So können Studenten wie Leonie Singer ihre Ausgaben im Blick behalten

dzSerie: Leonie zieht aus

Als Student ist das Geld eigentlich immer knapp - auch wenn man nebenbei jobbt. Budgetberaterin Elisabeth-Wigger-Düsing gibt Leonie Singer praktische Tipps zu Einnahmen und Ausgaben.

Castrop-Rauxel

, 30.06.2019, 12:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Insgesamt 929 Euro haben Studenten im Monat zur Verfügung: 194 Euro Kindergeld und 735 Euro BaföG (Höchstsatz). Das sind 232 Euro pro Woche. Da muss man schon genau überlegen, welche Ausgaben sein müssen und welche überflüssig sind.

Leonie Singer muss das lernen. Die Abiturientin will zum Studium nach Duisburg ziehen - mit einer Freundin in die erste eigene Wohnung. Auch wenn die Mieten dort vergleichsweise niedrig sind, muss sie mit ihrem Geld haushalten.

Elisabeth Wigger-Düsing ist Budgetberaterin der Verbraucherzentrale. Sie legt Leonie Singer mehrere Zettel mit unterschiedlichen Ausgaben hin. Die 18-Jährige muss sich entscheiden: Worauf verzichte ich?

So können Studenten wie Leonie Singer ihre Ausgaben im Blick behalten

Welche Ausgaben sind sinnvoll und welche lassen sich vermeiden? © Ann-Kathrin Gumpert

Leonie Singer wählt zielstrebig aus. Rechnet man die Kärtchen zusammen, kommt sie auf Ausgaben in Höhe von 172,80 Euro - bei einem Budget von 232 Euro. Das ist schonmal gut. „Ich habe als erstes aussortiert, was nicht lebensnotwendig ist“, sagt die Abiturientin.

Dafür gibt es ein Lob der Budgetberaterin. „Man kann auch ein Haushaltsbuch führen, um den Überblick über seine Ausgaben zu behalten“, so Wigger-Düsing. Das klingt spießiger, als es ist. Denn mittlerweile gebe es auch praktische Apps, die das Papier-Haushaltsbuch ersetzen. „So sehe ich, was übrig bleibt und ob ich mir zusätzlich etwas leisten oder sparen kann.“

Bei der Verbraucherzentrale gibt es einen interaktiven Kostenplaner, mit dem man seine Ausgaben überprüfen kann.

Wie kann ich meine Ausgaben verringern?

Doch nicht immer reicht das Geld bis zum Ende des Monats. Dann muss man schon mal kreativ werden. Die Frage ist: Welche Ausgaben gibt es und wie lassen sie sich reduzieren? „Für Studenten gibt es mit Studentenausweis viele Rabattmöglichkeiten“, sagt Wigger-Düsing. Egal ob Fitnessstudio, Kino oder Zoo: Überall gibt es Studententarife. Und fragen kostet nichts.

Das Fitnessstudio ganz sparen kann man sich gleich, wenn man an den Angeboten des Hochschulsports teilnimmt. Die gibt es eigentlich an jeder Uni und kosten nur einen Bruchteil des Fitnessstudio-Abos.

Befreiung vom Rundfunkbeitrag

Wer BaföG bekommt, kann sich auch vom Rundfunkbeitrag befreien lassen. Und manchmal lohnt sich ein Bankenwechsel, wenn es dort gebührenfreie Konten für Studenten gibt. Meist reicht es dann aus, eine aktuelle Studienbescheinigung einzureichen.

So kommt man an BaföG

  • Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) ist ein Garant dafür, dass Jugendliche und junge Erwachsene eine ihrer Eignung und Neigung entsprechende Ausbildung absolvieren können – auch unabhängig davon, ob die finanzielle Situation ihrer Familie diese Ausbildung zulässt oder nicht.
  • BAföG gibt es nicht nur für das Studium an Hochschulen, sondern auch für den Besuch anderer weiterführender Bildungsstätten.

