Erst U-Haft, nun 900 Euro Strafe für eine Unfallflucht, die die Frau wohl nie begangen hat

dzKrawall bei Festnahme

Der Festnahme widersetzte sich die 40-Jährige heftig. Sie beleidigte eine Polizistin. Grund für die Polizeiaktion war eine Unfallflucht - dabei hatte die Frau wohl nicht am Steuer gesessen.

Castrop-Rauxel

, 12.07.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Anfang stand die Unfallflucht. Deshalb waren die Polizeibeamten Anfang Dezember 2018 zur Anschrift der Halterin gefahren. In die Wohnung im oberen Stockwerk wurden sie, so die übereinstimmende Aussage, zunächst eingelassen. Dann passte das der 40-Jährigen, die auch noch zwei Männer zu Besuch hatte, doch nicht.

Fünf Polizeibeamte nahmen die Frau mit

„Ich war erschrocken, habe geschlafen“, sagte die Frau im Gericht aus. Dort wurde sie jetzt aus einer einwöchigen Untersuchungshaft vorgeführt. Sie wurde per Strafbefehl gesucht, weil sie zu einem früheren Termin nicht erschienen war.

Ihren Widerstand damals erklärte sie mit einer abwehrenden Geste, weil sie dann doch nicht gewollt habe, dass die Polizisten - fünf an der Zahl - in die Wohnung kamen. Nach übereinstimmenden Schilderungen der Beamten war das aber ein gezielter Angriff auf eine der Polizistinnen.

Die hatte große Mühe, die 40-Jährige zu überwältigen, um die Handfesseln anzulegen. Noch auf dem Boden liegend, habe sich die Frau stark gewehrt, und als sie zum Streifenwagen gebracht werden sollte, war der Gang durch das Treppenhaus eine Tortur für alle Beteiligten.

War es Schwäche oder wehrte sie sich ganz bewusst?

Immer wieder ließ sich die Frau fallen, brachte damit die Beamten ins Stolpern. „Das war Schwäche, ich habe bei der Festnahme keine Luft mehr bekommen“, wollte die Angeklagte die Situation für sich drehen. Sie gab zu, unter dem Einfluss von Amphetaminen gestanden zu haben. „Und vielleicht etwas Cannabis“, fügte sie hinzu.

Im Streifenwagen ging es weiter. „Sie war sehr wehrig und hat Beleidigungen von sich gegeben“, erinnerte sich der Fahrer des Polizeiautos. Die Angeklagte bedachte die junge Polizistin, die neben ihr auf der Rückbank saß, mit derben Schimpfworten.

In der Arrestzelle, in der sie die Nacht verbringen musste, war sie renitent. Auch dafür waren wohl die Drogen verantwortlich, die durch eine Blutuntersuchung bestätigt wurden.

„Untersuchungshaft war eine harte Erfahrung“

Widerstand mit tätlichem Angriff und Beleidung - das stand für die Staatsanwältin wie für den Richter nach der Anhörung der Zeugen fest. Das Urteil lautete: 90 Tagessätze zu je 10 Euro Geldstrafe. „Ich denke, die eine Woche in Untersuchungshaft war eine harte Erfahrung“, meinte der Richter. Die hätte sie sich ersparen können, wenn sie den ursprünglichen Gerichtstermin nicht hätte platzen lassen.

Vermutlich hätte sich die Frau noch viel mehr ersparen können. Denn wie sie angab, hatte sie bei der Unfallflucht gar nicht selbst am Steuer gesessen. Es war stattdessen ein Mann ohne Führerschein. Doch weil sie den damals so gern hatte, wollte sie ihn schützen und hat gelogen. Aber das gehört in eine andere Verhandlung.

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