Die Angeklagten im „Falsche-Polizisten-Prozess“ beim Auftakt Ende Januar 2021. Vorne rechts: Verteidiger Heinz Walter Lindemann. © Werner von Braunschweig
Landgericht Bochum

Trickbetrug durch „falsche Polizisten“: Vater und Sohn gestehen

Ein Vater und sein Sohn geben zu, zuvor von falschen Polizisten in Castrop-Rauxel und Dortmund erbeutetes Gold weitergeleitet zu haben. Verwertungs-Zentrale soll ein Juwelier gewesen sein.

Im Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder einer Betrügerbande von „falschen Polizisten“, die auch in Castrop-Rauxel und Dortmund Senioren um ihre Ersparnisse gebracht haben sollen, haben zwei von drei Angeklagten Geständnisse abgelegt. Sowohl der hauptangeklagte Vater (58) als auch sein Sohn (32) gaben am Bochumer Landgericht ihre Verstrickung in kriminelle Machenschaften zu – beide Männer wollen aber Einzelheiten der Trickbetrugsmasche nicht gekannt haben.

Nur auf Anweisung gehandelt?

„Ich habe auf Anweisung gehandelt und wirklich nicht von diesen Hintergründen gewusst“, hieß es in einer von Verteidiger Heinz Walter Lindemann im Namen des 32-jährigen Angeklagten verlesenen Geständniserklärung. „Und ich glaube auch bis heute fest, dass mein Vater davon auch nichts wusste.“

Der Angeklagte gab am Donnerstag (4.2.) zu, einmal auf einem dunklen Parkplatz in Herne 30.000 Euro Bargeld von einer ihm unbekannten Person aus einem Pkw entgegengenommen und an seinen Vater übergeben zu haben. Dass er später erfahren habe, dass das Geld aus Betrugstaten zulasten von hochbetagten Rentnern stammte, sei für ihn „das Allerschlimmste“ gewesen.

„Bargeld, Goldstücke oder Ringe mit Diamanten“

Auch der 58-jährige Angeklagte räumte teils unter Tränen ein, sich immer wieder auf einem Supermarktparkplatz mit sogenannten „Abholern“ der Polizisten-Bande getroffen, Beutestücke entgegengenommen und dann weiter zu seinem Neffen einem Juwelier in Castrop-Rauxel gebracht zu haben. „Manchmal war es Bargeld, manchmal waren es Goldstücke oder Ringe mit Diamanten“, so der Hauptangeklagte.

Nach der „Verwertung“ der Beutestücke durch den Juwelier sei das Geld dann offenbar in die Türkei zu den Strippenziehern der Betrügerbande transferiert worden.

Falsche Polizisten hatten im März 2020 binnen einer Woche erst bei einer Rentnerin (78) im Dortmunder Stadtteil Loh und dann bei einem Senior (83) auf Schwerin Wertgegenstände im Wert von jeweils 200.000 Euro erbeutet. Darunter Goldhalsketten, Golddukaten und Münzsammlungen.

Gesamtschaden fast drei Millionen Euro

Laut Anklage geht es um einen Gesamt-Betrugsschaden in Höhe von 2,94 Millionen Euro. Die sollen aus der Türkei gesteuerte Bandenmitglieder als falsche Polizisten deutschlandweit bei Senioren unter dem Deckmantel, ihre Ersparnisse schützen zu wollen, erbeutet haben.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der angeklagte Vater ebenso wie sein Sohn als „Logistiker“ eine Schlüsselrolle in der Polizisten-Bande hatten. Nach den jetzt erfolgten Geständnissen der Angeklagten sollen den hochbetagten Opfern die Zeugenaussagen im Prozess erspart bleiben.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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