Trauerhallen wieder geöffnet: Große Beerdigungen schon länger passé

dzCorona-Krise

Vor vier Wochen sorgte eine Groß-Beerdigung in Merklinde für Aufsehen. Da waren die Regelungen für Bestattungen in der Corona-Krise gerade gelockert. Beisetzungen laufen zurzeit ganz anders.

Castrop-Rauxel

, 22.05.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist gerade vier Wochen her: Da sorgte eine die Beerdigung einer wichtigen Person aus einer Familie der Sinti-Volksgruppe für Aufregung. 400 bis 500 Menschen versammelten sich auf dem kleinen Merklinder Friedhof – unter teilweiser Missachtung der Abstandsregeln.

Der Alltag auf den Friedhöfen sieht aber anders aus. Mitarbeiter aus zwei Castrop-Rauxeler Bestattungsunternehmen berichten von kleinen Beisetzungen sowie von Vernunft und Akzeptanz hinsichtlich der fortwährenden Einschränkungen in der Corona-Krise.

Bestatter musste eine Beisetzung neu planen

„Es gibt kaum noch Beisetzungen mit 80 bis 100 Leuten“, sagt Bärbel Niggemeier. Das liege weniger an den Einschränkungen aufgrund der Infektionsgefahr durch das Coronavirus. Vielmehr habe sich die Bestattungskultur geändert. Die Größe einer Beisetzung sei auch vom Alter des Verstorbenen abhängig.

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Bärbel Niggemeier arbeitet im Büro von Bestattungen Gösmann in Ickern. Lediglich eine Beisetzung zu Beginn des Corona-Lockdowns habe neu geplant werden müssen. Die Familie habe mit 50 bis 60 Trauergästen gerechnet. Mit dem Lockdown war eine Beerdigung nur noch im engsten Familienkreis erlaubt.

Trauernde haben Verständnis für Einschränkungen

Mittlerweile sind wieder größere Beerdigungen möglich. Auch die Trauerhallen sind offen. Hier schränke allerdings das Abstandsgebot von 1,50 Metern die Größe der Trauergesellschaft ein.

Die Trauerhallen, wie hier auf dem städtischen Friedhof Ickern, sind wieder geöffnet. Drinnen wie draußen gilt bei Trauerfeiern aber das Abstandsgebot von 1,50 Metern.

Die Trauerhallen, wie hier auf dem städtischen Friedhof Ickern, sind wieder geöffnet. Drinnen wie draußen gilt bei Trauerfeiern aber das Abstandsgebot von 1,50 Metern. © Abi Schlehenkamp

Ihr Kollege Frank Sasse begleitet die Beisetzungen auf den Friedhöfen. „Die Leute haben alle Verständnis für die Situation“, berichtet er. Auch wenn das vor vier Wochen im Zusammenhang mit der Riesen-Beerdigung vorübergehend anders war: Da gab es zeitgleich stattfindende Trauerfeiern unter engen Beschränkungen, zum Ärger der dort trauernden Familien. Jetzt, sagt Sasse, „finden sie nur schade, dass die Verabschiedungen nicht in der Kirche stattfinden können“.

Keine Requien in den katholischen Kirchen

Das bestätigt Mark Armellini. Requien seien in den katholischen Kirchen nicht möglich, erklärt der Bestatter im „Haus der Trauer Melzner“. Viele Familien hätten die Absicht, das später nachzuholen.

Armellini berichtet von umsichtigen Angehörigen, die jedwede Gefährdung für sich und die Trauergemeinde vermeiden wollen. Trotz geöffneter Trauerhallen, entschlössen sich viele Familien zum Abschied im Freien. „Da können die Abstände besser eingehalten werden.“

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Armellini erkläre jeder Trauergemeinde zu Beginn die in der Schutzverordnung vorgegebenen Regeln. Dazu gehöre, sich in eine Liste einzutragen. Mit Blick auf die Abstandsregeln gebe es nur direkt am Grab einen kritischen Augenblick. „Es ist schwierig, in diesem Moment der Trauer einen klaren Kopf zu behalten.“ Aber: „Das löst sich schnell auf.“

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