer wieder hat es Versuche gegeben, dass Straßen NRW hier buddelt, auch um die Bahnhofstraße von Brummis zu entlasten. Linken-Fraktionschefin Margita Gudjons verwies darauf, dass auf dem Gelände ein Bahnanschluss reaktiviert werden könnte.

Philipp Röhnert: Verkehrszahlen sind realistischer Worst Case

Planungs- und Bauordnungsamtschef Philipp Röhnert sprach davon, mit den Verkehrszahlen einen realistischen Worst Case präsentiert zu haben. Wobei der Lkw-Verkehr wie berichtet über die Autobahnanschlüsse rollen soll, der Autoverkehr hingegen über die Straßen Langenacker, den Königshalt und die Ost-/Nierhausstraße. „Den Pkw-Verkehr verursachen im Wesentlichen die Mitarbeiter“, sagte Planungs- und Bauordnungsamtschef Philipp Röhnert.

Diese Grafik zeigt die Straßen rund um das Knepper-Gelände (rot markiert) und die laut Gutachten zu erwartenden Verkehrsbewegungen, wenn das komplette Gewerbegebiet besiedelt ist. In Klammern die der Last- und Lieferwagen.

Diese Grafik zeigt die Straßen rund um das Knepper-Gelände (rot markiert) und die laut Gutachten zu erwartenden Verkehrsbewegungen, wenn das komplette Gewerbegebiet besiedelt ist. In Klammern die der Last- und Lieferwagen. © Brilon Bondzio Weiser

Man gehe davon aus, dass die Beschäftigten im Plangebiet vorwiegend aus Dortmund und Castrop-Rauxel kommen. Vorgesehen auf dem ehemaligen Kraftwerksstandort sind 57.000 Quadratmeter Gewerbefläche und 176.000 Quadratmeter als Fläche für Industrie und Logistik. Bis die Pläne realisiert sind, würden noch Jahre ins Land gehen. Röhnert: „Wir wissen noch nicht, wer die Nutzer sind.“ Der Bahnanschluss werde offen gehalten, Radverkehr und ÖPNV stünden auf der Agenda.

Thomas Krämerkämper: Man sollte das Nutzungskonzept ändern

Hilde Krusch (FWI) fragte, ob sich der neue Logistiker am Deininghauser Weg und die potenziellen Logistiker in Dingen nicht in die Quere kämen. Yasemin Dittrich (CDU) betonte: „Ob die B 235 noch mehr Verkehr aushält? Die ist doch heute schon stark befahren.“

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Thomas Krämerkämper (BUND) betonte: „Man muss nur auf die Lärmkarten gucken, um sich die Folgen der zusätzlichen Verkehre vorstellen zu können.“ Die B 235 werde leiden, diene heute schon als Ausweichstrecke für die A 45. Früher oder später werde der Verkehr kollabieren. Wenn man das Problem lösen wolle, müsse man das Nutzungskonzept ändern, also weg von der Logistik, sagte er.

Daniel Molloisch: Altstandorte einer neuen Nutzung zuführen

Daniel Molloisch (SPD) verwies darauf, dass es bislang Konsens in der Politik gewesen sei, Altstandorte von Industrie einer neuen Nutzung zuzuführen, statt auf die grüne Wiese zu gehen. Stadtbaurätin Bettina Lenort sagte, auf Castrop-Rauxeler Gebiet sei kein Logistiker geplant. Ein Großteil der Fläche aber gehört zu Dortmund.

Lenort sagt auch: „Wo wäre Logistik sonst sinnvoller als in der Nähe eines Autobahnkreuzes?“ Die Stadt werde beim Land darauf drängen, dass auch bei Radwegen deutlich mehr für die Castrop-Rauxeler getan werde.

Am Ende stand der einstimmige Beschluss des Umweltausschusses, dass auf Grundlage des städtebaulichen und verkehrlichen Konzepts weiter geplant wird.

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