Testet uns alle endlich auf Corona!

dzKlare Kante

Viel zu wenige Menschen sind bislang auf Corona getestet worden, obwohl diese Tests für viele Bürger so wichtig wären. Unser Autor fordert, die Zahl der Coronatests massiv auszuweiten

Castrop-Rauxel

, 23.05.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon im März war es ein erklärtes Ziel deutscher Gesundheitspolitiker, viel mehr Menschen auf Corona zu testen als zuvor. „Innenministerium dringt auf massive Ausweitung von Corona-Tests“, lauteten Zeitungs-Überschriften schon im März.

Acht Wochen später ist aus dem Drängen nicht mehr geworden als die Ankündigung, „präventive Reihen-Tests in Pflegeheimen und Krankenhäusern“ zu ermöglichen. Eine entsprechende Verordnung solle bis Ende Mai vorliegen, hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn just am Freitag (22. Mai) verlauten lassen.

Zügiges Handeln sieht anders aus.

Kreis Recklinghausen war auf einem guten Weg

Nicht nur aus der Bundespolitik kamen im Hinblick auf Coronatests in den vergangenen Wochen verärgernde Signale. Es gab einen Moment, da schien man im Kreis Recklinghausen sehr weit auf dem Weg zu Massen-Tests zu sein. An bis zu fünf Stellen im Kreis wurden Schnelltestzentren aufgebaut, unter anderem auf dem Gelände des Castrop-Rauxeler Berufskollegs.

Doch die Bilanz der Zentren fiel ernüchternd aus, was nicht an der Arbeit der Hilfsorganisationen vor Ort lag. Anstatt so viele Menschen wie möglich zu testen, gerieten die Testzentren nie auch nur an den Rand ihrer Kapazitätsgrenze.

Das hatte zwei Gründe – einen guten und einen schlechten: Der gute Grund lautet: Es gab schlicht zu keinem Zeitpunkt genug Menschen, die Corona-Symptome gezeigt hätten und die deshalb von ihrem Arzt zum Test geschickt wurden.

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Der schlechte Grund war: Menschen ohne Symptome, die einfach nur vorsorglich hätten getestet werden können, durften am Testzentrum keinen Abstrich vornehmen lassen. So wurden zwar Kleinkinder getestet, die Corona-Symptome hatten, aber der (symptomfreie) Vater nicht, obwohl er ohnehin vor Ort war.

Vorsorgliche Tests wären so wichtig gewesen

Dabei wäre es so wichtig (gewesen), insbesondere jene Menschen vorsorglich zu testen, die mit vielen anderen Menschen in Berührung kommen: Krankenhaus- und Pflegeheim-Mitarbeiter, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer – und warum nicht auch die Schülerinnen und Schüler, kurz bevor sie zum ersten Mal wieder zum Unterricht geschickt wurden?

Für die wenigen Euro, die ein Test inklusive Labor-Auswertung kostet, hätten diese Menschen viel Sicherheit gewonnen (selbst wenn ein negatives Ergebnis sich am nächsten Tag wieder hätte ändern können). Und wird nicht ständig über eine möglicherweise immens hohe Dunkelziffer gemunkelt, über Millionen Menschen, die eine Corona-Erkrankung möglicherweise ohne Probleme hätten überstehen können: Hier hätte sich massenhaft Klarheit gewinnen lassen.

Stattdessen sparte man trotz aller Milliarden, die der Staat gerade zur Bewältigung der Krise ausgibt, ausgerechnet im Gesundheitswesen. Das Castrop-Rauxeler Testzentrum wurde schon im April wieder abgebaut, seit Mitte der Woche sind auch alle anderen Schnelltestzentren des Kreises geschlossen, weil die Krankenkassen die Tests nicht mehr bezahlt hätten – aufgrund einer Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV)

Nun sind die Testzentren weg

Nun hat die KV zwar ein Einsehen gehabt und diese Entscheidung zurückgenommen. Aber die Testzentren sind inzwischen alle weg – und ob sie wieder aufgebaut werden, ist aktuell unklar. Aus Sicht von uns Bürgerinnen und Bürgern kann man nur sagen: Es ist egal, ob im Schnelltest-Zentrum oder sonst wo: Testet so viele von uns wie möglich so schnell es geht auf Corona!

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Schaut man auf die jüngste Erklärung der Krankenkassen, erhält die Hoffnung leider sofort wieder einen Dämpfer: Ein Sprecher ihres Spitzenverbandes erklärte am Freitagnachmittag laut Deutschlandfunk, die Ausweitung der Tests „erscheine auf jeden Fall sinnvoll“. Nur zahlen solle das bitte der Staat. Wir sollten alle hoffen, dass auch dieses Hindernis noch aus der Welt geschafft wird.

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