Christa Eickenscheidt fehlen im Restaurant Wetterkamp in Henrichenburg die großen Gesellschaften. © Robert Rieger
Coronavirus

Trotz Corona darf gefeiert werden: Gastronomen hoffen und bangen

Aufatmen bei vielen Gastronomen, Caterern, Veranstaltern in Castrop-Rauxel: Die befürchtete Begrenzung auf nur wenige Gäste bei privaten Feiern blieb aus. Es gibt aber andere Sorgen.

Private Feiern mit 25 Gästen zu Hause oder 50 Gästen außerhalb des Privatbereichs: So hatte es Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeschlagen. Ein Horrorszenario für manche Gastronomen und Veranstalter. Die Erleichterung war anschließend groß, so berichtet es auch Helmut Christian Stolzenhoff. „Wir haben gefiebert und gehofft.“ Dann stand fest: Es bleibt bei der Regelung, dass 150 Personen zusammen feiern dürfen.

In der Stolzenhoff Catering Company hat er die Pressekonferenz der Bundesregierung am Fernsehen mitverfolgt. „Das war wirtschaftlich extrem wichtig für uns“, sagt Stolzenhoff. Noch einmal runterfahren, noch einmal Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, das will er sich gar nicht vorstellen.

Einen Plan B hatte sein Unternehmen nicht. Und braucht ihn jetzt auch nicht. „Es sind nicht die Feiern, die für steigende Coronazahlen sorgen“, sagt er und sieht sich in den Aussagen von Ministerpräsident Armin Laschet bestätigt, der eher die Reiserückkehrer im Blick habe.

Viele Hochzeitsfeiern, unter anderem in der Stadthalle und Europahalle in Castrop-Rauxel, sind in den kommenden Wochen geplant, die Stolzenhoff ausrichtet. Nach den Lockerungen im Juli gab es wieder viele Anfragen.

Jetzt werden Konfirmationen und Kommunionen gefeiert

Dazu kommt, dass ab diesem Wochenende die kommenden sechs Wochen Konfirmationen und Kommunionen gefeiert werden, die im Frühjahr verschoben werden mussten. Diese Feiern sind für Stolzenhoff umso wichtiger, als der Teil des Geschäfts, der sich auf Firmenfeiern, Tagungen und anderen Großveranstaltungen gründet, noch immer brach liegt.

Feiern mit bis zu 150 Gästen bleiben jetzt erst einmal möglich. Das erleichtert Gastronomen und Caterer.
Feiern mit bis zu 150 Gästen bleiben jetzt erst einmal möglich. Das erleichtert Gastronomen und Caterer. © Stolzenhoff © Stolzenhoff

Stolzenhoff hat nicht nur das eigene Unternehmen im Blick, sondern auch viele Firmen, die mit dem Geschäft rund um Familienfeiern zusammenhängen: Zulieferer aus der Lebensmittelbranche, Landwirte, Wäschereien, Autovermieter, Zeltbauer. „Da hängen so viele Jobs dran“, sagt er.

Auch Hotels gehören dazu. Markus Selle vermisst die Gäste, die zu Familienfeiern oder Klassentreffen in seinem Hotel Selle absteigen. „Man merkt, dass viele in kleinerem Kreis feiern“, sagt er. Mit Sorge sieht er aber auch die Absage von Großveranstaltungen und Messen. Auch BVB-Spiele bringen ihm Übernachtungsgäste. Normalerweise.

Viele Menschen feiern jetzt lieber im kleinen Kreis

Christa Eickenscheidt, Chefin im Restaurant Wetterkamp in Henrichenburg, erzählt, dass bei ihr theoretisch bis 120 Gäste im Saal oder 170 Menschen im gesamten Restaurant feiern können. Doch viele Menschen würden von sich aus ihre Feiern mit weniger Gästen planen. „Nächste Woche kommt eine Gruppe. Erst sollten es etwas 50 Gäste sein, dann 30, jetzt werden es 15“, erzählt sie.

Die Verunsicherung sei groß bei den Menschen. Auch sie erwartet in den kommenden Wochen Konfirmations- und Kommunionsfeiern. Die würden jetzt aber oft in kleinem Rahmen gefeiert und hätten auch stattfinden können, wenn es jetzt eine bundeseinheitliche Reduzierung auf 25 oder 50 Feiernde gegeben hätte. „Die Menschen haben Angst und sind extrem vorsichtig“, sagt Christa Eickenscheidt. „Das wirkt sich auch auf das A-la-carte-Geschäft aus.“ Deshalb ist sie froh, dass sie auch nach dem Ende des Lockdowns den Abholservice beibehalten hat.

Christa Eickenscheidt stellt fest, dass viele Menschen in der Coronakrise extrem verunsichert sind und deshalb Restaurants und große Feiern meiden.
Christa Eickenscheidt stellt fest, dass viele Menschen in der Coronakrise extrem verunsichert sind und deshalb Restaurants und große Feiern meiden. © Robert Rieger © Robert Rieger

Von der Vorsicht der Menschen berichtet auch Marlen Kempf, Geschäftsführerin im Parkbad Süd. Viele würden die Familienfeier lieber zu Hause haben und sich dann das Essen liefern lassen. „Die Zeit der fetten Partys ist vorbei.“

Und wer ins Parkbad Süd kommt, möchte am liebsten draußen feiern. „Da zieht man sich lieber wärmer an“, sagt Marlen Kempf. Sogar für Oktober sei schon eine Feier geplant, die die Gastgeber, wenn es eben geht, draußen stattfinden lassen möchten.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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