Trotz zweiter Corona-Welle bleibt in den Kitas fast alles wie bisher

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Überall werden Maßnahmen verschärft, um die Ausbreitung des Coronavirus zu unterbinden. In Castrop-Rauxeler Kitas nicht. Auf eine Anfrage unserer Redaktion gab es klare Antworten.

Castrop-Rauxel

, 14.10.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Mund- und Nasenschutz ist zu einem (lästigen) Alltagsbegleiter für die Menschen geworden. Und das seit dem Anstieg der Infektionszahlen mit Sars-CoV-2 und den neuen Verordnungen umso mehr. Aber es gibt Einrichtungen, an denen geht die Verschärfung der Maßnahmen vorbei: Die Kindertagesstätten machen so weiter wie in den vergangenen Monaten.

Die Bürgermeister im Kreis Recklinghausen hatten in einer Krisensitzung Ende vergangener Woche noch verschiedene Dinge gefordert: unter anderem eine Mund-Nasenschutz-Pflicht in Kitas. Doch am Ende entschied man anders: Es gibt keine Pflicht. Und auch das Mischen von Kindern aus unterschiedlichen Gruppen, die Nutzung des gesamten Spielplatzes für alle, der direkte Kontakt zu Eltern – weiterhin möglich.

Auf eine Anfrage am Montag an fünf verschiedene Träger mit mehreren Kitas in Castrop-Rauxel antworteten bis Dienstagabend drei: die Stadtverwaltung, die Caritas und die Awo. Nur die beiden kirchlichen Träger ließen zu dem Zeitpunkt noch auf eine Antwort warten.

Zunächst hatte der Kreis Recklinghausen eine verbindliche Vorlage gemacht: Die seit Montag gültige Allgemeinverfügung auf Basis der hohen Inzidenz (>50 Neuinfektionen in 7 Tagen pro 100.000 Einwohner) sah entgegen ersten Überlegungen keine Maskenpflicht für Erzieherinnen vor. Laut Sprecherin Svenja Küchmeister habe das pädagogische Hintergründe: Für Kleinkinder sei wichtig, die Mimik der Erzieherinnen zu erkennen. Zudem sei einer klaren Aussprache der Vorzug gegeben worden vor dem möglichen Infektionsschutz, den eine Maske gewährleisten kann.

Die Bundesregierung verfolgt zwar die sogenannte Containment-Strategie, nach der angestrebt wird, die Zahl der Neuinfektionen so gering zu halten, dass eine Kontakt-Nachverfolgung der Gesundheitsämter weiter möglich bleibt. Die Beibehaltung des Angebots in Kitas und Schulen sind in der Priorität der Kanzlerin aber ganz oben angesiedelt.

Die neue Caritas-Kindertagesstätte am Meisenweg arbeitet im Regelbetrieb. Mund-Nase-Schutz wird in den Gruppen generell nicht getragen.

Die neue Caritas-Kindertagesstätte am Meisenweg arbeitet im Regelbetrieb. Mund-Nase-Schutz wird in den Gruppen generell nicht getragen. © Helmut Orwat

Maske tragen fürs Personal: Das Tragen sei während der Betreuung der Kinder in den Räumen keine Vorschrift, werde bei den städtischen Kitas (Swabedoo, Mikado, Villa Kunterbunt u.a.) aber auf freiwilliger Basis von einigen Erzieherinnen umgesetzt. Auf den Fluren, bei der Übergabe der Kinder und bei jedem Zusammentreffen zwischen Erwachsenen seien Masken aber Standard. Das gilt auch bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Die hat es ihren Mitarbeitern freigestellt, Masken zu tragen. „In Einzelfällen weichen die Kolleginnen auf Visiere aus“, sagt Fachbereichsleiterin Barbara Richterich.

Aufhebung offener Angebote: Die städtischen Kitas arbeiten grundsätzlich mit festen Gruppen und wenig gruppenübergreifenden Angeboten, so Stadtsprecherin Julia Schulze: „Nun wird verstärkt darauf geachtet, dass so wenige Gruppenvermischungen wie möglich stattfinden.“ Bei der Awo (Einrichtungen u.a. in Habinghorst und Henrichenburg) bewegen sich die Kinder in den Räumlichkeiten der Kita ebenso frei wie auf dem Spielplatz. Die Allgemeinverfügung vom 12. Oktober beinhalte keinerlei andere Regelungen für Kitas als bisher, so Barbara Richterich. „Da wir uns im Regelbetrieb befinden, gibt es keine Einhaltung der Gruppensettings mehr“, schreibt sie. Die Caritas (Oskarstraße und Meisenweg) setzt wie die Stadt eher auf geschlossene Gruppenverbände. Nur die Randzeiten bei 45 Stunden werden gruppenübergreifend abgedeckt, so Verbundleiterin Miriam Leidag-Tietze. Bis auf eine Ausnahme haben alle Gruppen einen eigenen Waschraum, sodass man im Alltag getrennt bleiben kann – außer auf dem Außengelände.

Betretungsverbot für Eltern oder andere Außenstehende: Eltern geben ihre Kinder an der Türschwelle der städtischen Einrichtungen ab. Dabei tragen Erzieherinnen und Eltern Masken. Die Stadt schreibt, dass in Ausnahmefällen (Elternnachmittage o.a.) Erziehungsberechtigte die Kitas mit Atemschutz in kleinen Gruppen oder einzeln mit Terminen und Anwesenheitslisten betreten dürfen. In der Caritas-Kita am Meisenweg, die im Sommer eröffnet wurde, dürfen Eltern noch in die Kita, wenn sie die Regeln (Abstand / Maske) einhalten. Verbundleiterin Miriam Leidag-Tietze macht Ausnahmen für Eltern, die ihre Kinder eingewöhnen. Bei der Awo gilt generell kein Betretungsverbot für Sorgeberechtigte. Man setze auf „Abstand – Mund-Nase-Schutz – Hygiene“, so Barbara Richterich.

Zusätzliche Reinigungs-/Hygiene-Anforderungen: Bei allen Trägern gibt es klare Hygienepläne, wobei alle auf das Programm „Alltagshelferinnen“ setzen: Vom 1. August bis vorläufig 31. Dezember stellt das Land NRW Geld bereit für Personal, das für die Desinfektion und Reinigung zuständig ist. Einige Träger haben die Stunden der Reinigungskräfte aufgestockt, andere wollen zusätzliche Personal dafür einstellen. Das Lüften der Räume hat bei allen eine hohe Priorität.

Aufruf an Eltern, ihre Kinder nach Möglichkeit zu Hause zu belassen: Nein, einen solchen Aufruf gibt es bei keiner Einrichtung der drei Träger. Vereinzelt weist man darauf hin, dass es bei einer Zunahme krankheitsbedingter Ausfälle in der Belegschaft dazu kommen könne. Claudia Wimber, Bereichsleiterin Kinderförderung bei der Stadt, sagt: „Wir befinden uns in einem kleinen Mikrokosmos, in dem die Maßnahmen die Lage entzerren: Aktuell sind nur gesunde Kinder und Mitarbeitende in den Kitas. Wir messen teils mehrmals täglich Fieber bei den Kindern und halten die individuellen Werte in einer Kurve fest. Sobald Krankheitssymptome auftreten, muss er oder sie nach Hause. Das machen die Eltern sehr gut mit.“ Auch nach den Herbstferien wolle man unter Beachtung aller Vorgaben „eine verlässliche und liebevolle Betreuung anbieten“, so Wimber. „Mein Dank gilt Eltern und Mitarbeitenden für ihr Verständnis und Engagement – gemeinsam schaffen wir das!“

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