„Als ich im September 18 geworden bin, habe ich mit meiner Bank gesprochen“, sagt Leonie Singer. „Die bieten günstige Konditionen für Studenten an.“ Schon seit Langem nutzt Leonie Singer auch das Online-Banking. Das kann sie auch weiternutzen, wenn sie nach Duisburg zieht. Ein Bankenwechsel wird dann überflüssig.

Eine Kreditkarte hat Leonie Singer nicht, genauso wenig wie einen Dispokredit. „Das ist auch vernünftig“, sagt Elisabeth Wigger-Düsing. So komme man nicht in Versuchung, Geld auszugeben, dass man gar nicht hat.

Wie kann ich meine Einnahmen erhöhen?

1. Stipendien: „Ich möchte mich auf welche bewerben“, sagt Leonie Singer. „Da habe ich durch meine Tätigkeit im KiJuPa gute Chancen, genommen zu werden.“ Nicht alle Studenten kennen diese Möglichkeit. Es gibt Teil- und Vollstipendien, die Auswahl ist groß. Der Stipendienfinder des Bundesministeriums für Bildung und Forschung hilft weiter.

2. Neben dem Studium jobben: Da sollte man sich am besten überlegen, was kompatibel zum Studium ist. Vor allem in größeren Städten gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Studentenjobs. Auch das schwarze Brett an der Uni kann weiterhelfen.

Wenn es am Monatsende knapp wird, sollte man aber auf keinen Fall Zahlungen für Miete, Strom, etc. einstellen. Manchmal helfe es bei offenen Forderungen auch, nach Darlehen oder Stundungen zu fragen.

Wenn am Monatsende noch Geld übrig ist, sollte man davon am besten ein kleines Sparpolster anlegen. „So beugt man vor, wenn mal etwas kaputt geht, wie beispielsweise der Kühlschrank“, so Wigger-Düsing. Dafür eignen sich Sparbuch und Tagesgeldkonto.

So können Studenten wie Leonie Singer ihre Ausgaben im Blick behalten

Elisabeth Wigger-Düsing berät zu Einnahmen und Ausgaben. © Ann-Kathrin Gumpert

Leonie Singer geht mit ihren Einnahmen sehr sparsam um. „Wenn ich arbeite gehen jeden Monat 100 Euro auf mein Sparbuch“, sagt die 18-Jährige. „Da komme ich nur dran, wenn ich persönlich zur Bank gehe. So gebe ich nichts davon aus, weil es umständlich ist.“ Würde sie es nicht so machen, wäre jetzt viel weniger auf dem Sparbuch, ist sie sicher. Sie jobbt im Arbeitskreis Umwelt beim Kinder- und Jugendparlament, ist Judo-Trainerin und geht Babysitten.

„Sie kennen ja schon ganz viele Stolperfallen und sind gut vorbereitet“, sagt die Budgetberaterin. Ihre Mutter hilft Leonie Singer dabei, sich auf das Ausziehen und einen neuen Lebensabschnitt vorzubereiten. Vor dem ersten Wocheneinkauf, den sie ganz alleine bewältigen muss, hat die 18-Jährige Respekt. „Ich weiß gar nicht, was man so braucht. Manche Lebensmittel wie Nudeln, Reis und Gewürze sind zu Hause immer da“, sagt sie.

So können Studenten wie Leonie Singer ihre Ausgaben im Blick behalten

Leonie Singer macht in diesem Jahr ihr Abitur. Sie bereitet sich auf ein Leben nach der Schule vor. © Ann-Kathrin Gumpert

Das ist Leonie Singer

Leonie Singer ist 18 Jahre alt und macht im Sommer ihr Abitur am Ernst-Barlach-Gymnasium. Ab Oktober will sie in Duisburg Soziale Arbeit und Politikwissenschaften studieren. Dafür zieht sie mit einer Freundin zusammen in eine WG, die erste eigene Wohnung. Sie weiß, dass sie kein BaföG bekommt und muss deshalb im Studium jobben.
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