Es ist ein schwieriger Spagat: Während ihr Sohn im Hintergrund lernt, beschäftigt sich Tagesmutter Tanja Langwald mit ihren Kindern in der Tagespflege. © Privat
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Tagesmutter im Lockdown: Ein Spagat zwischen eigenen und betreuten Kindern

Homeschooling und Homeoffice – und das parallel: Für viele Eltern ist das eine große Doppelbelastung. Gerade Tagesmütter trifft es hart. Eine Castrop-Rauxelerin erzählt von ihrem Alltag.

Den Digitalunterricht der Kinder und das eigene Homeoffice unter einen Hut zu bekommen, ist für viele Eltern schwierig. Vielleicht ganz besonders dann, wenn man zu Hause nicht am PC arbeitet, sondern mit Kindern.

Tanja Langwald ist Tagesmutter und betreut normalerweise fünf Kinder im Alter von einem bis drei Jahren in ihrem Haus. Momentan sind es drei Einjährige, um die sich die 40-Jährige kümmert. Fünf Kinder hat sie trotzdem im Haus. Aber fünf Kinder mit sehr unterschiedlichen Ansprüchen. Und die anderen beiden Tageskinder, die in ihren eigenen Familien bleiben: Sie könnten auch jederzeit dazu kommen.

„Ständig auf Standby-Modus“

Ihre eigenen 10- und 14-jährigen Söhne sind – wie alle Schüler in NRW – zur Zeit im Homeschooling – schon eine große Herausforderung. „Ich bin ständig auf Standby-Modus“, erklärt die Tagesmutter. Immer müsse sie zwischen ihren beruflichen Aufgaben als Tagesmutter und denen als echte Mutter hin und her springen.

Auf der einen Seite möchte sie für ihre Söhne eine gute Lernatmosphäre schaffen – was mit zwei Kleinkindern im Haus nicht immer einfach ist. Auf der anderen Seite möchte sie sich auch gut um ihre Tages-Kinder kümmern, sagt Langwald. Wenn diese beiden Ansprüche in Konflikt geraten, sei es für die 40-Jährige nicht einfach, sagt sie.

Langwald hat manchmal Platzprobleme

Etwa wenn die kleinen Kinder ihren Mittagsschlaf halten. Wenn ein Kind mal unruhig schläft und damit das andere stört, wird es normalerweise in ein anderes Zimmer gebracht. Nur sitzt da zur Zeit Langwalds großer Sohn und lernt. Er muss dann kurzerhand umziehen.

„Die Situation ist echt nicht toll. Ich fühle mich da oft hin-und hergerissen“, sagt die Tagesmutter. Wenn ihre Söhne gerade Probleme mit dem Lernstoff haben, könne sie manchmal nicht einfach zur Stelle sein. Anders vielleicht als Kollegen oder Kunden in einer Videokonferenz verstehen Langwalds kleine „Kunden“ nicht, wenn sie ihre Aufmerksamkeit kurz ihren Kinder schenkt.

Kleinkinder brauchen mehr Aufmerksamkeit

Die Kleinkinder bräuchten viel Aufmerksamkeit, außerdem bezahlten die Eltern ja auch dafür, dass sich Langwald um ihre Kinder kümmert. „Als Mutter ist das dennoch oft schwer. Aber ich bin froh, dass meine Jungs so viel Verständnis zeigen“, sagt die 40-Jährige.

Einschränkungen müssten aber auch die Kleinkinder hinnehmen. Wenn etwa die Klassenlehrerin anruft oder das W-Lan kurz vor Unterrichtsbeginn streikt, müssten sie auch kurz mal warten. Eigentlich müsste es sie zweimal geben, meint die 40-Jährige.

Eltern brauchen die Kinderbetreuung wirklich

Obwohl es chaotisch und schwierig ist, versucht die Tagesmutter den Alltag ihrer Betreuungs-Kinder so schön wie möglich zu gestalten. Deren Eltern seien auf die Betreuung angewiesen. „Die meisten haben selbst keine Möglichkeit zum Homeoffice und wären sonst wirklich aufgeschmissen“, sagt Langwald.

Ein wenig allein gelassen fühlt sich die 40-Jährige dennoch – und zwar von den politischen Entscheidungsträgern. Sie wünsche sich, dass auch Tagesmütter die Gelegenheit bekämen, weniger Betreuungsstunden anzubieten. Ähnlich wie Kitas.

Tagesmütter können eigene Kinder nicht in Kita bringen

Langwald habe von anderen Tagesmüttern gehört, dass diese ihre eigenen Kinder nicht mehr in die Kita bringen könnten. Durch die verkürzten Öffnungszeiten sei es für die Kolleginnen unmöglich, ihre Kinder rechtzeitig abzuholen, wenn sie sich um ihre Betreuungskinder kümmern. „Für Kitas wurden verminderte Öffnungszeiten festgesetzt, die Tagesmütter von der Politik aber vergessen“, sagt Langwald.

Die Tagesmutter hat sich mit ihrem alltäglichen Chaos arrangiert. Selbst die Unsicherheit, jeden Tag „fremde“ Personen in ihr Haus zu lassen und damit ihre Familie einer höheren Infektionsgefahr auszusetzen, sei kein Problem mehr, sagt sie. „Am Anfang waren wir echt vorsichtig. Ich habe meine Kinder konsequent von den Kindern in meiner Betreuung getrennt. Aber das kann man nicht auf Dauer machen. Mittlerweile haben wir uns an die Situation gewöhnt“, so Langwald.

Über den Autor
Volontär
Geboren in Dorsten, nach kurzem studienbedingten Besuch im Rheinland jetzt wieder in der Region. Hat Literatur- und Theaterwissenschaften studiert, findet aber, dass sich die wirklich interessanten Geschichten auf der Straße und nicht zwischen zwei Buchdeckeln finden lassen.
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Kevin Kallenbach

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