Dauer-Streit unter Nachbarn eskalierte auf dem Parkplatz mit Beleidigungen

dzNachbarschaftsstreit

Streit unter Nachbarn ist für Richter an der Tagesordnung, wenn schlichtende Gespräche zuvor nicht genützt haben. In diesem Fall hatte eine Nachbarin eine andere wegen Beleidigung angezeigt.

Castrop-Rauxel

, 29.08.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Januar kam es anlässlich einer Einparksituation zu einem Wortwechsel, der sieben Monate später vor dem Zivilgericht noch einmal zitiert wurde. Eine Frau war mit ihren Töchtern vom Einkaufen heimgekehrt, wollte parken. Der Nachbar, der am Auto davor am Kofferraum stand, merkte an: „Wollen Sie mich umfahren?“

Das war Anlass für dessen Schwiegermutter, sich einzumischen. Das Wort „Schlampe“ soll gefallen sein, sei aber mit einer anderen Beleidigung prompt gekontert worden. Fakt ist, dass die Emotionen hochkochten. Die gegenseitigen Beschuldigungen, wer was gesagt hat, wurden vor Gericht allerdings nur teilweise eingeräumt.

Nachbarschaftsverhältnis war schon lange angespannt

Fakt ist aber auch, dass das nachbarschaftliche Verhältnis schon lange kein gutes war. „Der (Schwiegersohn der Beklagten und eigentliche Nachbar) hat mit allen Streit“, so die Klägerin. Ihre Anzeige warf demnach nur ein Schlaglicht auf eine von Unfreundlichkeiten geprägte Lage.

Die hat sich übrigens entspannt, weil der fragliche Nachbar inzwischen umgezogen ist. Doch das Verfahren holte die Familie jetzt noch einmal ein.

Genauer gesagt: mehrere Anzeigen. Denn während der Verhandlung wurde bekannt, dass bereits eine weitere Klage vorliegt. Diesmal wegen einer Fuhre Sand, die der Nachbar nicht ordnungsgemäß beseitigt hat, sodass Rückstände das Grundstück des Klägers verschmutzen.

Richter machet einen letzten Vorschlag zur Güte

Im Laufe der Anhörungen von Klägerin und Beklagter wurde immer deutlicher, dass es in der Nachbarschaft schon lange geknistert hatte. Das nahm der Richter auch zum Anlass, einen Vorschlag zur Güte zu machen. Dabei machte er auch deutlich, dass bei einer Einigung der beiden Parteien auf die ansonsten langwierige und sicher nicht schöne Anhörung etlicher Zeugen, darunter drei Kinder der Klägerin, verzichtet werden könne.

Denn wenn man das Sprichwort „Aus der Mücke einen Elefanten machen“ bemühen würde, wäre dieses Gerichtsverfahren ein gutes Beispiel.

Das Bemühen des Richters trug aber schließlich Früchte. Er regte eine wechselseitige Erledigungserklärung an. Und das nahmen die beiden Parteien mit ihren jeweiligen Anwälten an. Im Falle der verunreinigten Fläche erhält der Nachbar einmalig 150 Euro, das Thema Beleidigung ist abgeschlossen.

Sogar eine Entschuldigung gab es noch

Auch eine Entschuldigung kam zustande, was ausdrücklich nicht mit der Anerkennung der Vorwürfe konform gehe, aber für den geschlossenen Frieden ausreichte. Für den Richter ein voller Erfolg. Und für die Beteiligten ist die Gefahr einer neuen Eskalation durch den Wegzug der einen Streitpartei wohl aus dem Weg geräumt.

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