Tagesmutter quetschte die Händchen eines ihr anvertrauten Babys

dzStrafverfahren

Morgens lieferte sie ihr Baby bei der Tagesmutter ab. Mittags wiesen beide Händchen Verletzungen auf. Wie das passieren konnte, wollte jetzt eine 41-jährige Mama aus Castrop-Rauxel wissen.

Castrop-Rauxel

, 03.02.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das ist der Alptraum jeder jungen Mutter: Das Baby, bei der Übergabe an die Tagesmutter noch unversehrt, hat bei der Abholung Verletzungen an beiden Händchen. Ursache ungeklärt. Erklärung dürftig.

So hat es eine 41-Jährige erlebt, als sie ihre Tochter, gerade mal acht Monate alt, gegen Mittag von der Tagesmutter abholte. Das Baby war erst den vierten Tag da, und weil sie wieder den ganzen Vormittag geschrieen haben soll, hatte die 37-jährige Tagesmutter per Whatsapp gebeten, früher zu kommen.

Baby schrie an diesem Tag viel

Angeklagt wegen körperlicher Misshandlung, schilderte die Tagesmutter, die neben dem Baby noch drei zweieinhalbjährige Kinder betreute, den Ablauf des fraglichen Vormittags jetzt vor dem Amtsgericht.

Sie habe das Baby die meiste Zeit auf dem Arm getragen, hieß es. Zwischendurch habe sie es in der Wippe abgelegt, dann wieder an den Händchen hochgehoben und auf die Brust gelegt. Nur zum Kochen sei sie gegen 11 Uhr in der angegliederten Küche gewesen.

Da habe die Kleine auf einer Decke gelegen, die anderen drei hätten gespielt. Um das Baby herum. Sie hätten auch getobt. „Vielleicht ist eines aus Versehen auf ein Händchen getreten“, mutmaßte sie. Aber das sagte sie erst nach mehrfacher Nachfrage, als ihr das Protokoll, das sie bei der Polizei unterschrieben hatte, vorgehalten wurde.

Händchen in den Mund gesteckt

Auch mit Verzögerung erinnerte sie sich, dass das Baby häufig die zur Faust geballten Händchen in den Mund gesteckt hätte. Eine Angewohnheit, die die Mutter später bestätigte und sie mit Schmerzen beim Zahnen erklärte.

„Ich habe meine Tochter noch bei der Tagesmutter gefüttert“, sagte die Mutter und Klägerin aus. Dabei habe die Tagesmutter sie auf eine kleine Wunde außen am Handrücken der Tochter aufmerksam gemacht. Da sei wohl ein anderes Kind versehentlich gestolpert.

Diese Wunde gab es: Sie ist belegt auf den Seiten 43 und 44 der Anklageschrift. Doch es gab noch mehr Fotos, 39 Seiten insgesamt. Und die meisten Bilder zeigten die Handinnenflächen.

Ein Anblick, der die Kinderärzte, die die Mutter am Nachmittag aufsuchte, verunsicherte. So ging die Frau abends noch ins Krankenhaus. Hier gab es ebenfalls zunächst Ratlosigkeit, aber auch gründliche eine Kontrolle per Ultraschall, ob der Kopf und der Bauch gegebenenfalls Auffälligkeiten zeigten.

Sachverständiger mit erschreckender Aussage

Mit der Vielzahl der Fotos befasste sich anschließend ein Sachverständiger, ein Oberarzt des Instituts für Rechtsmedizin in Münster, eingehend. Er kam zu einem erschreckenden Ergebnis: „Ein ungewöhnliches Verletzungsbild, das ich in dem Ausmaß noch nie so gesehen habe“, sagte der Fachmann.

Es handele sich um Blutungen in der unteren Hautschicht, der Lederhaut. Stellen, die eigentlich gut geschützt sind, in den Beugefalten der Fingerchen sowie an der Handwurzel.

„Das kann nur durch eine allseitige Kompression hervorgerufen worden sein“, so sein Fazit. Im konkreten Fall gequetscht durch die Hand eines Erwachsenen, der die Babyhand fest umschließt und zudrückt. Bei heftigem Druck hätten Sekunden ausgereicht, bei weniger starkem Druck würde es entsprechend länger dauern.

„Ich habe keine andere plausible Erklärung“, sagte er. Das Baby habe keine Vorerkrankung gehabt, keine Blutgerinnungsstörungen und keine Neurodermitis.

Richter zweifelt Vorsatz nicht an: Geldstrafe

Wie geschildert, waren neben der Tagesmutter nur Kinder im Haus. „Logische Schlussfolgerung“, so der Staatsanwalt, „muss es die Tagesmutter gewesen sein.“

Während deren Verteidiger noch einen Unglücksfall bemühte und allenfalls eine fahrlässige Körperverletzung sah, hegte der Richter keinen Zweifel am Vorsatz.

Das Urteil: Eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 20 Euro. Die Begründung: Das Gutachten des Sachverständigen sei über alle Zweifel erhaben.

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